Biathlon

Fourcades Goldrausch bringt Norwegens König in Bedrängnis

Der Franzose greift bei der Biathlon-WM in Oslo nach allen sechs Titeln. Am Donnerstag ist er auch Favorit im Einzelrennen.

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Oslo.  Seit seiner zweimonatigen Fortbildung in Oslo kennt Martin Fourcade einige spezielle Ecken in Norwegens Metropole – und eine davon hat es dem 27-Jährigen besonders angetan: Grefsenkollen, ein Vorort im Nordosten der Stadt, von wo aus man einen weiten Blick auf die City, den Fjord und seine vielen Inseln hat.

Dort oben bummelte Fourcade im Juli und August 2015, als er sich in Oslo für den nächsten Winterhöhepunkt präparierte, in der Freizeit gerne herum. „In Grefsenkollen hat es mir damals am besten gefallen, da möchte ich wieder hin“, erklärte der Franzose nun, als er bei der Biathlon-WM nach Mixed-Staffel und Sprint auch die Verfolgung gewonnen hatte.

Die souveräne Art, mit der er seine Widersacher dabei in Schach hält, ruft bei allen Beteiligten große Bewunderung hervor. Speziell den WM-Gastgebern ist aber auch anzumerken, dass ihnen die Einseitigkeit auf ihrem heiligen Wintersportterrain missfällt.

Norweger kommen nicht an ihm vorbei

Da kann Ole Einar Björndalen seinen x-ten Frühling als Biathlet erleben, Fourcades Spezialkonkurrent Emil Hegle Svendsen in ihm schlummernde Energien punktgenau freilegen – ein Sieg über den Dominator ist den Norwegern trotz ihrer geballten Kräfte noch nicht geglückt.

Das schmerzhafte Versäumnis hat zum Teil amüsante Folgen, wie den jüngsten Dialog des Seriensiegers mit König Harald V. – Norwegens Staatsoberhaupt ist gerade Dauergast auf dem Holmenkollen, und ein Sportler kreuzte noch an jedem Wettkampftag in seiner Loge auf: Martin Fourcade.

Der 79-jährige Monarch würde nach Sprint-Siegerin Tiril Eckhoff allerdings gerne auch mal einem Landsmann die Hand schütteln. Ein Zwiespalt, den Harald V. und Fourcade mit Blick auf die verbleibenden Männerrennen – Einzel am Donnerstag (15.30 Uhr, ZDF und Eurosport), Staffel am Sonnabend, Massenstart am Sonntag – mit einem Kompromiss lösten.

Den Rekord hält eine Norwegerin

„Ich sagte zum König: Bis Donnerstag. Er erwiderte: Lieber bis Sonntag. Worauf ich antwortete: Lassen Sie uns sagen – bis Sonnabend“, erzählte der Skijäger aus den Pyrenäen. Sechs Goldmedaillen bei einer Biathlon-WM hat noch niemand abgeräumt. Den Rekord hält seit 2013 die Norwegerin Tora Berger mit vier Siegen und zweimal Silber, Fourcade könnte diese Marke knacken.

Zumindest in den Dunstkreis des smarten Vollbarträgers kam, in Sprint und Verfolgung, Ole Einar Björndalen. „Das ist wie in den letzten Jahren. Auch da hat er dominiert – jetzt kann er hier alle vier Einzelwettbewerbe gewinnen. Und noch mehr“, erklärte der 42-Jährige genervt, ergänzte grimmig: „Wir werden kämpfen, wir wollen ihn schlagen – das ist mal sicher.“ Knapper Kommentar von Svendsen auf dem Stuhl neben ihm: „Ich sehe das genauso.“

Die anhaltende Erfolgslawine veranlasste die französische Sport-Tageszeitung „L’Équipe“ gerade zu einem Aufruf an ihre Leser. Gesucht: Ein passender Spitzname, der all die Superlative, die den nun fünfmaligen Gesamtweltcupsieger Fourcade umkreisen, vereint.

Selbst mit drei Schießfehlern besser als die Deutschen

Solche Spielchen liegen den deutschen Biathleten jenseits ihrer dreifachen Medaillengewinnerin Laura Dahlmeier aktuell fern. Speziell Männer-Bundestrainer Mark Kirchner ist vielmehr dabei, seine Kandidaten für die zweite WM-Halbzeit neu zu justieren.

Denn Simon Schempp trägt wieder schwer an der Favoritenlast. Arnd Peiffer schießt zwar recht solide, für die vordersten Plätze fehlt ihm allerdings das gewisse Extra auf der Strecke. Und der läuferisch verbesserte Erik Lesser vergab das mögliche Edelmetall in der Verfolgung von Oslo mit einem riskanten letzten Schießen.

„Wir sind nicht hundertprozentig zufrieden, bei einer WM zählt nun mal nur eins, zwei und drei“, weiß Kirchner und empfahl Schempp und Peiffer nach ihren bisherigen Dauereinsätzen in Oslo eine Ski- und Schießpause – während der entthronte Jagdweltmeister Lesser noch ein launiges Statement zu Martin Fourcade (drei Fehler in der Verfolgung) anbrachte.

„Am Sonntag“, meinte der Thüringer, „war er wohl nicht ganz so souverän.“ Kurze Pause, dann folgte die Einsicht: „Für uns reicht’s.“