Nordischer Skisport

„Eric ist der beste Kombinierer aller Zeiten“

31 Weltcuprennen gewonnen, jetzt erstmals auch in Schonach – für Eric Frenzel läuft es. Aber er hat noch lange nicht genug.

In Feierlaune war Eric Frenzel in diesem Jahr sehr häufig

In Feierlaune war Eric Frenzel in diesem Jahr sehr häufig

Foto: Claudio Onorati / dpa

Schonach.  Der Rahmen hätte nicht würdiger sein können. 1500 Gäste feierten im Kurhaus von Schonach den 50. Schwarzwaldpokal. Und natürlich Eric Frenzel. Endlich konnte sich der Trophäen-Jäger auch diesen Pokal sichern. Das Seefeld-Triple, vergleichbar mit der Vierschanzentournee bei den Skispringern, hat der 27-Jährige in diesem Jahr das dritte Mal für sich entschieden. Dazu den Gesamt-Weltcup zum vierten Mal hintereinander gewonnen.

29 Jahre lang gewann kein Deutscher im Schwarzwald

Nun hat er auch den Schwarzwaldpokal. 29 Jahre hat es gedauert, bis nach Hubert Schwarz wieder ein deutscher Kombinierer im Schwarzwald gewann. „Für uns Kombinierer ist das schon eine Nummer“, erklärt Bundestrainer Hermann Weinbuch, der selbst zweimal in Schonach triumphierte.

Bei der Ehrung am Abend war Frenzel wieder ganz befreit. Nicht so wie am Nachmittag oben im Wittenbachtal. Nach bangen Minuten des Wartens war der Athlet des SC Oberwiesenthal erst von der Jury zum Sieger erklärt worden. Im Zielsprint war er dem Norweger Magnus Krog unterlegen, der Frenzel beim Einbiegen auf die Zielgerade über die Ski gelaufen war. Das deutsche Team legte erfolgreich Protest ein, die Jury disqualifizierte den Norweger.

Nur der Finne Manninen hat öfter gewonnen

Damit war der achte Saisonerfolg perfekt, sein 31. Weltcupsieg überhaupt. Lediglich der Finne Hannu Manninen, ebenfalls viermaliger Gesamt-Weltcup-Sieger, liegt noch mit 48 Siegen vor ihm. Trotzdem sagt Teamkollege Fabian Riessle: „Eric ist der beste Kombinierer aller Zeiten.“ Auch Bundestrainer Weinbuch wird immer wieder von seinem Vorzeigeathleten überrascht. „Ich hatte schon 2014 nach seinem Olympiasieg gedacht, dass er ausgereizt sei“, gab Weinbuch zu. Danach wurde Frenzel noch besser und konstanter. Nun sagte er über seinen 57 Kilogramm leichten Athleten: „Ich hätte nicht gedacht, was noch in dem Männchen drinsteckt.“

Dass es im Finalrennen beim Sieg von Joergen Graabak (Norwegen) nur zu Platz acht reichte, kein Problem. Dafür ist Riessle als Zweiter eingesprungen. Er ist die Überraschung dieses Winters, beendete die Saison als Dritter der Gesamtwertung. Vor allem im Springen konnte sich der 25-Jährige steigern. So hat er seine ersten drei Weltcups gewonnen. Ansonsten dreht sich alles um Frenzel.

Bundestrainer Weinbuch ist voll des Lobes

Bereits vor einer Woche hatte der Coach Lobeshymnen auf ihn niederprasseln lassen. „Ich ziehe den Hut vor Eric“, hatte Weinbuch gesagt, nachdem der vierte Gesamt-Weltcup-Triumph feststand. „So etwas schaffen nur die ganz Großen.“ Der Rekordmann bleibt bescheiden. „Die Freude wird wohl erst in den nächsten Tagen so richtig kommen, wenn etwas Zeit zum Nachdenken bleibt“, sagte er.

Während die Duelle mit den Norwegern häufig an der Grenze der Fairness ablaufen, besteht zwischen Frenzel und dem Japaner Akito Wakabe eine enge Freundschaft. Seit der Junioren-Weltmeisterschaft 2006 haben die zwei fast jeden Wettkampf gegeneinander bestritten. Dabei haben sich die 27-Jährigen nicht nur in diesem Winter unzählige packende Zweikämpfe geliefert.

Sein stärkster Gegner ist zugleich sein Freund

Der Athlet aus Nagano war als besserer Springer meist mit etwas Vorsprung in die Loipe gestartet, doch Leichtgewicht Frenzel überholte ihn häufig. Fünfmal standen sie gemeinsam auf dem Podest, immer hieß der Sieger Frenzel. „Ich finde es sehr beeindruckend, wie Akito mit der Situation umgeht“, sagt Frenzel, „ich weiß nicht, ob ich immer so nett und angenehm zu jemandem wäre, wenn die Situation umgekehrt wäre.“

Dabei taugt auch er zum Vorbild. „Eric ist bodenständig und mental stabil - das macht ihn so stark“, charakterisiert Trainer Weinbuch. Der Athlet sagt: „Meine Familie macht mich stark.“ Bereits mit 18 Jahren war Frenzel Vater geworden, Freundin Laura, mittlerweile seine Frau, war damals 15. „Natürlich musste ich erst mit der Situation klarkommen, aber so habe ich früh gelernt, Verantwortung zu übernehmen.“ Dies hat auch im Sport geholfen. Seit Ende September gehört neben Philipp noch Söhnchen Leopold zur Familie.

6000 Kilometer auf Skirollern und im Schnee

Vor diesem Winter hat der Olympiasieger und dreifache Weltmeister sein Arbeitsprogramm reduziert. „Ich habe ein wenig dosierter trainiert.“ Davor hat er über viele Jahre eine gute Basis gelegt. Dies geschah mit Weitblick. „Wir wollen die allgemeine Athletik aufbauen, um für die nächsten Jahre gerüstet zu sein“, sagte er 2011 nach seinem ersten WM-Titel. Bis auf 6000 Kilometer auf Skirollern und im Schnee wurde das Pensum kontinuierlich erhöht, ziemlich viel für einen Kombinierer. Obwohl nun auch der Schwarzwaldpokal im Trophäenschrank steht, ist Frenzels Erfolgshunger aber noch nicht gestillt. Die Rekordjagd geht weiter.

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