Hannover

Deutschland verharrt im Klassen-Kampf

Davis-Cup-Team unterliegt Tschechien, weil Jungstar Zverev das entscheidende Match abgibt

Hannover.  Es war ein Tag, an dem in der Tui-Arena zu Hannover alles ganz anders kam als gedacht. Ein Tag, an dem Deutschlands Davis-Cup-Team überraschend die große Chance zur Wende im Erstrunden-Krimi gegen Tschechien bekam – und dann, gerade als wieder ein Sieg möglich schien, doch noch in die Gefahrenzone eines Abstiegs aus der Weltgruppe hinuntergerissen wurde. Dieser außergewöhnliche, turbulente und kapriolenreiche Tag endete bitter vor allem für den Jüngsten im DTB-Team, für Alexander Zverev, den 18-jährigen Hamburger.

Denn nach Philipp Kohlschreibers 7:5, 6:4-Aufgabesieg gegen Top-Ten-Mann Tomas Berdych war der Teenager mit der Last der Verantwortung im Schlusseinzel überfordert, verlor das finale Duell klar mit 2:6, 3:6 und 1:6 gegen den erfahrenen Weltranglisten-50. Lukas Rosol – was in der Gesamtabrechnung das fatale 2:3-Scheitern der Hausherren bedeutete. „Niemand macht Sascha einen Vorwurf. Er hatte das Pech, gegen einen zu spielen, der absolut alles traf“, sagte Teamchef Michael Kohlmann, der zuvor in seiner Rolle als Bank-Berater vergeblich versucht hatte, Zverev von mancher Nervosität und dem massiven Erwartungsdruck zu befreien.

Statt ohne Abstiegssorgen Mitte Juli in ein spannungsgeladenes Viertelfinalduell mit dem ewigen Rivalen Frankreich gehen zu dürfen, müssen die Deutschen nun wieder befürchten, im Davis-Cup-Fahrstuhl eine Etage tiefer zu landen – jedenfalls sind sie jetzt aufs Neue, wie in der Vorsaison, in einem Relegationsmatch Ende September (18. bis 20.) gefordert, ihre Erstklassigkeit zu bewahren. Allerdings könnte die Aufgabe dann erheblich unangenehmer werden als beim leichten letzten Play-off-Gegner Dominikanische Republik. Personell dürfte sich bis dahin wenig im Team von Kohlmann ändern, große Auswahlmöglichkeiten hat der Kapitän nicht, seine Kaderdecke ist dünn, sehr dünn. Für die nähere Zukunft dürfte den Deutschen daher auch der Status quo einer Mannschaft bleiben, die im ewigen Klassen-Kampf steckt und ums Drinbleiben im Revier der Elitenationen ackern muss.

Diese Erkenntnis dürfte inzwischen auch allen dämmern, die in Alexander Zverev schon jetzt einen Heilsbringer für goldene Länderspielzeiten gesehen hatten. Denn Zverev braucht noch Zeit, ob im Davis Cup oder im Alltagsgeschäft auf der Tour, um seine ganzen Stärken zu entfalten. Er muss erst noch lernen, mit der Größe der Herausforderung zu wachsen, in einer zugespitzten Situation wie am Sonntagnachmittag in Hannover. Wahrscheinlich hatte Zverev selbst geglaubt, er könne wie im Handumdrehen die dramatische Fünf-Satz-Niederlage gegen Berdych vom Freitag ausradieren, indem er den letzten Punkt im letzten Duell holt. Zverev wollte das, keine Frage, aber es sah bald schon so aus, als habe er es zu sehr gewollt und sich auch zu einfach vorgestellt.

Frühe Breakbälle von Zverev bei 1:1 im ersten Satz blieben ungenutzt, danach gehörte die Bühne nur noch dem ausgeschlafenen, routinierten Rosol. Von ihm, dem Faxenmacher und Klassenclown, hatte keiner mehr etwas erwartet, umso freier und gelöster spielte er auf, hielt Zverev weit auf Abstand. „Er hat das Match seines Lebens gespielt“, sagte Teamchef Kohlmann.