Bobsport

Anja Schneiderheinze steuert endlich selbst den Bob zu Gold

Nach zwei EM-Titeln ist der Erfurterin endlich auch der WM-Triumph als Pilotin geglückt. Sie fuhr dabei dreimal Laufbestzeit.

Foto: Jan Hetfleisch / dpa

Innsbruck-Igls.  Der erste Weg von Anja Schneiderheinze ging zur Tribüne. In der ersten Reihe stand Mutter Monika. Die drückte ihre Tochter so gut es ging. Und gratulierte der 37-Jährigen zum Gewinn der Weltmeisterschaft.

Nach zwei EM-Titeln ist der Erfurterin endlich dieser Triumph als Pilotin geglückt. Sichtlich erleichtert war auch Christoph Langen. „Wir Trainer sagen seit vielen Jahren: Wenn die Anja mal durchkommt und einen guten Wettkampf fährt, kann sie Weltmeisterin werden“, sagte der Bundestrainer.

In Innsbruck-Igls ist Schneiderheinze durchgekommen. Gemeinsam mit ihrer Anschieberin Annika Drazek ist ihr ein guter Wettkampf geglückt. Sogar ein überragender. Viermal hatte das Duo den Schlitten am schnellsten angeschoben, dreimal war ihnen die beste Laufzeit geglückt. 33 Hundertstelsekunden betrug der Vorsprung auf Olympiasiegerin Kaillie Humphries (Kanada).

Innsbruck ist die Wohlfühl-Bahn der Pilotin aus Erfurt

Triumphiert hat Anja Schneiderheinze, die ihre sportliche Karriere als Sprinterin im Eisschnelllauf begonnen hatte, schon mehrmals im Eiskanal. 2006 war sie sogar Olympiasiegerin geworden. Als Anschieberin von Sandra Kiriasis. Im Jahr davor war sie ebenfalls schon einmal Weltmeisterin.

Dass Schneiderheinze dieser Triumph auf der Olympiabahn in Igls gelang, ist eigentlich kein großes Wunder. Es ist ihre Lieblingsbahn. „Innsbruck ist für mich etwas Besonderes. Dort habe ich meine Pilotenschule gemacht, 2011 meinen ersten Wettkampf bestritten und im Jahr danach meinen ersten Weltcupsieg geholt“, sagte die Bundespolizistin. Und der Charakter der Bahn begünstigte die beiden fulminanten Starterinnen.

Dabei war die Saison für Anja Schneiderheinze bisher nicht nach Wunsch verlaufen. Zu Beginn war ihre Stammanschieberin Annika Drazek verletzt. Auch fiel die Umstellung auf das neue Gewicht (325 Kilo statt 340) nicht leicht.

Mit Annika Drazek kam ein neuer Schub

Nicht einmal als die ehemalige Leichtathletin zurückgekehrt war, lief es auf Anhieb besser. Dann zog Coach Langen die Notbremse, schickte sie vorzeitig von der Nordamerika-Tour nach Hause. „Warum soll ich ihr das antun?“, fragte er. In der Heimat tauschte sie dann den Bob. In St. Moritz wurde sie damit Europameisterin. „Da wusste ich, dass wir in der richtigen Form sind“, bekannte die Pilotin nach dem Titelgewinn.

Es war ein langer und beschwerlicher Weg bis zum WM-Titel. Mit so manchem Rückschlag. Doch dann kam Annika Drazek. Die 20-Jährige gab Schneiderheinzes Karriere noch einmal einen Schub. Vor einem Jahr wurde das Duo in Winterberg Vize-Weltmeister. Nun der Titel.

Im Überschwang der Gefühle dachte Anja Schneiderheinze sogar an eine Fortsetzung der Karriere bis zu den kommenden Olympischen Spielen 2018. Realistischer dürfte jedoch sein, dass sie am Ende dieser Saison aufhört. Es gäbe eigentlich keinen günstigeren Zeitpunkt.