Ski Alpin

Viktoria Rebensburg ist zurück im Angriffsmodus

Viktoria Rebensburg bestätigt ihre starke Form mit zwei Podestplätzen beim Heim-Weltcup. Jetzt kann sie sogar ganz oben angreifen.

Foto: DOMINIC EBENBICHLER / REUTERS

Garmisch.  Auf einmal verschwand das Lächeln aus dem Gesicht, die Miene verdüsterte sich. „Weiß nicht. Schau mer mal“, antwortete Viktoria Rebensburg schmallippig wie immer, wenn diese eine Frage auftaucht.

Es ging um die begehrteste Trophäe im alpinen Skiweltcup, vor allem in einer Saison ohne Großereignis wie Weltmeisterschaften oder Olympische Spielen hat die große Kristallkugel, die die beste Skirennläuferin am Ende des Winters überreicht bekommt, eine noch größere Bedeutung.

Rebensburg gehört nun plötzlich zu den Favoritinnen, aber „dass ich bewusst auf die Liste schaue, das mache ich nicht, und das werde ich auch nicht machen.“

Mit den Plätzen zwei im Super-G am Sonntag und drei in der Abfahrt einen Tag zuvor setzte sich die Deutsche endgültig ab vom großen Feld ab und schloss zur Spitze auf – aus dem Zweikampf zwischen Lindsey Vonn (USA) und Lara Gut (Schweiz) ist nun ein Dreikampf geworden.

Ihr Trumpf ist die Konstanz, mit der sie Punkte sammelt

„Jetzt wird das Ganze noch ein bisschen lustiger“, findet Gut, Siegerin im Super-G, die allerdings bereits 153 Punkte vor Rebensburg liegt, Vonn hat sogar noch einmal 107 mehr auf dem Konto. Aber der Triumph der Deutschen ist die Konstanz.

Während die Amerikanerin zwar in den schnellen Disziplin Siege in Serie feierte, acht der bisher zehn Rennen gewann, aber wie Gut sich auch schon einige Ausfälle erlaubte, erreichte Rebensburg stets das Ziel – mit einem 14. Platz als schlechtestes Resultat.

Die 26-Jährige vom Tegernsee ist so etwas wie die Frau der zweiten Saisonhälfte, neben Vonn natürlich, die mit ihrem 76. Sieg in der Abfahrt der nächsten Bestmarke, den 86 Weltcup-Triumphen von Ingemar Stenmark wieder ein Stück näher gekommen ist.

Lange Suche nach der richtigen Abstimmung zwischen Ski, Schuhen und Bindung

Seit Mitte Januar stand Rebensburg in fünf von sechs Rennen auf dem Siegerpodest, in den beiden Riesenslaloms, sogar jeweils auf der obersten Stufe.

Davor war der Winter bei der Deutschen eher unter dem Motto Form- und Setup-Suche gelaufen, denn sie war vor allem damit beschäftigt, die richtige Abstimmung zwischen Ski, Schuhen und Bindung zu finden, und das ist im Skirennsport eine schwierige und zeitaufwändige Angelegenheit, und die war deshalb nicht nach ein paar Testfahrten erledigt, sondern zog sich bis weit in den Winter hinein.

Zwar betraf dies vor allem den Riesenslalom, Rebensburgs Lieblingsdisziplin, aber oft hängt eben das eine mit dem anderen zusammen. Das Selbstvertrauen fehlte auch in den Speedrennen. Und es schlichen sich oft kleine Fehler ein, die ein Spitzenresultat verhinderten.

Nicht alle in ihrem Umfeld hatten die Ansicht der Athletinnen geteilt, dass sich das löse, wenn endlich die Abstimmung gefunden sei. Es gab Stimmen, die eher eine zu vorsichtige Fahrweise ausmachten.

Gespür für das richtige Risiko

Aber seit Ende Dezember das Setup passt, ist bei Rebensburg auch das Gespür fürs richtige Risiko zurück. Die beiden Siege im Riesenslalom „motivieren und unterstützen schon extrem“, gibt sie zu. „Da kann man auch etwas lockerer an den Start gehen“ – und lässt sich auch nicht von schwierigen Pistenverhältnissen bremsen.

Bei der Abfahrt hatten viele Athletinnen mit der im Vergleich zum Training höheren Geschwindigkeit Schwierigkeiten, einen Tag später bereitete die etwas weicher gewordene Piste Probleme, selbst Lindsey Vonn. „Wenn ich kein gutes Gefühl habe, fahre ich nicht mit vollem Risiko“, sagte die Amerikanerin, die sich als Dritte zum ersten Mal in dieser Saison in einer der beiden schnellen Disziplinen geschlagen geben musste.

Nur in der Abfahrt von Val d’Isere war sie im Dezember einmal ausgeschieden, weil sie das Limit überzogen habe. „Da habe ich gelernt, dass ich nicht immer alles riskieren kann. Ich muss mit dem Kopf denken, nicht mit dem Herzen.“ Auf dem Weg zum Gesamtweltcup-Sieg kommt es eben auf die richtige Dosierung an.