Bundesliga

Guardiola zeigt Verständnis für den „Maulwurf“

Den „Maulwurf“ bei den Bayern kennt Trainer Pep Guardiola nicht, aber der Katalane widerspricht dem Anonymus energisch

Pep Guardiola, Trainer des FC Bayern, erlebt unruhige Tage in München

Pep Guardiola, Trainer des FC Bayern, erlebt unruhige Tage in München

Foto: Andy Rain / dpa

Pep Guardiola war geladen. Bestimmt widersprach der katalanische Startrainer den Gerüchten über miese Stimmung beim FC Bayern, stellte wiederholt gereizt Fragen in die Presserunde–. „Wo ist das Problem?“, fragte der Katalane vor dem Bundesligaspiel am Sonntag gegen 1899 Hoffenheim (17.30 Uhr). „Welcher Spieler ist der anonyme Spieler, wo spielt dieser Anonymus?“, sagte Guardiola mit Blick auf den nicht namentlich zitierten Spieler, der Quelle für die Spekulationen war.

„Die Stimmung ist gut. Du kannst nicht in der Hinrunde gewinnen und nur eine Niederlage haben, wenn die Stimmung nicht gut ist“, betonte der 45-Jährige mit ruhiger Stimme, aber wirkte trotzdem gereizt.

Guardiola bestätigt, dass einige Spieler Übergewicht hatten

Der „Kicker“ hatte am Donnerstag über Misstöne innerhalb des Teams berichtet: Von einer Mail mit einem Verbot für Reisen an spielfreien Tagen war die Rede, aber auch von Spielern mit Gewichtsproblemen.

Guardiola bestätigte, dass die Stars ihren freien Tag zur Regeneration nutzen und grundsätzlich nicht herumreisen sollen. Aber man bekomme „tausend Millionen Mails“ mit ähnlichem Inhalt, erklärte er. Kein Problem also. Guardiola räumte mit Blick auf das Gewicht ein, dass Spieler „normalerweise mit ein, zwei Kilo weniger“ aus dem Winterurlaub kämen. „Aber in diesem Moment sind alle beim perfekten Gewicht.“

Der Druck auf Guardiola wächst

Guardiola bezog ausdauernd zu allen Gerüchten Stellung. „Aber am wichtigsten ist, die Spieler trainieren gut“, betonte Guardiola, auf den der Druck in dieser Rückrunde riesengroß ist. Denn es geht nicht nur um Titel für die Münchner, sondern auch um seine Reputation als einem der weltbesten Trainer.

Dass weitere Maulwurf-Aktionen ausbleiben, erwartet Guardiola nicht. „Ich habe im ersten Jahr gemerkt, dass wenn ich eine Besprechung hatte, es am nächsten Tag in den Medien stand“, sagte der Spanier. Ende 2013 machten sich Guardiola und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge („Ich kann demjenigen nur raten, schnell den Spielbetrieb einzustellen, sonst bekommt er ein ernsthaftes Problem“) bereits einmal zusammen auf die Maulwurf-Jagd.

Die ungute Tradtion der „Maulwürfe“ beim FC Bayern

In gewisser Weise äußerte Guardiola sogar Verständnis. „Hier, in Timbuktu, in Afrika, in Australien überall: Wenn ein Spieler nicht spielt, ist er ein bisschen traurig, enttäuscht. Das ist normal.“

Die Existenz eines „Maulwurfes“ hat beim FC Bayern schon länger Tradition. Situationen dieser Art standen vor allem im Fokus, als Otto Rehhagel (1995/96), Giovanni Trapattoni (1996-1998) und Ottmar Hitzfeld (1998-2004) noch auf der Trainerbank des FC Bayern saßen. Jürgen Klinsmann echauffierte sich 1996, dass den Medien Details aus seinem Arbeitsvertrag zugespielt werden würden. Zwei Jahre später meckerte Lothar Matthäus, dass eine Geldstrafe gegen ihn öffentlich wurde.

Abschneiden in der Champions League wird entscheidend

Von „FC Hollywood“-Zeiten wie einst sind die Bayern zum Start in wegweisende Wochen weit entfernt. In allen drei Wettbewerben sind die Münchner auf Kurs, aber ein Scheitern am 23. Februar und 16. März im Champions-League-Achtelfinale gegen das aktuell starke Team von Juventus Turin (3:0 im italienischen Pokal am Mittwoch gegen Inter Mailand) könnte beim FC Bayern für ein Pulverfass sorgen.

Guardiola weiß, dass er letztlich nur am Abschneiden in der Königsklasse gemessen wird. Übergewicht oder unnötige Privattrips der Stars passen da nicht in das Konzept des am Saisonende scheidenden Trainers. „Pep Guardiola bekommt bis zu seinem letzten Arbeitstag die ganze Unterstützung von allen, die beim FC Bayern etwas zu sagen haben - das können sich alle hinter die Ohren schreiben, die eine „Lame Duck“-Diskussion anzetteln möchten“, betonte Rummenigge.