Melbourne –

Lisickis Kampf gegen die Ungeduld

Die Berlinerin feiert in Australien einen souveränen Turnierauftakt und gewinnt an Sicherheit

Melbourne.  Einen Tag nach ihrem 28. Geburtstag wurde Angelique Kerber zur „Drama Queen“: Die deutsche Nummer eins verkrampfte, haderte und fluchte, behielt im entscheidenden Moment ihrer Auftaktpartie bei den Australian Open aber doch die Nerven.

„Als ich den Matchball gegen mich hatte, habe ich den Reiz gespürt, jetzt alles zu drehen“, sagte Kerber nach dem 6:7 (4:7), 7:6 (8:6), 6:3 gegen Misaki Doi (Japan). Ein direkter Aufschlagwinner beim Stand von 5:6 im Tiebreak des zweiten Durchgangs bewahrte die Kielerin vor ihrem zweiten Erstrunden-K.o. in Melbourne in Folge. „Jetzt ist die Erleichterung viel größer als der Frust über meine Leistung“, sagte die Weltranglistensechste.

Zufriedener mit ihrem Start konnte Sabine Lisicki (Nr. 30) sein. Nach einer Verletzungspause am Ende der vergangenen Saison sieht sich die Berlinerin (26) auf dem richtigen Weg. „Es ist ein Kampf zurück und klappt nur Schritt für Schritt“, sagte sie nach ihrem 6:4, 6:4 gegen Petra Cetkovska (Tschechien). „Es geht in die richtige Richtung.“ Knieschmerzen hat die Wimbledon-Finalistin von 2013 zwar nicht mehr, noch aber fehle es an Automatismen. „Das ist ein komisches Gefühl“, meinte Lisicki, „zumal ich nicht geduldig bin.“ Nächste Gegnerin ist Denisa Allertova aus Tschechien (Nr. 66).

Angeführt von Kerber und Lisicki stehen insgesamt acht deutsche Profis (sieben Frauen, ein Mann) in der zweiten Runde der Australian Open – sieben blieben bislang auf der Strecke.

Erfolgreich waren am zweiten Turniertag auch Julia Görges (Bad Oldesloe), Annika Beck (Bonn), Tatjana Maria (Bad Saulgau) und Laura Siegemund (Metzingen).

Eine Lehrstunde erhielt unterdessen Nachwuchshoffnung Alexander Zverev. Der 18 Jahre alte Hamburger war beim 1:6, 2:6, 3:6 gegen Andy Murray zwar chancenlos, erhielt vom Weltranglistenzweiten aber viel Lob. „Alex ist einer der besten jungen Spieler der Welt. Er hat bis zum Ende gekämpft, wir hatten wirklich lange und fordernde Ballwechsel“, sagte Murray. Ein schwacher Trost für den Deutschen. „Im dritten Satz habe ich besser gespielt, aber es war trotzdem nicht genug“, sagte Zverev, der sich gleich zu Beginn wegen Nasenblutens hatte behandeln lassen müssen.

Rafael Nadal verpasst erstmals in Australien die zweite Runde

Ebenfalls eine blutige Nase holte sich Rafael Nadal (29). Der 14-malige Grand-Slam-Sieger unterlag seinem spanischen Landsmann Fernando Verdasco mit 6:7 (6:8), 6:4, 6:3, 6:7 (4:7), 2:6. „Ich habe toll trainiert und viel gearbeitet“, sagte Nadal mit versteinerter Miene, „diese Niederlage ist eine ganz bittere für mich.“ Noch nie zuvor in seiner Karriere hatte Nadal in Australien die zweite Runde verfehlt. Eine Pleite erlebte auch die Weltranglisten-Zweite Simona Halep. Die Rumänin verlor völlig überraschend gegen die chinesische Qualifikantin Zhang Shuai mit 4:6, 3:6. Für die Asiatin war es der erste Erfolg bei einem Grand-Slam-Turnier.