Breslau –

Die EM wird zur großen Stunde der Außenseiter

Fuchs Tönnesen trifft mit Norwegen auf die Deutschen

Breslau.  Wer sich vor Beginn der Europameisterschaft in den Handball-Foren dieser Welt umgesehen hat, der stieß bei der Frage nach den Titelfavoriten vor allem auf folgende Nationen: Frankreich, Dänemark, Polen, Spanien, Kroatien. Die drei Erstgenannten sind inzwischen ausgeschieden. Stattdessen stehen Deutschland und Norwegen im Halbfinale. Sie treffen am Freitag in Krakau aufeinander (18.30, ZDF), während Spanien und Kroatien sich um 21 Uhr gegenüberstehen (sportdeutschland.tv).

„Zwei Märchen kommen jetzt zusammen“, sagte Bundestrainer Dagur Sigurdsson. Denn während Deutschland den zweifachen Europameister Dänemark bezwang (25:23), siegte Norwegen gegen den amtierenden Weltmeister aus Frankreich 29:24. „Als ich nach unserem Spiel hörte, wir treffen im Halbfinale auf Norwegen, dachte ich, das kann doch gar nicht sein, dann müssen die ja Gruppenerster sein“, sagte Tobias Reichmann. Neben Deutschland ist Norwegen das Überraschungsteam dieser EM. Durch Siege gegen Kroatien, Frankreich und Gastgeber Polen hat sich die Mannschaft zum ersten Mal in ein EM-Halbfinale gespielt. Ein großer Faktor bei Norwegen ist Kent Robin Tönnesen von den Füchsen Berlin. Gegen Frankreich war der Linkshänder mit sechs Toren bester Werfer seiner Mannschaft. 24 Treffer hat er im Turnier schon erzielt.

Als Reaktion auf das Debakel, bei der EM im eigenen Land das Halbfinale verpasst zu haben, trat der polnische Nationaltrainer Michael Biegler am Donnerstag zurück. „Von uns hat kein Spiel stattgefunden. Ich übernehme die volle Verantwortung dafür“, sagte der 54-Jährige nach der 23:37-Niederlage gegen Kroatien. Allerdings wird man ihn wohl bald in der Bundesliga wiedersehen.

Dänemarks Trainer Gudmundur Gudmundsson bemängelte stattdessen den Spielplan, der sein Team für den Gruppensieg in der Vorrunde mit zwei Spielen innerhalb von 22 Stunden bestrafte. Einzig die Franzosen sind halbwegs entspannt, durch den WM-Titel 2015 ist das Team bereits sicher für Olympia qualifiziert. Die deutsche Mannschaft bräuchte dafür den Turniersieg. „Wir haben oft gesagt, uns will keiner mehr als Gegner haben, das gilt für Norwegen genauso“, sagte Sigurdsson. „Nach der Niederlage gegen Spanien im ersten Spiel haben sie eine richtige Welle erwischt.“