Kolomna –

Immer nur Blech für Deutschlands Eisschnellläufer

Wie Claudia Pechstein scheitert auch Patrick Beckert nur knapp

Kolomna. Claudia Pechstein sprach von der „verflixten“ Vier. „Dreimal Rang vier, so kurz vor meinem 44. Geburtstag - das ist die WM der vierten Plätze“, formulierte die Berlinerin mit süßsaurem Lächeln. Nach zwei Top-Läufen hatte die älteste Eisschnellläuferin der WM-Geschichte in Kolomna (Russland) schon auf den langen Strecken jeweils den Platz direkt neben dem Podest eingenommen. Als Krönung der Blech-Arie verpasste sie mit dem Team um 33 Hundertstelsekunden Bronze und damit die Fortsetzung ihrer einmaligen Medaillenserie: Von all ihren bislang 15 WM-Teilnahmen war sie immer mit Edelmetall zurückgekehrt. Insgesamt 60 Medaillen hat sie bei Olympia oder internationalen Meisterschaften gewonnen.

Da auch Patrick Beckert über 5000 Meter als Vierter bis zum letzten Läufer auf Bronze hoffen durfte, sprach Bundestrainer Helge Jasch vom „ungewollten Abonnement auf vierte Plätze“. Über 10.000 Meter hatte Beckert den „Fluch“ der ungeliebten vierten Plätze eingeleitet. „Wären das alles dritte Ränge geworden, hätten wir richtig was zum Feiern gehabt“, so Jasch. Beckert schöpfte so wenigstens „Mut für Olympia“.

DESG erlebt erstmals eine WM ohne Medaillengewinn

Am Ende aber kehren die Deutschen erstmals von einer WM ohne Medaille heim. Von einem Debakel wie bei Olympia in Sotschi 2014 konnte aber nicht die Rede sein. Nahezu alle Deutschen riefen zum Höhepunkt ihre beste Leistung ab. Sechs der acht Athleten liefen in die Top Acht und schafften die A-Kader-Norm für das vorolympische Jahr 2017. Dennoch war das Wörtchen „bitter“ am Abend im deutschen Team-Hotel „Kolomna“ das wohl meistgebrauchte. Pechsteins neuer Trainer Peter Mueller sprach verbittert vom „schlimmsten Platz, den man haben kann.“

Auch Pechstein war traurig: „Klar ist das bitter. Schade, dass ich die Mädels nicht mitziehen konnte. Aber Vierte in der Welt – das ist doch auch was“, meinte die Berlinerin. Am Sonntag im Massenstart-Rennen hatte sie dann nichts mit der Entscheidung zu tun.

Der Niederländer Sven Kramer gewann derweil seine Titel 23 und 24 und baute seine Position als Rekordweltmeister aus. Sein weibliches Pendant ist die Tschechin Martina Sablikova, die zum achten Mal die 5000 Meter gewann und nun mit insgesamt 15 Weltmeisterschaftstiteln erste Verfolgerin der Erfurterin Gunda Niemann-Stirnemann (19) in der Rangliste der Weltmeisterinnen ist.