Toronto

„Ich hatte großen Spaß, es war eine ganz tolle Zeit“

Emotionaler Abschied von Kobe Bryant bei Allstar-Game

Toronto.  Kobe Bryant war sichtlich gerührt. Als sich das Publikum erhob und bei der Auswechslung 68 Sekunden vor Schluss seinen Namen rief, verneigte sich der Basketball-Superstar und klatschte Beifall. Fans und NBA-Kollegen bereiteten dem 37-Jährigen im letzten Allstar-Game seiner Karriere in Toronto einen emotionalen Abschied von der ganz großen Bühne. „Ich hatte großen Spaß, hier noch einmal mit den Jungs zu spielen und auf der Bank herumzualbern. Es war eine ganz tolle Zeit“, sagte Bryant, der in 25:49 Minuten Spielzeit auf zehn Punkte, sieben Assists und sechs Rebounds kam. Der Flügelspieler der Los Angeles Lakers wirkte beim jährlichen Showspiel gelöst. Dass es beim finalen Auftritt zum ungefährdeten 196:173 (92:90) für sein Team aus der Western Conference reichte, trug zur guten Laune bei.

Nowitzki: „Er ist der Michael Jordan unserer Generation“

Zum 18. Mal wurde der Flügelspieler ins Allstar-Team berufen, nur Kareem Abdul-Jabbar hat mehr Nominierungen. Und obwohl die Lakers eine ihrer schlechtesten Spielzeiten überhaupt absolvieren, halten die Fans Kobe Bryant die Stange. Dieses Jahr erhielt er knapp 1,9 Millionen Stimmen der Anhänger, fast 300.000 mehr als der zweitplatzierte Stephen Curry von Meister Golden State Warriors und sogar knapp 900.000 mehr als LeBron James von Vizemeister Cleveland Cavaliers. „Kobe ist der Michael Jordan unserer Generation“, schwärmt Dirk Nowitzki. „Er ist einer der Besten, der jemals die Schuhe geschnürt hat.“ Der Deutsche selbst war nicht nominiert für das Allstar-Game.

Dafür waren andere Größen da – als Ehrengäste. Von Michael Jordan über Shaquille O’Neal bis Earvin „Magic“ Johnson waren die größten Legenden der Szene gekommen, um Bryant gebührend zu verabschieden. „Er hat diesen Respekt verdient, er ist ein großer Teil des Basketballs“, sagte Jordan. Johnson meinte: „Es wird nie wieder einen Kobe Bryant geben. Er hat uns 20 Jahre lang mit seinem Spiel beglückt.“

Kevin Durant nannte seinen Allstar-Teamkollegen am Sonntagabend eine „lebende Legende“. Gern hätte sich Kobe Bryant, quasi als i-Tüpfelchen eines perfekten Tages, zum fünften Mal zum wertvollsten Spieler (MVP) des Allstar-Games gekrönt. Doch dazu ist er spielerisch mittlerweile nicht mehr in der Lage, die nachfolgende Generation hat der „Black Mamba“ den Rang abgelaufen.

Und so streckte Russell Westbrook von den Oklahoma City Thunder die Trophäe zum zweiten Mal in Folge in die Höhe. Als erfolgreichster Werfer des Westens steuerte der 27-Jährige („Wir schauen alle zu Kobe auf“) 31 Punkte bei. Topscorer wurde Paul George von den Indiana Pacers, der 41 Zähler für den Osten erzielte. Er verpasste damit den Allstar-Rekord von Wilt Chamberlain aus dem Jahr 1962 (42 Punkte) nur hauchdünn.

So viele Punkte hat nicht einmal Bryant in einem Spiel geschafft, dabei hält der Ausnahmekönner so viele Rekorde. Darunter 81 Zähler in einem einzigen Spiel der regulären Saison. Doch diese Zahlen sind ihm mittlerweile nicht mehr so wichtig wie in der Vergangenheit. Im Air Canada Centre saßen dafür seine Kinder auf der Bank direkt hinter ihm.

Immer wieder drehte sich Bryant um, sprach und scherzte mit ihnen. „Ich habe das sehr genossen“, sagte er: „Sie haben in all den Jahren gesehen, wie ich morgens um vier Uhr aufgestanden bin, trainiert habe, dann wieder heimkam und wieder trainierte.“ Doch diese Zeiten sind bald vorbei. Zunächst stehen für Bryant noch die 27 restlichen Partien mit den Lakers an – da das Play-off nicht mehr erreichbar ist, wird es eine reine Kobe-Bryant-Abschiedstour werden. Am 13. April hat er gegen die Utah Jazz seinen letzten NBA-Auftritt. Die Pläne für den Morgen danach verriet er bereits: „Ich werde wach, mache mir einen Kaffee – und gehe dann wahrscheinlich noch mal schlafen.“