Biathlon

Fourcade gewinnt bei Biathlon-WM auch den Titel im Einzel

Trotz einer Strafminute nach einem Schießfehler war Fourcade einmal mehr nicht zu bezwingen. Vierter Start – viertes Gold.

Der Franzose Martin Fourcade setzt nach dem vierten WM-Gold zum Freudensprung an. Zwei weitere Rennen folgen noch bis Sonntag

Der Franzose Martin Fourcade setzt nach dem vierten WM-Gold zum Freudensprung an. Zwei weitere Rennen folgen noch bis Sonntag

Foto: NTB SCANPIX / REUTERS

Oslo.  Der Überraschungsbesuch von Freundin Nadine am Holmenkollen gab ihm ein gutes Gefühl: „Ja, da spürt man den Rückhalt schon etwas“, sagte Erik Lesser nach dem 20-km-Einzelrennen. Zwar reichte es für den Oberhofer nicht zu einer Medaille bei der Biathlon-WM. Mit Platz sieben erfüllte er jedoch sein selbst gestecktes Ziel, unter die Top 10 zu kommen – und wurde bester Deutscher. „Ich bin so semizufrieden“, erklärte Lesser. „Ein Schießfehler ist okay, das erlaubte Minimum. Läuferisch hätte ich mir eine bessere Form gewünscht.“

Allerdings hätte diesmal sogar eine makellose Serie nicht zu Edelmetall geführt. Zu stark präsentierten die zwei Österreicher und der unersättliche Franzose Martin Fourcade.

Zwar heißt die offizielle WM-Hymne „Miracle“. Ein schwungvoller Pop-Song, der zum Tanzen animiert. Doch ebenso häufig wird in diesen Tagen von Oslo die „Marseillaise“ gespielt. Am Donnerstagabend hallte die französische Nationalhymne nun schon zum fünften Mal über die Karl Johans gate hinauf in Richtung Königsschloss.

Trotz einer Strafminute nach einem Schießfehler war Fourcade einmal mehr nicht zu bezwingen. Vierter Start – viertes Gold: Der Biathlon-König der Neuzeit schreibt an der Geburtsstätte des nordischen Skisports weiter an ­seiner unglaublichen Erfolgsgeschichte. Er verwies die makellos treffenden Dominik Landertinger (+5,1 Sekunden) und Simon Eder (+14,4 Sekunden/beide aus Österreich) auf die Plätze.

Aufgrund Fourcades beeindruckender Dominanz drehte sich gestern alles um die Frage nach neuen Rekorden: Noch nie hat es ein Skijäger geschafft, bei einer WM alle vier Einzelrennen für sich zu entscheiden. 2012 in ­Ruhpolding holte Fourcade drei Titel. „Doch damals“, schränkt er ein, „war ich ein Biathlon-Kind. Jetzt bin ich ­reifer und weiß, dass ich den ‚Slam‘ schaffen kann.“

Sogar sechs Goldene sind mittlerweile möglich, sollte er außerdem mit der Männer-Staffel am morgigen Sonnabend triumphieren. „Der ist saustark, aber das wird nicht passieren. Sechsmal Gold holt der Fourcade nicht“, meinte Lesser kämpferisch. Die Titelverteidigung mit den Teamkollegen sei das ganz große Ziel.

Weiter nicht in Form ist Simon Schempp. Der hatte zwar in dieser Weltcup-Saison bereits vier Rennen gewonnen. Beim 20-km-Klassiker kam Schempp als 16. jedoch als schlechtester Deutscher ins Ziel. Auch im Vorjahr war der Schwabe als großer WM-Medaillenanwärter leer ausgegangen. Schempp: „Ich kann gut mit Druck umgehen. Das habe ich bei Staffeln schon oft gezeigt. Ich gehe nicht davon aus, dass ich mich zu fest mache.“