Bundesliga

Guardiolas Abschiedstournee startet mit Sieg in Hamburg

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Patrick Strasser
Bayerns Trainer Pep Guardiola gestikuliert an der Seitenlinie

Bayerns Trainer Pep Guardiola gestikuliert an der Seitenlinie

Foto: Lukas Schulze / dpa

Überraschend schwache Bayern siegen beim Rückrundenstart gegen den Hamburger SV dank der beiden Treffer von Robert Lewandowski mit 2:1

Spiel eins nach dem angekündigten Abschied zum Saisonende von Pep Guardiola. Und seine Bayern widerlegten ihren Trainer. „Wir können in Hamburg verlieren“, hatte der 45-Jährige gesagt. Theoretisch ja, aber gestern Abend nicht. Robert Lewandowski traf zum Rückrundenauftakt beim Hamburger SV per Foulelfmeter und per Abstauber (37./61.) – jeweils nach Vorbereitung von Thomas Müller. 2:1 am Ende, der 16. Sieg im 18. Ligaspiel, die Bayern sind weiter auf Kurs vierte Meisterschaft hintereinander. Auch wenn sie sich beim HSV überraschend schwer taten.

Selbst wenn die Verkündung schon fast fünf Wochen her ist, waren viele Augen auf den spanischen Coach des FC Bayern gerichtet. Hamburg war also die erste Station der Abschiedstour des Katalanen. Die letzten vier Monate des Pep-Universums sind angebrochen.

HSV-Trainer Labbadia ärgert sich über „billige“ Gegentore

„Wir hätten natürlich ein Stück besser spielen können, aber der Sieg war letztlich wichtig“, sagte Müller. Und er ergänzte: „Wir wissen, dass wir noch nicht auf unserem Toplevel sind.“ HSV-Trainer Bruno Labbadia ärgerte sich trotz einer guten Leistung seiner Elf: „Das ist zum kotzen für uns. So billige Tore, wie wir zugelassen haben. Wir können uns dafür nichts kaufen, dass wir das Spiel ordentlich bestritten haben.“

Hamburgs Torwart René Adler sagte: „Mit etwas mehr Glück hätten wir etwas mitnehmen können. Aber das Glück hatten diesmal die Bayern.“

Guardiola verzichtete zunächst auf Arjen Robben. Nach 33 Tagen Winterpause gab er Kingsley Coman den Vorzug vor dem Holländer, im Mittelfeld durfte Thiago statt Arturo Vidal ran.

Adler verursacht Elfmeter

Die Bayern dominierten die Partie, allerdings nicht so eklatant wie beim 5:0 zum Start der Saison im August in München. Überhaupt lautete die Torbilanz vor Anpfiff zwischen Guardiola und dem HSV in fünf Ligapartien 20:2. „Sie sind eine komplett andere Mannschaft als bei unserem 5:0. Labbadia macht einen sehr guten Job“, lobte Guardiola.

Und seine Bayern? Frühform ist gar nicht gewünscht, die Topleistung will man anders als 2014 und 20156 im April/Mai zeigen. „Wenn wir drei, vier, fünf Spiele gespielt haben, wissen wir, welches Niveau wir haben. Jetzt weiß ich nicht, wie unsere Situation ist“, meinte Guardiola vor Anpfiff.

Zumindest dies lässt sich nach den 90 Frost-Minuten von Hamburg sagen: Die Mannschaft wirkte giftiger und zielstrebiger als beim 1:2 im Test in Karlsruhe. Aber der 102. Nord-Süd-Klassiker wurde keine einseitige Angelegenheit. Die Führung entstand nach einem langen Ball aus dem Mittelfeld von Philipp Lahm auf Müller, der von HSV-Torwart Adler beim Rauslaufen umgetreten wurde. Elfmeter. Ein berechtigter. Im 19. Pflichtspiel-Starteinsatz hintereinander verwandelte der Pole souverän zum 1:0, Saisontreffer Nummer 16. Der Mann will die Torschützenkanone.

Nach der Pause zwei Schockmomente für die Bayern. Obwohl vorher überlegen, kassierte man aus dem Nichts den Ausgleich. Nach einer weiten Freistoß-Flanke von Hunt ringen Alonso und Lasogga um den Ball. Strittig, ob und wer ihn leicht touchierte – Manuel Neuer war irritiert, das 1:1 (53.). Drei Minuten später muss Jérome Boateng nach einem Defensiv-Zweikampf raus. Er zeigte sofort an: Wechseln! Wohl eine Leistenverletzung. Doch Bayern schlug schnell zurück. Müller zog aus 17 Metern frontal zum Tor ab, über den Umweg Lewandowski trudelte die Kugel ins Tor (61.) – das glückliche, aber clevere 2:1.

Hamburger verabschieden Retter Diaz nach Spanien

Bei den Bayern begeisterten die Flügelakrobaten Coman und Douglas Costa mit waghalsigen Tempodribblings. Nach dem Ausgleich jedoch wirkte Bayern erneut fahrig und anfällig, sicherte aber den knappen Erfolg.

Richtig emotional wurde es aus HSV-Sicht im Volksparkstadion vor allem, als wenige Minuten vor dem Anpfiff der Retter des HSV aus dem Mai 2015 verabschiedet wurde: Marcelo Diaz erhielt ein gerahmtes Bild der legendären, ewigen (?) HSV-Stadionuhr, weil er mit seinem Freistoßtor beim Karlsruher SC in der Relegation die Verlängerung erzwungen und damit das Überleben des HSV eingeleitet hatte. „Du wirst immer einen Platz in unseren Geschichtsbüchern haben“, rief ihm HSV-Vorstandsvorsitzende Dietmar Beiersdorfer übers Stadionmikrofon zu. Der Chilene, der Dino-Retter, wechselt nach Spanien zu Celta Vigo.

Aber dieses Jahr, so scheint es nach dem Bayern-Spiel, brauchen die Rothosen wohl keinen Notfall-Schützen.