Leichtathletik

Wenn der Marathon nur eine Kurzstrecke ist

Niels Bubel aus Zehlendorf wurde bei den Deutschen Meisterschaften über 50 Kilometer Dritter. Doch seine Pläne gehen noch weiter.

Der 28-jährige Niels Bubel kam über die 3000 und 5000 Meter zur ultralangen Strecke

Der 28-jährige Niels Bubel kam über die 3000 und 5000 Meter zur ultralangen Strecke

Foto: niels-bubel.de / BM

Berlin.  Der Marathon gilt als Königsdisziplin der Leichtathletik, doch für Niels Bubel sind die 42,195 Kilometer eher eine Kurzstrecke. Der Zehlendorfer ist längere Strecken gewöhnt. Bubel ist Ultraläufer, für ihn geht es bei 50 Kilometern erst richtig los. Am Sonnabend startet er bei den Deutschen Meisterschaften über diese Distanz, die in diesem Jahr im Plänterwald ausgetragen werden.

Bei den Deutschen Meisterschaften über diese Distanz, die am Wochenende im Plänterwald stattfanden, wurde er Dritter. Als zweifacher Titelverteidiger und letztjähriger WM-Neunter hatte er eigentlich auf Sieg gesetzt, zumal er ja Heimvorteil hatte.

„Aber ich habe mich zu einem zu hohen Tempo verleiten lassen und dann auf den letzten zehn Kilometern noch rund zehn Minuten verloren“, sagt der 28-Jährige. Am Ende benötigte er 3:04:31 Stunden – Sieger Paul Schmidt lief in 2:49:06 Stunden deutschen Rekord. Als kleinen Trost gab es für Bubel Gold mit der Mannschaft.

Mit 18 Jahren den ersten Marathon

Niels Bubel liebt das Laufen – je länger, desto besser. Mit 18 Jahren lief er seinen ersten Marathon und kam, ohne vorher speziell dafür trainiert zu haben, nach 3:48:30 Stunden ins Ziel. „Rückblickend war es naiv einfach loszulaufen. Ich hatte Krämpfe und habe mich regelrecht ins Ziel geschleppt“, erzählt er. „So sehr habe ich danach bei keinem Wettkampf mehr gelitten“, auch nicht über 50 Kilometer. Mittlerweile steht seine Marathonbestzeit bei 2:23:38 Stunden. Für einen Ultramarathon braucht er noch einmal eine gute halbe Stunde mehr, sein Rekord sind 2:55:16 Stunden.

Anfangs war Bubel noch auf der Tartanbahn unterwegs, lief dort Distanzen von 3000 Meter Hindernis bis 10.000 Meter. Ein Geburtstagspräsent der Mutter seines Trainers sorgte dann dafür, dass er sich endgültig den langen Strecken zuwandte.

Sie schenkte ihm das Buch „Laufen“ von Bernd Heinrich, der als gelernter Biologe unter anderem erforschte, wie Zugvögel und Kamele solch weite Strecken zurücklegen und Frösche so ausdauernd quaken können und wie Läufer von all diesen Erkenntnissen profitieren. „Durch das Buch habe ich begriffen, dass Laufen etwas ganz Natürliches ist“, sagt Niels Bubel. Mit dem Ultramarathonlauf könne er sich identifizieren.

Ein idealer Ausgleich zum Alltag

„Ich habe die Hoffnung, dass in diesem Distanzbereich die Dopingquote geringer ist als in den Disziplinen der Leichtathletik, die bei den Olympischen Spielen ausgetragen werden, und dass die Teilnehmer keine finanziellen Ziele mit dem Laufen verfolgen“, sagt er.

Zudem passe das Training besser zu seiner Persönlichkeit. Es handelt sich um ein ruhiges Ausdauertraining ohne große Tempoläufe, zwar körperlich anstrengend, aber dennoch entspannend für den Kopf. „Ein idealer Ausgleich zum Alltag, fast wie eine Art Therapie“, so Bubel.

Die 50 Kilometer seien eine Herausforderung, erklärt er, auch wenn die Strecke auf den ersten Blick nur knapp acht Kilometer länger ist als bei einem Marathon, also etwa ein Sechstel. Allerdings müsste die Energie für diese zusätzlichen acht Kilometer komplett aus dem Fettspeicher bezogen werden, weil die Kohlenhydrate im Körper spätestens nach 35 Kilometern verbraucht sind.

„Ein Marathonläufer muss also noch sieben Kilometer aus seinen Fettreserven bestreiten, ein Ultraläufer 15 Kilometer – das ist mehr als doppelt so viel“, sagt der Berliner. In dieser Phase würden die Beine zunehmend schwer, der Kopf könne nicht mehr klar denken. „Bei den 50 Kilometern kann man sehr gut beobachten, wie Menschen ans Limit gehen“, sagt er.

Manchen reicht auch das noch nicht: Sie suchen eine noch größere Herausforderung. Auch Niels Bubel plant schon bald seinen ersten 100-Kilometer-Lauf. Das ist für ihn die wahre Königsdisziplin.