München

Der Last-Minute-Verletzte

Weil Serdar Tasci sich gleich im ersten Bayern-Training eine Gehirnerschütterung zuzieht, fehlt er bei seiner Präsentation

München.  Sachen gibt’s, die – ja, doch, die gibt’s. Selbst beim FC Bayern hat man noch nicht alles erlebt. Für 14 Uhr hatte der Verein am Mittwoch an der Säbener Straße zur Pressekonferenz geladen. Anlass: Vorstellung des von Spartak Moskau bis Saisonende ausgeliehenen Serdar Tasci. Der 28-Jährige war die Last-Minute-Reaktion der Münchner auf die Verletzungen der Innenverteidiger-Gilde Jerome Boateng, Medhi Benatia und zuletzt Javi Martinez, der am Dienstag in Barcelona am Knie operiert wurde und rund vier Wochen fehlen wird. Auf dem Podium fehlte: Serdar Tasci. Begründung: Er ist verletzt. Kein Witz.

Spöttisch hieß es prompt im Netz, der Ex-Nationalspieler habe sich schnell integriert in München. Beim FC Bayern lacht über diese „Seuche am Stiefel“, wie es Thomas Müller kürzlich formuliert hatte, schon lange keiner mehr. Bei einem Zusammenprall mit Sebastian Rode im Training – wohlgemerkt Tascis erste Einheit mit der Mannschaft – zog sich der Neue eine leichte Gehirnerschütterung zu. Sportvorstand Matthias Sammer sprach von „leichten Ausfallerscheinungen“ und „zwei, drei Tagen Pause“. Wann Tasci wieder ins Training einsteigen kann, wird erst nach einer weiteren Diagnose feststehen. Sein Einsatz als Nothelfer am Sonnabend bei Bayer Leverkusen (18.30 Uhr, Sky) scheint nicht möglich. Die Bayern sollten Holger Badstuber, den einzig gesund verbliebenen Innenverteidiger, in Watte packen. Trainer Pep Guardiola muss also wohl wieder an einer Improvisationslösung basteln, mit Joshua Kimmich etwa wie beim 2:0 vom Sonntag gegen die TSG Hoffenheim.

Sie hatten aus der Not einen Tasci gemacht – und müssen nun wieder auf das „Go“ der medizinischen Abteilung warten. Nach seiner Unterschrift am Montag hatte Tasci, wegen der langen Winterpause in Russland trotz zehntägiger Vorbereitung in Abu Dhabi noch mit etwas Trainingsrückstand, hoffnungsvoll gesagt: „Ich denke, wenn ich eine gute Trainingswoche habe, werde ich auch fit.“ Der als Lückenschließer geholte Tasci lief 181 Mal für den VfB Stuttgart in der Bundesliga auf und absolvierte 14 Länderspiele, zuletzt im August 2010. Ein zuverlässiger, solider Innenverteidiger mit guter Spieleröffnung. Allerdings werden ihm Schwächen in der Zweikampfführung und mangelndes Tempo auf höchstem Niveau nachgesagt.

Die Bayern sind überzeugt von ihrem SOS-Kauf. „Wir sind zu der Entscheidung gelangt, dass Serdar uns helfen kann. Ein erfahrener Spieler, der oft auf dem Sprung stand, in eine stärkere Rolle reinzuwachsen. Er hat eine lange Pause gehabt, aber wir bekommen ihn schnell in einen Rhythmus“, meinte Sammer und erklärte: „Serdar besitzt hervorragende sportliche und charakterliche Fähigkeiten. Er ist unglaublich heiß auf diese Erfahrung.“ Und nun erst mal beim Arzt.

In der Pressekonferenz ohne den Hauptdarsteller ging es noch um den Fall Arturo Vidal. Die „Sport-Bild“ hatte behauptet, der Chilene soll das Mannschaftsquartier im Trainingslager in Katar mehrmals verlassen und bei seiner Rückkehr alkoholisiert gewirkt haben. „Das stimmt nicht und ist die Unwahrheit“, sagte Sammer entschieden, „wir haben mit Arturo ein absolut enges Verhältnis. Wir sprechen ihn auch auf diese Themen an. Er hat gesagt, dass das nicht stimmt. Darauf verlassen wir uns.“ Auch Vidal meldete sich via Instagram und Twitter zu Wort: „Das ist absolut falsch. Ich bin zu 100 Prozent bereit, alles für mein Team und den Rest der Saison, der für uns alle sehr wichtig ist, zu geben.“ Der 28-Jährige sowie der Verein werden gegen die Berichterstattung rechtliche Schritte einleiten. Laut Sammer sei Vidal in „sehr, sehr guter Form und Verfassung“. Mal eine positive Nachricht für Guardiola. Ja, auch diese Sachen gibt es – an der Säbener Straße.