Kommentar

Gianni Infantino: Vom Konflikt des neuen Dieners

Als Nachfolger Sepp Blatters muss Gianni Infantino das mit viel Tamtam verabschiedete Reformpaket umsetzen. Daran wird er gemessen werden.

Der Schweizer Gianni Infantino ist Nachfolger Sepp Blatters als Fifa-Präsident

Der Schweizer Gianni Infantino ist Nachfolger Sepp Blatters als Fifa-Präsident

Foto: Ennio Leanza / dpa

Vom Fifa-Kongress in Zürich soll ein Signal des Aufbruchs und der Erneuerung ausgehen, ein Zeichen der Toleranz und des Miteinanders. Was man halt so sagt, wenn man gerade zum Präsidenten des Fußballweltverbandes gewählt worden ist und nicht viel mehr zu bieten hat als gute Worte und ein Versprechen auf Besserung.

Gianni Infantino, jetzt Oberhaupt von 209 Mitgliedsverbänden weltweit, trägt eine schwere Hypothek. Die Ermittlungen des FBI, wie die Geldflüsse bei WM-Vergaben und Gefälligkeiten wirklich erfolgten, werden seine vierjährige Amtszeit begleiten. Er hat nur drei Dinge entgegenzusetzen: maximale Transparenz, persönliche Integrität und den festen Willen, das mit Getöse verabschiedete Reformpaket durchzusetzen. Fußball wird ewig gespielt. Ob der Fußball auch von der Fifa in ferner Zukunft organisiert werden darf, hängt von seinem Geschick und Durchhaltevermögen ab. Eine Chance hat Gianni Infantino verdient. Und nur diese eine. Er versprach den Delegierten: Das ist euer Geld, was die Fifa reinholt, es gehört euch. An dieser dienenden und nicht mehr selbstherrlichen Position wird der Schweizer jetzt gemessen.

Das Reformpaket, immerhin von 89 Prozent der Delegierten beschlossen, sieht einen Veränderungsprozess zu Glaubwürdigkeit und Konsolidierung vor. Gleichzeitig weist die Verbandskasse mitten in der Krise ein Minus von einer halben Milliarde Euro aus. Diesen Konflikt, mit weniger Geld trotzdem Investitionen anzuschieben, muss Infantino überwinden. Schafft er das nicht und sind seine Worte leer gewesen, ist er auch nur einer dieser Sportfunktionäre, die zugunsten ihrer Karriere über Leichen gehen. Zerschlägt er den gordischen Knoten, wird er als großer Präsident in die Fifa-Geschichte eingehen: als der Präsident, der eine der größten Vertrauenskrisen in der 112-jährigen Verbandsgeschichte überwunden hat.