Essen –

Prince Boatengs große Abrechung in Buchform

Fußballstar gefährdet so letzte Zahlung von Ex-Klub Schalke

Essen. Wenn Kevin-Prince Boateng sich selbst beschreiben soll, dann klingt das so: „Aufgestiegen aus dem Ghetto in die Königsklasse des europäischen Fußballs. In Italien vergöttert, in Deutschland gehasst.“ Drunter macht er’s nicht mehr, der Fußballstar des AC Mailand, der in der Bundesliga einst bei Hertha BSC und Borussia Dortmund sowie zuletzt beim FC Schalke 04 gespielt hat. Diese Woche haut Boateng wieder mal auf den Putz: Donnerstag erscheint seine Biografie „Ich, Prince Boateng“. Der Untertitel: „Mein Leben. Mein Spiel. Meine Abrechnung“ (22,99 Euro, Plassen-Verlag).

Sein Werk: 352 Seiten über „ein Leben zwischen Mord und Millionen, zwischen Skandalen und Trophäen“. Der Mittelfeldspieler, der 2010 Michael Ballack krankenhausreif foulte und ihm die Teilnahme an der WM 2010 in Südafrika nahm, will nach Verlagsangaben „das ehrlichste und brisanteste Fußballbuch seit Toni Schumachers Anpfiff“ liefern.

Schumacher hatte 1987 wie jetzt Boateng ein Enthüllungsbuch über den deutschen Fußball veröffentlicht, das einen intimen Blick hinter die Bundesliga-Kulissen erlaubte und das ihn die Karriere in der Nationalelf kostete. In acht Kapiteln geht Boateng detailliert auf sein privates und berufliches Leben ein. Auf Sauftouren mit Mannschaftskollegen. Auf Streitigkeiten mit Trainern. Auf Liebschaften mit Frauen.

Als er Schalke 2015 verließ, soll eine branchenübliche Verschwiegenheitsklausel verabredet worden sein. Mit seiner Ehrlichkeit riskiert Boateng, heißt es bei Schalke, angeblich die Zahlung einer halben Million Euro. Im Gespräch mit dieser Zeitung will der beteiligte Bestseller-Biograf Christian Schommers nicht viel verraten, nur dass Boateng mit seinen Trainern im Buch nicht zimperlich umgegangen ist. Auch aus seiner Berliner Zeit erfährt man Ungewöhnliches.

Für Kevin-Prince Boateng stellt das Buch den Abschluss seiner aufregenden Zeit in Deutschland dar. Er wuchs in Berlin im Arbeiterviertel Wedding als Sohn einer deutschen Mutter und eines ghanaischen Vaters auf. Halbbruder Jérôme, inzwischen Weltmeister und Superstar beim FC Bayern, hatte es im feineren Viertel Charlottenburg einfacher. Nach Ärger bei den DFB-Junioren entschied er sich, für Ghana zu spielen. Ergebnis: zwei WM-Teilnahmen und Stammspieler beim Weltverein Milan. Doch in dieser Woche werden sicher nicht seine besten Spiele diskutiert.