Biathlon

Nur ein Exot kann Simon Schempps Lauf stoppen

Ausgerechnet ein überrundeter Japaner verhindert den Sieg der deutschen Biathlon-Staffel mit einem überragenden Schempp in Antholz.

Simon Schempp holte mit Arnd Peiffer, Benedikt Doll und Erik Lesser (v.l.) den zweiten Platz bei der Staffel in Antholz

Simon Schempp holte mit Arnd Peiffer, Benedikt Doll und Erik Lesser (v.l.) den zweiten Platz bei der Staffel in Antholz

Foto: Claudio Onorati / dpa

Antholz.  Am Ende seines überragenden Antholz-Wochenendes kam der sonst eher besonnene Simon Schempp so richtig in Rage. Weil ihm der überrundete Japaner Yuki Nakajima ausgerechnet im Ansatz auf den Schlussspurt der Staffel vor die Füße lief, verlor Deutschlands bester Biathlet im Duell mit Anton Schipulin die alles entscheidenden Zentimeter.

Am Ende reichte es für Erik Lesser, Benedikt Doll, Arnd Peiffer und Schempp zum Abschluss des Weltcups in Antholz hinter Russland nur zu Platz zwei. „Der läuft in einer Seelenruhe mitten auf der Strecke, alle brüllen. Ich weiß nicht, ob er taub auf den Ohren ist“, schimpfte Schempp.

Trotz dieses kleinen Schönheitsfehlers und der Strafrunde von Doll waren Schempp und seine Kollegen zufrieden. Am Ende fehlte dem Weltmeister nur eine Sekunde zum Sieg. „Wir haben eine ordentliche Staffel abgeliefert. Der Ausgang ist aber ärgerlich“, sagte Schempp.

Großer Mitfavorit für die WM in Oslo

Vor allem der Schwabe zeigte, warum er derzeit Deutschlands Nummer eins ist und sich gut sechs Wochen vor der WM immer mehr in die Rolle des großen Mitfavoriten bringt. Im Sprint hatte er zuvor seinen Weltcupsieg Nummer neun geholt und war hinter Schipulin Zweiter in der Verfolgung geworden. „Ich war dieses Jahr siebenmal auf dem Podium, deshalb ist das natürlich das Ziel bei der WM“, so Schempp.

Vier seiner zehn Rennen gewann der 27-Jährige und wurde noch dreimal Zweiter, hat nur einen Erfolg weniger als der Weltcup-Gesamtführende Martin Fourcade. Und das, obwohl er Anfang des Jahres wegen einer zweiwöchigen Zwangspause vier Rennen auslassen musste.

Schempp kann aufgrund der besseren Trainingsbelastbarkeit trotz deutlich höherer Umfänge jetzt selbst solche Rückschläge wegstecken. „Meine hart erarbeitete Grundlage ist sehr gut. Aber ich bin noch nicht wieder bei 100 Prozent.“

Der Bundestrainer ist begeistert

Auch in dem Wissen, noch Reserven zu haben, blickt er selbstbewusst in Richtung Oslo. Die WM im März ist nun der absolute Saisonhöhepunkt, nachdem Schempp durch seine Ausfälle den für ihn in diesem Jahr eigentlich höher eingestuften Gesamtweltcup abschreiben musste.

Ein Einzeltitel, mindestens eine Medaille ist fast schon ein Muss. „Die Zeit ist definitiv reif“, meinte der Staffel-Weltmeister, der letztes Jahr als Mitfavorit in den Einzelrennen leer ausging.

Bundestrainer Mark Kirchner ist begeistert: „Simon war auch letztes Jahr schon ein Siegläufer, hat aber eine neue Stärke entwickelt, und das ist schon sehr beeindruckend. Eine WM-Einzelmedaille wäre mehr als verdient.“

Im Sog des Überfliegers zeigte in Italien vor allem auch Peiffer (5./9.) starke Leistungen, Doll überzeugte als Sprint-Elfter sowie Andreas Birnbacher (14.) und der in der Staffel stark agierende Lesser (18.) mit ihren Aufholjagden in der Verfolgung.

Frauen diesmal enttäuschend

Nach zuvor sechs Siegen und zehn weiteren Podestplätzen schafften es die Frauen diesmal ohne die fehlenden Staffel-Weltmeisterinnen Laura Dahlmeier, Franziska Preuß und Maren Hammerschmidt erstmals in diesem Winter nicht auf das Podium.

In der Staffel am Sonntag wurden Karolin Horchler, Miriam Gössner, Vanessa Hinz und Franziska Hildebrand nur Zehnte. Doch Bundestrainer Gerald Hönig bringt das nicht aus der Ruhe: „Wir haben drei Hochkaräter als Ausfälle zu beklagen, und die Mädels haben schon so viel Hervorragendes geleistet. Wir werden uns jetzt nicht aus der Bahn werfen lassen oder unsere Konzeption umschmeißen.“