Leipzig –

Fed-Cup-Team zwischen Euphorie und Konzentration

Kerbers Australian-Open-Sieg soll deutsche Auswahl beflügeln

Leipzig. Zu Beginn der Woche geriet Andrea Petkovic erstmals ins Schleudern. Rennfahrer John Black war in seinem Porsche 911 GT3 ein wenig zu euphorisch in die Kurve gerast und hatte sich verbremst. Beifahrerin Petkovic, die angespannter wirkte, als sie zugeben wollte, kam mit einem leichten Schrecken davon.

Den richtigen Bremspunkt zu finden, ohne dabei den Schub nach Angelique Kerbers Grand-Slam-Triumph zu drosseln - darauf kommt es für Petkovic und Co. in den kommenden Tagen an. Am Wochenende wartet in Leipzig das Fed-Cup-Duell gegen die Schweiz, ein ebenbürtiger Gegner inmitten des Kerber-Booms.

Bundestrainerin Barbara Rittner spürt das Risiko. Auch wenn sie selbst liebend gern „mit Angie feiern und drei Tage den Erfolg genießen“ würde, warnt sie: „Es ist eine Gratwanderung. Keine Minute im Match wird einfach werden.“ Auf dem Papier ist die Schweiz sogar leicht favorisiert. Belinda Bencic (WTA-Nr. 11) und Timea Bacsinszky (Nr. 15) sind hinter der neuen Weltranglistenzweiten Kerber die bestplatzierten Spielerinnen der Begegnung. Martina Hingis gewann in Melbourne ihren zwölften Majortitel im Doppel und hat viel Selbstvertrauen.

Die Schweiz ist in Leipzig leicht favorisiert

Zudem steht ein Fragezeichen hinter Kerbers Verfassung, die Kielerin wurde nach den Feier- und Reisestrapazen am Dienstagabend von ihren Teamkolleginnen im Mannschaftshotel erwartet. „Natürlich ist das Team gestärkt, wenn eine Grand-Slam-Siegerin dabei ist“, sagte Rittner: „Aber weder Angie noch ich wissen, wie sie den Jetlag und den Rummel wegsteckt.“

Im Alleingang kann Kerber die Erstrundenpartie nicht entscheiden, das weiß Rittner. „Natürlich muss ich mich jetzt besonders den anderen Spielerinnen widmen, damit die nicht das Gefühl bekommen: Nur noch Angie ist wichtig, und wir sind unter ,Ferner liefen’“, erklärte Rittner. Am Wochenende komme es auf jede einzelne Spielerin an: „Ich muss jeder Selbstvertrauen vermitteln.“

Vor allem Andrea Petkovic braucht das Zutrauen in ihre eigene Stärke. Die nominelle Nummer zwei war bei den Australian Open überraschend in der ersten Runde aus dem Turnier geflogen, beim PR-Termin an der Werkstrecke des Teamsponsors gab sie sich dennoch betont zuversichtlich. „Die Freude und der Spaß sind wieder da. Das ist eine unheimliche Motivation für mich. Ich glaube an einen Schub durch den Fed Cup und an mich, weil ich gut spiele“, sagte Petkovic, deren Einsatz allerdings längst noch nicht feststeht. Annika Beck will sich mit der Rolle als Ersatzspielerin nicht zufrieden geben. „Die Trainingswoche wird entscheiden, wer bereit für die Einzel ist“, sagte Beck.