Biathlon

Laura Dahlmaier nimmt den Aufzug zu Bronze

Die Deutsche holt im Sprint die zweite deutsche Medaille bei der Biathlon-WM in Oslo und hat nun auch in der Verfolgung gute Chancen.

Foto: Martin Rose / Bongarts/Getty Images

Oslo.  Da lag sie nun im Schnee und brauchte ein paar Sekunden, um zu verschnaufen – und ihr Ergebnis zu realisieren. Dann sprang Laura Dahlmeier auf, reckte die Ski in die Höhe und jubelte vor 20.000 Zuschauern ausgelassen. Mit Bronze im 7,5-km-Sprintrennen hatte die Oberbayerin den Deutschen die zweite Medaille bei der Biathlon-WM in Oslo beschert – und sich selbst am meisten überrascht.

„Das ist einer der besten Tage meines Lebens. Damit hätte ich nach dem Fehler im Liegendschießen nicht mehr gerechnet“, sagte die Oberbayerin und strahlte über das ganze Gesicht.

Doch dank perfekten Materials habe sie sich vor allem auf der Schlussrunde richtig stark gefühlt, den Kopf ausgeschaltet und mit der schnellsten Laufzeit das Feld von hinten aufgerollt. Zwar waren die fehlerfrei schießenden Tiril Eckhoff (Norwegen) und Marie Dorin-Habert aus Frankreich nicht mehr einzuholen. Aber den Sprung aufs Treppchen schaffte sie noch.

Ein Fauxpas für Simon Schempp

„Ich hatte das Gefühl, als hätte jemand einen Aufzug am letzten Anstieg eingebaut“, meinte Dahlmeier zu ihrem imposanten Schlussspurt. Mit schnellen Schritten war die begeisterte Bergsteigerin nach oben geklettert und in Richtung Ziel gestürmt. Dort fehlten ihr nur knapp 20 Sekunden zum ganz großen Triumph. In der Verfolgung am Sonntag ist daher alles drin.

Auch Simon Schempp rechnet sich dabei etwas aus. 17 Sekunden Rückstand auf Silber seien machbar. „Wichtig ist, dass ich bei den Leuten dabei bin. Ich hoffe nur, dass ich dann bis zur Ziellinie durchziehen kann“, sagte er zu seinem Fauxpas auf den letzten Metern.

Beim Versuch, die letzten Reserven aus dem müden Körper herauszukitzeln, war er wenige Meter vor der Linie gestolpert und in den Schnee gefallen. „Ich habe mir irgendwie die Stöcke in meinen Schuh gestochen. Dann hat es mich um die eigene Achse gedreht – und schon bin ich gelegen“, beschrieb er die kuriose Szene.

Acht Sekunden trennen ihn von Rang vier

Ansonsten überzeugte Schempp in der Loipe und konnte auch mit einem (Liegend)-Schießfehler leben. Trotzdem überwog der Ärger beim Deutschen. Dreimal schlug er sich mit der Hand vor die Stirn: „Das ist so ärgerlich. Da sind einige Sekunden draufgegangen“, meinte der 27-Jährige. Zeit, die ihn zwar nicht die erhoffte Medaille kostete.

Die waren bereits an die fehlerlosen Fourcade, Ole Einar Björndalen (Norwegen) und Sergej Semenow (Ukraine) verteilt. Acht Sekunden trennen den letztlich achtplatzierten Deutschen von Johannes Tignes Bö auf Rang vier. Ohne seinen Patzer hätte er den Norweger wohl bezwungen.

Die Möglichkeit, nach Edelmetall zu greifen, besitzt auch Arnd Peiffer. Der Ex-Weltmeister aus dem Harz war dank fehlerfreier Schießeinlagen eine Sekunde schneller als Schempp, wurde Siebter. Ein Resultat, mit dem er sich anfreunden konnte, „auch wenn ich mich läuferisch nicht optimal gefühlt habe“.

Warum Björndalen Größe besitzt

Unterdessen hakte Erik Lesser die Titelverteidigung in der Verfolgung ab: „Dann müsste Fourcade drei Fehler schießen und genauso langsam laufen wie ich. Das wird nicht passieren“, sagte der Oberhofer nach Platz 19. Nach zwei Patzern im stehenden Anschlag fehlten ihm 1:18 Minuten auf Fourcade.

Noch frenetischer als Weltmeisterin Eckhoff wurde Björndalen am Holmenkollen gefeiert. Wieder einmal war es dem Superstar gelungen, auf den Punkt topfit zu sein. Jeden seiner zehn Treffer hatten die Fans im Stadion bejubelt und ihn dann auf die Strecke hinaus getragen. Im Ziel sprach der 42-Jährige vom „perfekten Rennen“, für ihn sei „Silber Gold wert“. Gegen Sieger Fourcade hätte momentan niemand eine Chance. „Er ist einfach zu stark, der kompletteste Athlet“, meinte Björndalen. Auch das besitzt Größe.