Berlin –

Jetzt kann jeder kommen

Die Eisbären schlagen die Adler Mannheim 4:0 und starten am 15. März zu Hause ins Play-off

Berlin.  Die Ehrenrunden fielen diesmal etwas länger aus, und für manch einen Spieler brachte das eine enorme Belastung mit sich. Teilweise mit zwei Kindern in den Armen fuhren die Profis des EHC Eisbären in die Kurven, freuten sich gemeinsam mit den Fans über eine gelungene Hauptrunde in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Selbst Trainer Uwe Krupp, sonst sehr zurückhaltend in dieser Hinsicht, stand mit Nachwuchs auf der Spielfläche.

Die spontane Feier taugte zugleich als guter Zeitvertreib. Während die Berliner ihren Teil erledigt und den Titelverteidiger Adler Mannheim mit 4:0 (0:0, 2:0, 2:0) besiegt hatten, mussten sie anschließend warten. Denn die Partie in Iserlohn zwischen den Roosters und den Kölner Haien zog sich hin. Gut zehn Minuten nach Spielende in Berlin stand dann endlich fest, dass die Sauerländer 0:1 verloren. Also zogen die Eisbären in der Tabelle an Iserlohn vorbei und schlossen die Hauptrunde nach 52. Spieltagen als Zweiter ab. „Wir gehen mit einem recht guten Gefühl in die Pause“, sagte Trainer Krupp. Zwei Tage können sich die Spieler erholen, dann beginnt die Vorbereitung auf das Play-off-Viertelfinale, für das jetzt auch der Starttermin fix ist. Am 15. März fangen die Berliner mit einem Heimspiel an.

Ihren Gegner im Viertelfinale kennen sie frühestens Freitag

Bis ihr Gegner dort feststeht, dauert es mindestens bis Freitag. Im Pre-Play-off duellieren sich die Kölner Haie und Mannheim sowie Ingolstadt und Straubing über maximal drei Partien. Nur die Adler, die als am schlechtesten platzierte Mannschaft nur auf Spitzenreiter München treffen können, sind kein potenzieller Herausforderer im Viertelfinale. „Es ist total egal, wer jetzt kommt“, sagte Kapitän André Rankel, der mit zwei Treffern gegen Mannheim erfolgreich war (32./54). Frank Hördler (36.) und Petr Pohl (42.) erzielten die weiteren Tore.

Rankel war angetan vom Auftritt gegen Mannheim. „Das war ein super Spiel. Wir haben wenig Fehler gemacht und hinten sehr gut gestanden“, so der Stürmer, „jeder spielte so, wie wir es wollten.“ Früh setzten die Berliner den Titelverteidiger unter Druck. Adler-Trainer Craig Woodcroft hatte das Gefühl, dass „es für sie um mehr geht als für uns“. Eine Feststellung, die diese Saison bei den Kurpfälzern gut zusammenfasst. Dass die Adler als Zehnter in das Pre-Play-off gehen würden, hatte niemand erwartet.

Während das bei Fans und Management der Adler große Bestürzung auslöst, ist es für Krupp nur ein Indiz für die Ausgeglichenheit der Liga. Dass die Berliner in dieser Konstellation nach zwei Jahren des Scheiterns im Pre-Play-off wieder in die Spitze der Liga zurückkehren konnten, spricht für sie. „Uwe hat uns wieder gezeigt, dass wir gute Eishockeyspieler sind“, resümierte Rankel die Punkterunde. Begünstigt durch den Umstand, dass die Eisbären vom massiven Verletzungspech der Vorjahre verschont blieben und das Team eine große Kadertiefe hatte, konnte Krupp viel mit der Mannschaft erreichen, etablierte wieder ein großes Selbstvertrauen. Unter der Leitung des früheren Bundestrainers entwickelte sich das Zusammenspiel besser, mit klarer Struktur im Aufbau setzten sich die Berliner auch in schwierigen Partien häufig durch. „Diese Hauptrunde war eng wie nie. Wenn du keine 100 Prozent gegeben hast, hast du verloren“, so Rankel.

Nach den enttäuschenden Vorjahren verfestigte sich beim Rekordmeister der DEL auch ein besonderer Anspruch. „Wir wollten beweisen, dass wir da oben hingehören“, sagte Rankel. Seit dem 23. Spieltag fiel das Team nicht mehr aus den Top Drei der Tabelle heraus, zeigte große Konstanz in dieser unberechenbaren Liga. „Aber das ist nur ein erster Schritt, jetzt wollen wir den zweiten machen“, sagte der Kapitän. Dazu bedarf es sicher noch einiger Justierungen, im Play-off werden die Spiele intensiver, jeder muss sich steigern. „Wir haben genug Aspekte, an denen wir arbeiten können“, so Krupp. Die Chancenverwertung bot nicht immer Anlass zur Zufriedenheit, auch die Stabilität in der Abwehr nicht. Gegen Mannheim funktionierte das Überzahlspiel mit drei Treffern sehr gut, in der Saisonbilanz haperte es im Powerplay doch des Öfteren.

Doch was war, hat im Play-off nur noch eine geringe Aussagekraft. „Das einzige, was du aus der Hauptrunde mitnehmen kannst, ist ein gewisser Optimismus“, erzählte Krupp. Keine Mannschaft hat lange besonders souverän gespielt, keiner hat sich mit seiner Leistung in eine herausragende Stellung gebracht. Die Berliner immerhin konnten sich den Heimvorteil erkämpfen, den würden sie als Zweiter auch im Halbfinale haben, so sie es denn erreichen. Ob das Heimrecht ein Vorteil ist oder nicht, mag Ansichtssache sein. „Ich spiele lieber zu Hause als auswärts“, sagte Krupp.

Trainer Krupp will jetzt auch im Play-off etwas reißen

Seine Mannschaft schnitt zuletzt 2012 besser in der Hauptrunde ab. Als Erster holten die Eisbären damals ihren sechsten Meistertitel. Ein Jahr später folgte Nummer sieben. Vom Titel sprach Krupp nach dem schönen Abschluss der Punkterunde zwar nicht, aber eine kleine Ansage gab es doch von ihm. „Wir wollen etwas reißen“, sagte er. Die Eisbären haben Nummer acht ins Visier genommen.