BERLIN –

Hans ohne Glück

Handball-Füchse verlieren gegen Melsungen auch deswegen, weil der neue Dänen-Star Lindberg beim Debüt zu nervös ist

BERLIN. Hans Lindberg schüttelte den Kopf und musste selber lachen. Erst im Nachwurf hatte er gerade den Siebenmeter zum 10:10-Halbzeitstand verwandelt. Die gesamte Handball-Mannschaft der Füchse Berlin bejubelte das erste Tor des Zugangs so, als hätten sie gerade das gesamte Spiel gegen die MT Melsungen gewonnen. Am Ende blieb es aber bei Lindbergs einem Tor und führte zur ersten Niederlage mit der neuen Mannschaft, denn die Füchse verloren das erwartet umkämpfte Spiel gegen die Überraschungsmannschaft der Hinrunde 23:24.

An diesem Sonntag lernten die 9000 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle, dass es eben nicht reicht, wenn ein Hans Lindberg (34) mit einer Trefferquote von 84 Prozent nach Berlin kommt, um den Siebenmeter-Fluch der Füchse zu beenden. In der 19. Spielminute begann der erste Auftritt des dänischen Rechtsaußen, fünf Minuten später fand er sich bereits an der Strafwurflinie wieder. Peter Nenadic, der an diesem Abend schon zwei Siebenmeter verwandelt hatte, wurde nach einem Foul behandelt, für das Melsungens Timm Schneider eine Rote Karte kassiert hatte. Nenadic lief noch einmal aufs Feld, um seinem neuen Teamkollegen Mut zuzusprechen. Das half aber nichts, denn Lindberg scheiterte an Melsungens Schlussmann Johan Sjöstrand. „Interessant zu sehen, dass so ein älterer Herr nochmal Nerven zeigen kann“, sagte Füchse-Geschäftsführer Bob Hanning.

Fünf Minuten später schickte Nenadic Lindberg noch einmal an die Siebenmeter-Linie, und als der Däne traf, zeigte die Mimik seines Teamkameraden: „Siehste, geht doch.“ Lindberg schienen seine Anlaufschwierigkeiten eher peinlich zu sein. Aber nicht nur er hatte Probleme mit Melsungens Schlussmann, der an diesem Abend knapp 40 Prozent aller Würfe hielt. „Unser Rhythmus im Angriff war einfach schlecht heute“, sagte Füchse-Trainer Erlingur Richardsson.

Umso besser war Torhüter Petr Stochl aufgelegt, der Sjöstrand zunächst in nichts nachstand. In der ersten Hälfte hielt er acht Würfe, davon zwei Siebenmeter. Dann aber konnte er nicht mehr viel tun. Im Angriff lief bei den Füchsen viel zu wenig zusammen. Außer Nenadic (10 Tore) traf minutenlang kein Spieler mehr das Tor, so dass Melsungen immer wieder zu leichten Gegenstößen kam. Da half es auch nichts, dass Paul Drux zum ersten Mal seit seiner Schulterverletzung wieder für Bewegung im Rückraum sorgte (40.). Auch er warf neben das Tor, im Gegenzug setzten sich die Gäste mit vier Toren ab (16:20/48.).

Mattias Zachrisson, den Richardsson für den glücklosen Hans Lindberg wieder ins Spiel genommen hatte, und Nenadic starteten zwar eine Aufholjagd zum 22:22, doch am Ende reichten sechs Tore innerhalb von sieben Minuten und der vierte gehaltene Siebenmeter von Stochl nicht, um am Ende noch einmal so zu jubeln, wie nach dem ersten Treffer Lindbergs. Der hat jetzt eine Woche Zeit zu üben, dann empfangen die Füchse den Bergischen HC (Sonntag, 15 Uhr).