Fußball

Fuß kriegt nie genug vom Toreschießen

Stürmer Michael Fuß geht mit 38 Jahren als Spielertrainer beim Landesligisten 1. FC Neukölln doch wieder auf Torejagd.

Michael Fuß wettet gern. Und meistens gewinnt er auch

Michael Fuß wettet gern. Und meistens gewinnt er auch

Foto: imago/Sebastian Wells

Berlin.  Die Wette steht: Mindestens 20 Tore schieße er in der Rückrunde für den 1. FC Neukölln – hat Michael Fuß angekündigt. Seit Jahresbeginn ist er Spielertrainer beim Landesligisten. Gewinnt Fuß, lässt Präsident Abbas Berjawi eine Urlaubsreise springen. Zuletzt bei Tennis Borussia hat der Stürmer ähnliche Wetten gegen ein Vorstandsmitglied gewonnen. Auf sich selbst zu setzen, ist eine sichere Bank für Fuß. Nun sollen es 20 Tore in 15 Spielen werden. Klingt viel, aber wem ist dies zuzutrauen, wenn nicht ihm?

66 Treffer für Türkiyem – in einer Saison

Legendär sind seine 66 Treffer in der Verbandsliga für Türkiyemspor vor 16 Jahren. Fuß trifft immer noch, seit der Jugend mittlerweile an die 1000-mal. Vergangene Saison war er bei TeBe mit 29 Treffern Garant des Aufstiegs und Torschützenkönig der Berlin-Liga.

38 Jahre alt ist Fuß inzwischen, war in der Hinrunde Co-Trainer bei TeBe in der Oberliga und stand auch im Kader. Berlins bekanntester Amateurfußballer kam jedoch nur auf Kurzeinsätze. Andere würden langsam an den Torjäger-Ruhestand denken. Aber er ist fit, will spielen: „So lange es geht. Möglichst bis 40 oder länger.“ Da traf es sich gut, dass Neuköllns Präsident Berjawi einen neuen Trainer brauchte. Beide kennen sich lange. Fuß, der im Vorjahr seinen Trainerschein gemacht hat, sagte zu: „Ein Freundschaftsdienst.“

Ambitioniertes Programm kann ihn nicht schocken

Einen Torjäger seiner Klasse nur an die Linie zu stellen, wäre natürlich pure Verschwendung. Die Lösung: Spielertrainer. In der Rückrunde gibt es jetzt den doppelten Fuß, er bleibt auch Co-Trainer bei TeBe. Training bei beiden Vereinen, Arbeit im Schichtdienst bei Daimler, am Wochenende Punktspiele – ein ambitioniertes Programm. „Das kriege ich hin. Terminüberschneidungen gibt es kaum“, sagt Fuß.

Beim 1. FC Neukölln ließ er zunächst Kondition bolzen. Eine Disziplin, die beim Spieler Fuß nie hoch im Kurs stand. Viele – auch er selbst – sagen, dass er mit mehr Bereitschaft, sich zu quälen, Bundesligaprofi geworden wäre. Als Trainer geht er mit gutem Beispiel voran. „Er hat alles mitgemacht“, sagt Berjawi, der zuvor fehlende Fitness bei der Mannschaft festgestellt hatte.

Kumpeltyp, der raucht und gern ein Bierchen trinkt

Ob das Trainerdasein etwas für Fuß ist, wird sich zeigen. Er will im 3-5-2-System spielen lassen. „Altmodisch“, sagt er und lacht. Er kennt viele Spieler persönlich. Fuß, der Kumpeltyp, der raucht und gern ein Bierchen trinkt, will sich nicht verstellen: „Ich bin für alles zu haben, solange es im Team läuft.“

Seine lockere Art hat ihm besonders bei den Fans von Tennis Borussia riesige Sympathien eingebracht. Nicht erst seit der Aktion im Spiel beim FC Internationale im vergangenen Mai: TeBe führte 3:0, stand kurz vor dem Aufstieg. Es war sehr warm. Fuß ging zur Seitenlinie, ließ sich ein Bier reichen und trank es zügig aus. Seine Tormusik – „Micha“ von den Ärzten – wurde im Mommsenstadion sogar eingespielt, als er mal in einem Pokalspiel im Trikot des Gegners getroffen hatte. Mit Unterbrechungen war Fuß fast zehn Saisons bei den Veilchen, die Entscheidung als Spieler wegzugehen, habe wehgetan: „Ich liebe diesen Verein.“ Nach Saisonende ist ein Abschiedsspiel geplant.

Hoffnung auf die eingebaute Torgarantie

Jetzt zählt erst mal Neukölln. Von der Qualität der Spieler ist das Team viel besser als der momentane zehnte Platz. „Es gab zu viele Gegentore“, sagt Fuß. Steht die Abwehr, sei nach oben alles möglich, trotz aktuell elf Punkten Rückstand auf einen Aufstiegsplatz: „Wir wollen hoch, mit einer guten Serie kann das klappen.“ Die Aufholjagd soll am Sonnabend gegen Fortuna Biesdorf beginnen (14 Uhr, Hertzbergplatz). Testspiele gegen höherklassige Gegner gaben jedenfalls Anlass zur Hoffnung: 3:2 bei TeBe, 1:1 bei Stern 1900.

Zaubert Fuß, wie eigentlich immer, die eingebaute Torgarantie hervor, könnte das „Wunder von Neukölln“ (Berjawi) gelingen. Dann wird es teuer für den Präsidenten. Neben der Torwette gibt’s eine andere Abmachung: Steigt Neukölln auf, spendiert er einen weiteren Urlaub. Falls nicht? Mit dieser Variante hat sich noch keiner beschäftigt.