Jobsuche in der NFL

Berlins Football-Star Werner muss sich neuen Klub suchen

Berlins Football-Star Björn Werner wurde bei den Indianapolis Colts entlassen. Jetzt muss sich der 25-Jährige einen neuen NFL-Klub suchen.

 Vor den Toren von Indianapolis hatte  sich Björn  Werner eine schicke Villa mit Pool für sich, seine Frau Denise und die Hunde zugelegt. Nun steht aber ein Umzug an

Vor den Toren von Indianapolis hatte sich Björn Werner eine schicke Villa mit Pool für sich, seine Frau Denise und die Hunde zugelegt. Nun steht aber ein Umzug an

Foto: Chris Bergin / picture alliance / dpa

Berlin.  Björn Werner hat nie daran gewzeifelt, wie gnadenlos hart das Geschäft in der National Football League (NFL) ist. „Alle deine Fehler können dich den Job kosten. Wenn du deine Leistung nicht bringst, kommt ein Neuer rein.“ Das sagte der 25-jährige Berliner von gut einem Jahr, als er mit den Indianapolis Colts beinahe in den Super Bowl eingezogen wäre. Für ihn und den Klub war es die erfolgreichste Saison seit seiner Verpflichtung 2013. In der abgelaufenen Spielzeit schaffte Werner es mit den Colts dann aber nicht einmal ins Play-off. Es folgten personelle Veränderungen, die nun auch ihn getroffen haben.

Zunächst wurden fast alle Assistenztrainer entlassen, auch der Stuhl von Headcoach Chuck Pagano wackelte erheblich, dann aber entschied sich der Klub für vier weitere Jahre mit dem 55-Jährigen – dafür aber gegen Werner. „Ich habe während der Saison schon gespürt, dass das passieren könnte“, sagt Werner. Am Dienstagabend erhielt er einen Anruf von Pagano, seit Mittwoch ist er nun ein sogenannter Free Agent und wartet auf Angebote von anderen Teams. „Ich werde in Deutschland sein, bis meine Agenten mich anrufen und dann geht es los damit, Teams zu besichtigen“, sagte er der Sportsendung „ran“.

Die Trennung von den Colts kostet rund 2,5 MIlionen Dollar

Als Nummer 24 von 254 Nachwuchs-Footballern war Werner im April 2013 beim 78. NFL-Draft von den Colts gepickt worden, er ist bislang der einzige Deutsche, der bereits in der ersten Runde gewählt wurde. Der 1,92 Meter große und 120 Kilo schwere Defensivspezialist erhielt einen Vierjahresvertrag mit einem Gehalt von gut neun Millionen Euro und ein Handgeld über etwa vier Millionen Euro. „Ich kann es gar nicht abwarten, zu zeigen, dass ich diesen Draft-Pick wert bin“, sagte Werner damals, schließlich kam er als einer der besten Defensive Ends von der Florida State University nach Indianapolis. Seine Aufgabe bestand darin, die offensiven Spielzüge der Gegner zu stören oder deren Quarterback zu Fall zu bringen. Das gelang ihm 2012 in seinem letzten College-Jahr 13 Mal. Nur ein Spieler in der Geschichte der Universität schaffte mehr Sacks in den ersten drei Saisons – Super-Bowl-Champion Peter Boulware.

Aus seinen Initialen B und W formte Werner den Spitznamen „Berlin Wall“, bei den Colts konnte er dieser Marke aber nicht gerecht werden. In den 38 Spielen, die er in den vergangenen drei Jahren für Indianapolis bestritt, gelangen ihm sechseinhalb Sacks. Sicherlich hatte Werner zunächst Probleme mit dem Positionswechsel, denn Headcoach Chuck Pagano schulte ihn direkt nach der Verpflichtung zum Outside Linebacker um. Diese Aufgabe ist etwas anspruchsvoller, denn neben der reinen Jagd auf den gegnerischen Spielmacher war es nun Werners Aufgabe, die Passwege zuzustellen. „Vermutlich wäre ein anderes defensives System einfacher für ihn“, sagte Jörg Hofmann, der von 2002 bis 2010 die Jugendarbeit der Berlin Adler koordinierte und während dieser Zeit täglich mit Werner arbeitete. Er prognostizierte: „Wie ich Björn kenne, wird er sich da schnell reinfinden.“ Tatsächlich wirkte Werner aber bis zum Schluss etwas verloren auf der neuen Position und konnte seinen Trainer nicht überzeugen. In der abgelaufenen Saison kam er nur noch auf zehn Einsätze, meistens spielte er in den Special Teams, die nur selten auf dem Feld stehen. Werner hat sich nie öffentlich beschwert, nach dem Vertragsende sagte er aber: „Ich glaube, es ist besser für mich, wenn ich einen frischen neuen Start irgendwo anders habe.“

Junge aus dem Wedding lebte einst in einer Vierer-WG

Rund zweieinhalb Millionen US-Dollar verliert Werner durch die vorzeitige Vertragsauflösung. Nach der Verpflichtung der Colts hatte er sich ein großes Haus in Indianapolis gekauft, doch der ehemalige Adler aus Wedding kann auch anders: Als College-Footballer lebte er mit seiner Frau Denise in einer Vierer-WG in Florida, das Paar kam mit monatlich 900 Dollar aus, die Werners Stipendium einbrachte. So weit, dass er in diese Verhältnisse zurückkehren muss, wird es aber nicht kommen, davon ist der Berliner überzeugt: „Ich bin sehr sicher, dass ich genug gezeigt habe, damit ein Team anruft und mich haben will.“

Auch sein ehemaliger Trainer Wanja Müller hält die Hysterie um seine Entlassung für überzogen. „In den sozialen Netzwerken mutet es an, als ginge die Welt unter, weil Björn entlassen wurde, aber das ist leider eine alltägliche Situation im NFL-Business“ Müller, selbst einst Quarterback und später Trainer in der NFL Europe, entdeckte Werner in der Adler-Jugend. „Es war schon damals ersichtlich, dass er für europäische Verhältnisse ein Ausnahmetalent ist“, sagt er. Jetzt muss Werner nur noch beweisen, dass er auch in Amerika zu überzeugen weiß.