Oslo

Laura Dahlmeier in den Spuren von Magdalena Neuner

Die 22-Jährige holt WM-Gold in der Biathlon-Verfolgung

Oslo.  Ob sie sich am Abend die geliebten norwegischen Waffeln gönnen wird, „die schon duften, wenn man ins Hotel kommt“, ließ Laura Dahlmeier offen. Die 22-Jährige wollte sich auch überraschen lassen, was die Techniker zum Anstoßen besorgen werden. Doch eine Feier werde es bestimmt geben. Nach der Bronzemedaille im Sprint hatte die beste deutsche Biathletin am Sonntag in der Verfolgung den ganz großen Coup gelandet: Makellos am Schießstand, schnell in der Loipe – es war eine Demonstration der Stärke, die mit ihrem ersten WM-Titel in einem Einzelrennen endete. In Anlehnung an die Fußballzunft ziert nun der erste Stern ihren Laufanzug. Und sie ist die erste deutsche Biathlon-Weltmeisterin seit der vor vier Jahren zurückgetretenen Magdalena Neuner.

„Ein Einzeltitel, das war immer mein Traum. Ich kann es gar nicht fassen, dass ich es wirklich geschafft habe“, sagte die Oberbayerin. Als sie mit der deutschen Fahne in der Hand und fröhlich winkend ins Ziel gelaufen war, hatte Gerald Hönig die ersten Glückwünsche der Trainerkollegen empfangen. „Das ist eben die Laura. Abgeklärt und sich ihrer Stärken bewusst“, meinte der Oberhofer. Und es wirkte, als habe er an diesem Nachmittag vor über 20.000 Zuschauern nichts anderes erwartet als das erste Gold am Holmenkollen.

Dahlmeier selbst verbindet mit dem legendären Ort nicht nur leckere Waffeln. Hier ging vor drei Jahren ihr Stern auf. In ihrem ersten Weltcup-Rennen wurde sie auf Anhieb Siebente – als 19-Jährige. Jetzt schloss sich der Kreis mit dem Titel vor der Italienerin Dorothea Wierer und Marie Dorin Habert (Frankreich). Franziska Hildebrand musste sich mit dem ungeliebten vierten Platz begnügen. Dahlmeier dagegen zeigte, wie komplett sie als Biathletin schon ist. 91 Prozent Trefferquote am Schießstand suchen ihresgleichen. Im Sprint imponierte sie mit der besten Laufzeit. Dahlmeier, die passionierte Bergsteigerin, kletterte die Anstiege in einem Tempo hinauf, als wären Elche hinter ihr her.

Als das Treppchen erklommen war, sprach sie „vom schönsten Tag in ihrem Leben“. Gestern setzte sie noch einen drauf und schwärmte vom Besuch in der Loge von Norwegens König Harald. „Davon haben meine Eltern schon gesprochen, als ich ein Kind war. Sie haben immer gesagt: Wenn du dich anstrengst, schaffst du das auch irgendwann einmal. Nun ist es wahr geworden. Er war ein lockerer Smalltalk und natürlich eine große Ehre für mich“, sagte Dahlmeier.

Bei den Männern enttäuscht Simon Schempp auf Rang 18

Bei ihr mischten sich Freude und Erleichterung, fit zu sein. Denn ihre Saison enthielt nicht nur Berge. Da ihr Körper öfters streikte, bestritt sie wegen verschiedener Infekte nur 14 von 21 Wettbewerben. Die Ausbeute spricht Bände: Fünf Rennen gewann sie, lediglich zweimal kam sie nicht unter die Top Ten. Vom Punkteschnitt her reicht niemand an die Partenkirchenerin heran. Hönig prophezeit ihr „eine große Zukunft“.

Die deutschen Männer gingen indes am ersten WM-Wochenende leer aus. Der Oberhofer Erik Lesser belegte als Bester in der 12,5-Kilometer-Verfolgung den siebenten Platz, nachdem er im Sprint nur 19. geworden war. Der als großer Konkurrent des neuen Weltmeisters Martin Fourcade (Frankreich) gehandelte Simon Schempp enttäuschte nach Platz acht im Sprint auf Rang 18. „Natürlich ist es nicht das, was ich mir vorgestellt habe“, sagte der Schwabe. „Aber ich werde jetzt nicht aufgeben, sondern angreifen.“ Bester Deutscher war Titelverteidiger Erik Lesser, der zeitweilig nah an Bronze war. Zwei Schießfehler beim letzten Anschlag warfen ihn aus dem Medaillenrennen.