Basketball

Dirk Nowitzki spielt nie wieder für Deutschland

Der Basketball-Superstar tritt aus der Nationalmannschaft zurück. Wehmut und großer Respekt begleiten den 37-jährigen Ausnahmespieler.

Abgang eines Enttäuschten: Im September 2015 bestritt Dirk Nowitzki bei der EM in Berlin sein letztes Länderspiel für Deutschland

Abgang eines Enttäuschten: Im September 2015 bestritt Dirk Nowitzki bei der EM in Berlin sein letztes Länderspiel für Deutschland

Foto: Lukas Schulze / dpa

Berlin.  Wer in Berlin dabei war, wird die Bilder nie vergessen: Damals schien Dirk Nowitzki die ganze Trauer des deutschen Basketballteams in seiner Person zu vereinigen. Der große Blonde schlich als Geschlagener vom Parkett der Halle, die an diesem 10. September 2015 noch O2 World hieß. Vorher hatte er sich noch vom Publikum verabschiedet, sich in alle Richtungen verbeugt.

Eigentlich war zu diesem Zeitpunkt schon alles klar, kurz vor 20 Uhr nach dem 76:77 gegen Spanien, das das Ausscheiden bereits nach der Vorrunde bei der Europameisterschaft bedeutet hatte: Das war’s für den besten Basketballer, den Deutschland jemals hatte. Schluss nach 153 Länderspielen und 3045 Punkten im Trikot mit dem Bundesadler auf der Brust.

Daher hat es wohl niemanden mehr verwundert, dass es der 37-Jährige nun am Sonntag offiziell und unwiderruflich machte: „Das letzte Spiel bei der EM war mein letztes für Deutschland“, erklärte der Profi von den Dallas Mavericks gegenüber der „Bild am Sonntag“.

In den USA nennen sie den Würzburger Dirkules

Er hatte noch abgewartet: Eventuell hätte sich für das deutsche Team noch ein Hintertürchen aufgetan. Wäre der Deutsche Basketball Bund (DBB) zu einem der drei Ausrichter von Qualifikationsturnieren für die Olympischen Spiele in Rio im August 2016 ernannt worden, hätte die Nationalmannschaft daran teilnehmen dürfen – und Nowitzki hätte sich noch einmal in deren Dienst gestellt. Doch daraus wurde nichts.

Was für Spitznamen sie für ihn doch erfunden haben in den Vereinigten Staaten, wo er zu einem der ganz großen Stars in der NBA aufgestiegen ist: Dirkules, German Wunderkind oder Flying Deutschman. Zum Multimillionär ist der Mann aus Würzburg geworden, der am 5. Februar 1999 sein erstes von inzwischen 1446 Spielen in der NBA bestritt.

Vor 17 Jahren trug er bereits das Trikot der Mavs, mit denen er 2011 den NBA-Titel gewann, denen er bis heute treu geblieben ist und bei denen er noch einen Vertrag bis zum Sommer 2017 besitzt. Immer in Dallas geblieben zu sein, zeigt seine Bodenständigkeit.

Insgesamt 3045 Punkte in 153 Länderspielen

Inzwischen ist er mit einer US-Amerikanerin verheiratet und Vater von zwei Kindern; die USA sind zur zweiten Heimat geworden. Doch ebenso eng ist die Verbindung zu seinem Geburtsland geblieben.

Daher hat Nowitzki immer, wenn es möglich war, für die Nationalmannschaft gespielt. Oft ist er förmlich aufgeblüht, wenn er mit „meinen Jungs“, wie er die Mitspieler im deutschen Team gern nannte, zusammenspielen konnte zwischen 1997 (erstes Länderspiel am 26. Februar gegen Portugal) und besagtem Spanien-Spiel im September 2015.

WM-Dritter 2002 in den USA, EM-Zweiter 2005 in Serbien, Olympia-Teilnahme 2008 in Peking. Immer ging Nowitzki voran mit im Schnitt 19,9 Punkten pro Spiel. Ein Superstar – und doch ist er geerdet geblieben. „Völlig normal“, so habe sich Nowitzki im Nationalteam immer gegeben, erzählen alle, die jemals mit ihm in einer Mannschaft standen. „Er ist immer einer von uns geblieben.“

Stolzer Fahnenträger bei den Olympischen Spielen in Peking

Freudentränen hat er geweint, als sich die Deutschen für die Olympischen Spiele in Peking qualifiziert hatten. NBA-Champ zu werden und bei Olympia dabei zu sein, hat er immer als seine beiden großen sportlichen Ziele genannt. In Peking trug er bei der Eröffnungsfeier sogar die deutsche Fahne strahlend ins Stadion „Vogelnest“.

Sicher, von Jahr zu Jahr fiel es ihm schwerer, sich gegen die knallharte europäische Verteidigung durchzusetzen. Aber er hat nie geklagt, hat einfach weitergemacht. Die Basketballfans verabschieden ihn mit Wehmut. Oder wie einst die Zuschauer beim EM-Finale 2005: Bereits Minuten vor Schluss stand die klare Niederlage gegen Griechenland fest, Nowitzki schleppte sich zur Bank. Alle Besucher in der Halle erhoben sich von ihren Plätzen und feierten ihn minutenlang. Mehr Respekt geht nicht.