Lillehammer –

„Auch wir müssen die Weichen im Sport neu stellen“

DOSB-Chef Hörmann ruft in der Krise zum Neuanfang auf

Lillehammer. DOSB-Präsident Alfons Hörmann (55) sieht in der Glaubwürdigkeitskrise des Weltsports auch eine Chance. „Jeder muss in seinem Verantwortungsbereich die Weichen neu stellen, auch wir national. Wir müssen die Werte des Sports wieder mehr in den Vordergrund rücken“, sagte Hörmann am Rande der Olympischen Jugend-Spiele in Lillehammer.

Den Status quo sieht der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) nüchtern: „Der Weltsport ist in bestimmten Themen in einer Glaubwürdigkeitskrise der besonderen Art angekommen, das lässt sich leider so festhalten.“ Am jüngsten Skandal in der chinesischen Leichtathletik zeigte Hörmann aber auch Potenziale auf. „Ich empfinde das nicht als Rückschlag, sondern als weiteren wichtigen Schritt zu Klärung. Der Domino-Effekt in der Aufklärung ist dadurch klar erkennbar, und das würde ich positiv sehen“, sagte er: „Die Dinge kommen nun ins Rollen, und mit jeder Veröffentlichung wird das Bild klarer. Es wird auch deutlich erkennbar, an welchen Stellen die Weichen für die Zukunft noch mal neu gestellt werden müssen.“

Die Langstreckenläuferin Wang Junxia hat zuletzt offenbar erstmals jahrelanges systematisches Doping in Chinas Leichtathletik-Nationalteam eingestanden. Gemeinsam mit ihren Teamkolleginnen, die Anfang der Neunziger mit Fabelzeiten für Aufsehen gesorgt hatten, erhob die Weltrekordhalterin über 3000 und 10.000 Meter in einem vom chinesischen Sport-Magazin „Tencent Sports“ veröffentlichten Schreiben aus dem Jahr 1995 schwere Vorwürfe gegen den berüchtigten Läuferinnen-Trainer Ma Junren. Die Echtheit des Dokuments wird derzeit überprüft.

Der Glaube an einen Neuanfang im Sport wächst offenbar auch in München. Zwei Jahre nach den Bürgerentscheiden gegen eine Bewerbung um die Olympischen Winterspiele 2022 machen sich laut „Süddeutscher Zeitung“ erneut die Stadträte der ÖDP und der Linken für eine Bewerbung um Olympische Jugendspiele stark. Die nächsten Jugend-Sommerspiele finden 2018 in Buenos Aires statt. Für die nach einer Terminänderung erst 2023 geplante vierte Ausrichtung steht noch kein Gastgeber fest. Nach dem Willen der beiden Oppositionsparteien soll der Sportausschuss der Landeshauptstadt ausloten, für wann eine Bewerbung sinnvoll wäre. Nach ihrer Meinung wären Jugendspiele eine gute Gelegenheit, das Olympiagelände seiner Bestimmung gemäß zu nutzen. Außerdem gehe es nach der Ablehnung ja um Basisarbeit, argumentieren sie. Der Etat von Jugendspielen wird auf rund 30 Millionen Euro geschätzt. Das IOC übernimmt Reisekosten sowie Kost und Logis für Athleten und Betreuer.