Fußball

Wie China den Transfermarkt aufwirbelt

Nach der englischen Premier League lockt nun auch Chinas Super League mit Riesengehältern. In der Bundesliga löst das Angst aus.

Jackson Martinez, zuletzt bei Atletico Madrid, ist der teuerste Spieler, der je nach Asien wechselte

Jackson Martinez, zuletzt bei Atletico Madrid, ist der teuerste Spieler, der je nach Asien wechselte

Foto: Kiko Huesca / dpa

Berlin.  Ein Beispiel hilft oft mehr als tausend Worte, dachte sich Klaus Hoffmann, und irgendeinen Namen musste der Präsident des FC Augsburg nun mal nennen. Also entschied er sich für einen, der ihm nahesteht.

Es solle nicht despektierlich klingen, betonte Hoffmann, aber die Vereine der Fußball-Bundesliga müssten sich bald darüber freuen, wenn sie wenigstens Profis wie Markus Feulner halten könnten. Der Augsburger sei zwar ein „toller Spieler“, aber eben auch schon 34, und ja, im FCA-Kader eher an Nummer zwölf oder 13 einzuordnen. „In ein paar Jahren“, vollendete Hoffmann sein Drohgemälde, „wird der komplette Rest vielleicht weggekauft sein.“

Auch wenn das hiesige Wechselfenster seit Montag geschlossen ist: In Deutschland grassiert die Transferangst. Kaum ein Thema wurde auf dem Sport-Business-Kongress SpoBiS in Düsseldorf ausführlicher diskutiert als die „unmoralischen Angebote“ aus England und China. Vor allem die Großoffensive aus Fernost macht die Branche nervös. In diesem Winter spülte die Chinese Super League (CSL) rund 200 Millionen Euro auf den Markt. Nur die vor TV-Milliarden platzende Premier League investierte noch mehr (255 Millionen).

42 Millionen für Atleticos Jackson Martinez

In welchen Dimensionen in China gedacht – und gedealt – wird, wurde spätestens am Mittwoch deutlich. Da drang der Wechsel des kolumbianischen Stürmers Jackson Martinez an die Öffentlichkeit. Adiós Atletico Madrid, ni hao Guangzhou Evergrande. Ablöse: 42 Millionen Euro. Ein asiatischer Rekordtransfer für einen Spieler, der beim FC Porto zwar 92 Tore in 133 Partien schoss, für Atletico allerdings in 15 Liga-Einsätzen nur zwei Treffer erzielte. Viel plakativer kann das Signal der CSL an die Top-Ligen kaum sein: Geld spielt keine Rolle.

Das Land des Lächelns, es soll künftig auch zum Land des rollenden Balles werden. Der große Treiber hinter dieser Vision ist Staatschef Xi Jinping (62). Der fußballbegeisterte Politiker hat große Ziele ausgegeben. China, derzeit Nummer 82 der Weltrangliste, soll so schnell wie möglich an einer Weltmeisterschaft teilnehmen, eine WM im eigenen Land ausrichten und schließlich den Titel holen. Helfen soll dabei ein Konjunkturprogramm. In Schulen steht Fußball inzwischen auf dem Lehrplan, und überall im Land entstehen Förderzentren, nicht selten besetzt mit internationalen Trainern.

Einer davon ist Marco Pezzaiuoli (47), 2011 vorübergehend Chefcoach der TSG Hoffenheim. Er arbeitet in der mit 3000 Kindern größten Fußball-Akademie der Welt in Guangzhou. Die Ziele von Xi Jinping seien zwar „ein wenig unrealistisch“, sagt er, doch das Fundament der Entwicklung sei gelegt. Von einer Nachwuchs-Euphorie kann trotzdem noch keine Rede sein. Bislang, sagt Pezzaiuoli, boomt der Fußball zwar beim Martinez-Klub Evergrande, nicht aber auf den Straßen.

Meier widersteht dem Ruf des Geldes

Das soll sich schleunigst ändern. „Es geht darum, die chinesische Liga aufzuwerten“, sagt Hertha-Manager Michael Preetz, „und das macht man idealerweise mit großen Namen.“

Klubs und Investoren ziehen beim Staatsplan mit. Milliardenschwere Mäzene pumpen ihr Geld genauso in den Fußball wie (Staats-)Unternehmen. Abnehmer finden sich viele: Der brasilianischen Mittelfeldspieler Ramires vom FC Chelsea etwa (für 28 Mio zu Jiangsu Suning), oder der Ivorer Gervinho vom AS Rom, der für 15 Mio zu Hebei China Fortune wechselte.

Die Bundesliga fürchtet weniger um ihre Topstars, sondern um ihre Feulners – die Spieler aus der zweiten Reihe. Frankfurts Topstürmer Alex Meier soll ein Jahresgehalt von sieben Millionen Euro angeboten worden sein. Dem Ex-Herthaner Adrian Ramos, Reservist bei Borussia Dortmund, 15 Millionen für drei Jahre. Beide lehnten ab. FCA-Präsident Hoffmann dürfte es mit Erleichterung registriert haben.

Für Herthas Ronny ist China immer noch interessant

Michael Schade, Geschäftsführer von Bayer Leverkusen, hatte beim SpoBiS übrigens auch ein Beispiel parat. Das von „Chicharito“ Hernandez. Dem hätten im Sommer „finanziell deutlich bessere Angebote“ vorgelegen. Weil der Mexikaner aber nicht im Mittelmaß der Premier League, sondern in der Champions League spielen wollte, unterschrieb er beim Werksklub.

„Die Frage ist, ob ein Spieler dem Geld widerstehen kann“, sagt Michael Preetz. Eine andere ist, ob hinter den chinesischen Millionen mehr steckt als eine Blase. Gänzlich neu ist Chinas Gebaren ja nicht. Stars wie Didier Drogba oder Nicolas Anelka ließen sich schon vor Jahren nach China locken, kehrten aber bald darauf nach Europa zurück.

Das Buhlen der Chinesen, es bietet für deutsche Klubs natürlich auch Chancen. Nicht zuletzt für Hertha BSC. Noch immer suchen die Berliner einen Abnehmer für Ronny. Dessen Berater Dino Lamberti steht in Kontakt mit zwei chinesischen Spieleragenten, ein konkretes Angebot liege ihm derzeit aber nicht vor. Das kann sich noch ändern. In China schließt das Transferfenster erst am 26. Februar.