Bob

Francesco Friedrich wird vom Frühling ausgebremst

Nach starkem ersten Tag verpasst Francesco Friedrich wegen langsamer Kufen und Fahrfehlern den WM-Titel im Viererbob.

Da war noch alles gut: Bei Schneefall hatte der Viererbob von Francesco Friedrich am Sonnabend vier Zehntel Vorsprung herausgefahren

Da war noch alles gut: Bei Schneefall hatte der Viererbob von Francesco Friedrich am Sonnabend vier Zehntel Vorsprung herausgefahren

Foto: Jan Hetfleisch / dpa

Innsburck-Igels.  Ein plötzlicher Frühlingseinbruch in Igls und eigene Fehler haben Francesco Friedrich um seinen ersten WM-Titel in der Königsklasse des Bobsports gebracht. Eine Woche nach seinem Triumph im Zweier musste sich der 25-Jährige im Vierer mit dem zweiten Platz begnügen – sein am Sonnabendabend noch stattlicher Vorsprung schmolz im dritten und vierten Lauf am Sonntag, bei Temperaturen von mehr als zehn Grad waren die deutschen Kufen schlicht zu langsam.

„Wir waren nicht hungrig genug“, sagte Friedrich, „und dann war die Bahn auch nicht super. Es waren ganz komische Bedingungen, vielleicht haben wir da mit den Kufen die falsche Entscheidung getroffen. Ich habe Gold verloren, nicht Silber gewonnen. Im dritten Lauf waren bei der Wärme komische Bedingungen. Auch hatten wir da am Start nicht alles rausgeholt.“

Schwache Startzeit im dritten Lauf

Weltmeister wurde der Lette Oskars Melbardis, der Friedrich im vierten Durchgang hinter sich ließ und letztlich vier Hundertstelsekunden Vorsprung hatte. „Da hat Oskars einfach verdient gewonnen“, betonte Friedrich, der im kleinen Schlitten den WM-Hattrick geschafft hatte.

Heimtrainer Gerd Leopold sah die Ursache für den verpassten WM-Titel bei der Startzeit in Lauf drei: „Da hat sich die Crew nicht richtig getroffen und kam mit 5,04 Sekunden nur auf die fünftbeste Zeit. Dadurch war die Anfangsgeschwindigkeit weg.“

Im dritten Wettbewerb der WM verpasste Friedrich damit das dritte Gold für Deutschland. Nur zwei Jahre nach der Olympia-Schmach von Sotschi überzeugten die deutschen Schlitten dennoch mit einer starken Bilanz.

Titelverteidiger Maximilian Arndt wurde nur Siebter

Friedrichs Vereinskollege Nico Walther (Oberbärenburg) belegte den vierten Rang hinter dem Schweizer Rico Peter. Titelverteidiger Maximilian Arndt (Oberhof), der seinen dritten WM-Sieg in Folge angepeilt hatte, enttäuschte maßlos.

Der 28-Jährige hatte sich früh aus dem Rennen um Gold verabschiedet und belegte letztlich nur den siebten Platz noch hinter Junioren-Weltmeister Johannes Lochner (Stuttgart), der Sechster wurde.

Die Spannung im Kampf um Gold und Friedrichs Niederlage kamen am Sonntag überraschend. In den ersten beiden Läufen am Sonnabend hatte sich der Deutsche bei Schneefall noch einen Vorsprung von rund vier Zehnteln auf Melbardis herausgefahren, der Weg zum ersten Triumph in der Königsklasse schien geebnet.

Doch der Frühlingseinbruch schrieb das Drehbuch um: Am Sonntag strahlte die Sonne über dem Patscherkofel, und das Eis in der Olympiabahn von 1976 wurde weicher und weicher.

Ärger über Frauenrennen

Hinterher ereiferte sich Bundestrainer Christoph Langen zudem darüber, dass nur eine Stunde vor dem Start ein Testrennen im Frauen-Vierer durchgeführt worden war. „Der Weltverband hätte dieses Spaßrennen absagen müssen“, sagte Langen: „Bei so warmen Temperaturen muss ich die Bahn schützen. Das Komitee sollte nicht dauernd einen solchen Mist entscheiden.“

Die deutschen Kufen kommen auf weichem Eis traditionell nicht sonderlich gut klar, Melbardis und Peter halbierten ihren Rückstand im dritten Lauf. Ein Fahrfehler im Finale kostete Friedrich schließlich den Titel.

Für Friedrich endet ein turbulenter Winter also mit einer Enttäuschung. Zum Saisonstart holte er fünf Siege in Serie und schwang sich gleich zum Topfavoriten auf, vor einen Monat erlitt er dann einen Muskelfaserriss im Oberschenkel. Das WM-Aus drohte, doch Friedrich wurde rechtzeitig fit und triumphierte im Zweier. Zumindest bis Sonnabendabend sah dann alles nach dem maximalen Triumph aus.