Mainz –

Abwechslung muss sein

Urteil im Prozess des Mainzers Müller erlaubt weiter befristete Verträge im Profifußball. Anderes wäre auch nicht praktikabel

Mainz.  Die Verantwortlichen des FSV Mainz 05 jubelten wie nach einem wichtigen Sieg in der Fußball-Bundesliga. „Das ist eine große Erleichterung – nicht nur für Mainz 05, sondern für den gesamten Profisport“, sagte Präsident Harald Strutz am Mittwoch nach dem Urteil des Landesarbeitsgerichts Rheinland Pfalz. Die 4. Kammer unter Vorsitz von Michael Bernardi hatte den Mainzern in einem brisanten und von allen anderen Bundesligisten mit Spannung verfolgten Rechtsstreit mit ihrem früheren Torhüter Heinz Müller auf ganzer Linie Recht gegeben. Befristete Arbeitsverträge sind demnach im Profisport auch weiterhin möglich.

Vorerst muss kein Verein mehr befürchten, künftig „50, 60 Profis im Kader zu haben“ (Strutz), weil er seine Spieler bis zum Rentenalter bezahlen muss. Und vorerst muss auch kein Verein mehr befürchten, dass seine besten Spieler ihre Verträge künftig Jahr für Jahr im Rahmen gesetzlicher Kündigungsfristen kündigen, weil für Profifußballer arbeitsrechtlich das Gleiche gilt wie für ganz normale Arbeitnehmer. Heinz Müller ist nicht zum „neuen Bosman“ geworden, auch wenn der 37-Jährige ausdrücklich das Recht auf Revision hat und jetzt vor das Bundesarbeitsgericht oder sogar den Europäischen Gerichtshof ziehen kann.

Richter Bernardi war deutlich in seinem Urteil. Fußballprofis seien keine normalen Arbeitnehmer, bei ihnen liege eine „Eigenart der Arbeitsleistung“ vor. Damit kippte er ein erstes Urteil des Arbeitsgerichts Mainz von 2015. Fußballer verdienen extrem viel Geld, ihre Karriere konzentriert sich nur auf wenige Berufsjahre, ihre volle Leistungsfähigkeit hat altersmäßige Grenzen. Deshalb sei die Befristung eines Arbeitsvertrages zwischen einem Erstligisten und einem Lizenzspieler zulässig, heißt es in der Urteilsbegründung.

Der frühere Mainzer muss auf 261.000 Euro Prämien verzichten

Darin steht auch: „Die Entscheidung darüber, ob der Spieler in Bundesligaspielen eingesetzt wird, unterliegt dem freien Ermessen des Trainers.“ Dieser Satz führt zum Ausgangspunkt des ganzen Verfahrens: Müller hatte 2012 einen neuen Zweijahresvertrag in Mainz unterschrieben, der sich ab einer bestimmten Anzahl von Einsätzen automatisch verlängert hätte. Ein halbes Jahr vor Ablauf dieses Vertrages sortierte ihn der damalige Trainer Thomas Tuchel aber aus. Müller musste den Verein im Sommer 2014 verlassen und zog vor Gericht. Er klagte auf „Feststellung des Fortbestandes als unbefristetes Arbeitsverhältnis“. Denn durch die sportliche Degradierung sah er sich nicht nur um Siegprämien gebracht, sondern vor allem um die Chance der automatischen Vertragsverlängerung.

Die Entscheidung des Vereins sei „rechtlich nicht zu beanstanden“, entschied der Richter nun. Müllers Klage, entgangene Prämien in Höhe von 261.000 Euro auszuzahlen, wurde abgewiesen. „Weltweit sind im Fußball befristete Verträge üblich“, führte Bernardi aus. Werden die nicht mehr zugelassen, könnte das gesamte Transfersystem zusammenbrechen.

Hinzu käme: Unterschrieben Spieler nur noch unbefristete Verträge, wäre eine ordentliche Kündigung seitens des Klubs kaum möglich. Auch die Altersstruktur in einem Kader wäre problematisch. „Bei unbefristeten Verträgen könnte der Kader aufgebläht werden. Dann müsste es betriebsbedingte Kündigungen geben. Da gilt auch die Betriebszugehörigkeit. Erst gehen die Jungen, dann die Älteren“, meinte Bernardi. Er rechnet den Fußball der Unterhaltungsbranche zu. Veränderungen in den Teams würden auch von den Fans erwünscht, sagte er. Deshalb herrsche in der gesamten Branche das Interesse an befristeten Verträgen vor.