Berlin –

Löwenanteil für die Neuen

Zugänge Kroos und Busk spielen sich bei Unions Sieg gegen 1860 München in den Vordergrund

Berlin.  Jakob Busk, der Mann des Spiels? Der dänische Torhüter des 1. FC Union kommentiert dies mit dem ihm eigenen tiefen Knurren in der Stimme, begleitet von einem Gesichtsausdruck der Marke „Bloß nicht übertreiben“. Eine Einstellung, die den 22-Jährigen ehrt, seiner Leistung beim Sieg gegen 1860 München jedoch nicht gerecht wird. Busk war es, der den Berliner Fußball-Zweitligisten mit seinen Paraden im Spiel gehalten hat, damit am Ende mit dem 3:0 (1:0) der dritte Sieg im vierten Rückrundenspiel gefeiert werden konnte.

Es war sicherlich ein verdienter Sieg, vielleicht um ein Tor zu hoch, in jedem Fall aber teuer erkauft. Schon nach 29 Minuten humpelte Abwehrspieler Fabian Schönheim vom Feld wegen Schmerzen im Adduktorenbereich. Zur Pause blieb auch noch Mittelfeldmann Felix Kroos in der Kabine wegen muskulärer Probleme, schließlich meldete sich auch noch Innenverteidiger Toni Leistner mit verletztem rechten Oberschenkel ab. Als ob die noch nicht verdauten Ausfälle von Raffael Korte (Kreuzbandriss), Steven Skrzybski (ausgekugelte Schulter) und Maximilian Thiel (Oberschenkel) nicht schon genug wären.

Nicht zu Unrecht lobte Trainer Sascha Lewandowski die ersten 15 Minuten sein Team, „da haben wir so Fußball gespielt, wie wir uns das vorgestellt haben“. Hellwach, konzentriert in jeder Aktion und mit einem vertikalen Angriffsspiel, das man in dieser Saison nicht allzu oft so gut von den Köpenickern gesehen hat. „Wirklich imponiert aber hat mir, wie die Mannschaft das Spiel trotz der Ausfälle und Umstellungen zu Ende gebracht hat. Wir konnten ja durch die frühen Wechsel keinen Einfluss mehr auf das Spiel nehmen“, erklärte Lewandowski. Doch der nimmermüde Einsatz, der ihnen schon zuvor in Kaiserslautern (2:2) noch einen Punkt bescherte, trug auch am nasskalten Valentinstag den Löwenanteil dazu bei, dass es in der Rückrunde endlich besser läuft.

Auch Pogatetz feiert sein Debüt,aber drei Verletzungen bremsen

Ja, es ging nur gegen den Vorletzten der Tabelle. Doch hatte sich Union nicht auch zu oft auf das Niveau des Gegners runterziehen lassen? Davon war vor 18.332 Zuschauern in der Alten Försterei diesmal nichts zu spüren. Union legte los wie die Feuerwehr, als wollte man den Löwen unmissverständlich zeigen: Hier gibt es nichts zu holen. Trainer Lewandowski ließ dabei mit einer Dreierkette agieren, in der Emanuel Pogatetz sein Pflichtspieldebüt feierte, links neben Leistner (Mitte) und Christopher Trimmel. Davor spielten erneut Eroll Zejnullahu und Kroos im defensiven Mittelfeld.

Und es war der Leihspieler aus Bremen, der das erste Achtungszeichen setzte. Nach einem Einwurf bekam Kroos den Ball, flugs ein Tunnel gegen Münchens Abwehrmann Jan Mauersberger, und schon war der Weg frei für einen überlegten Schlenzer ins lange Ecke, 1:0 (6.). „Natürlich war das Tor für mich wichtig,“, sagte Kroos nach seinem ersten Treffer für Union, „wichtig war aber auch, dass wir die Partie zu Ende gespielt haben.“

Keine Frage, durch gleich sechs Nachkäufe in der Winterpause haben die tief im Abstiegskampf steckenden Münchner ihr Potenzial erhöhen können. „Deshalb bekommt man ein richtiges Problem, wenn man gegen 1860 zu passiv spielt“, wusste Lewandowski. So setzte Union weiter nach und hätte allein durch Bobby Wood (8.) und Damir Kreilach (22.) höher führen müssen. Doch 1860 kam immer besser in die Partie, „nachdem wir in der ersten Viertelstunde rumgerutscht sind, als hätten wir uns gar nicht warm gemacht“, monierte 1860-Coach Benno Möhlmann. Sein Team war jedoch erst nach 80 Minuten geschlagen. Wood, bedient von einem herrlichen Pass des eingewechselten Michael Parensen, machte sich allein auf in Richtung Gäste-Keeper Stefan Ortega, schüttelte dabei auch noch Christopher Schindler ab, ehe er mit seinem neunten Saisontreffer eiskalt vollendete. Zwei Minuten vor dem Ende setzte Kreilach den Schlusspunkt. Die Löwen-Fans hatten die Partie da schon mittels großem Transparent als Teil der „Adios 2. Liga Tour“ kenntlich gemacht.

Der Däne ist völlig zu Rechtdie neue Nummer eins im Tor

Davor war es Jakob Busk, der erstmals unterstrich, warum er bei Union die neue Nummer eins ist. Seine Parade gegen Daniel Adlung (23.), sein Reflex gegen Levent Aycicek, dessen Schuss dadurch nur an den Pfosten klatscht (42.), dazu die Aufmerksamkeit beim Versuch von Michael Liendl (67.), schließlich die Glanztat gegen Ruben Okotie, der völlig frei am Dänen scheiterte (79.) – danach fiel die Entscheidung durch Wood.

Ist Busk also doch der Mann des Spiels? „Ich habe nur meinen Job gemacht“, so der Blondschopf. Gefeiert werden sollte am Abend dennoch ein wenig, schließlich war Freundin Celina aus Kopenhagen angereist.