Skiflug-WM

Freund sei Dank: Silber für Deutschland beim Krimi am Kulm

Nach der Enttäuschung vom Sonnabend werden die DSV-Adler dank einer furiosen Aufholjagd Vizeweltmeister. Auf einen war wieder Verlass.

Severin Freund, Richard Freitag, Stephan Leyhe und Andreas Wellinger (v.l.) freuen sich über ihre Silbermedaille bei der Skiflug-WM in Bad Mitterndorf

Severin Freund, Richard Freitag, Stephan Leyhe und Andreas Wellinger (v.l.) freuen sich über ihre Silbermedaille bei der Skiflug-WM in Bad Mitterndorf

Foto: Alexander Hassenstein / Bongarts/Getty Images

Bad Mitterndorf.  Severin Freund fiel jubelnd in die Arme seiner Teamkollegen, Werner Schuster riss erleichtert die Arme in die Höhe: Die deutschen Skispringer haben mit Silber im Teamwettbewerb doch noch für einen starken Abschluss der Skiflug-WM am Kulm gesorgt.

„Hier auf dem Podium zu stehen, ist extrem geil. Das hätte uns keiner zugetraut“, sagte Freund, der am Sonnabend mit Rang sechs im Einzel noch eine Enttäuschung erlebt hatte: „Für mich ist das heute so etwas wie ein Happy End, mit der Platzierung bin ich extrem glücklich.“

Der verkorkste Auftakt war spätestens am Sonntag um 15.55 Uhr vergessen. Freund, Richard Freitag, Andreas Wellinger und Stephan Leyhe musste sich nach einer furiosen Aufholjagd in Bad Mitterndorf mit 1357,3 Punkten nur dem neuen Weltmeister Norwegen (1467,7) geschlagen geben. Bronze ging an Gastgeber und Titelverteidiger Österreich (1310,4).

Freund unterstrich seine Topform

Allen voran Freund unterstrich dabei seine Topform, mit Flügen auf 219,0 und 218,5 m war der Skiflug-Weltmeister von 2014 drittbester Springer des Tages. „Silber war heute das Maximum, daher bin ich sehr zufrieden. Es wäre ein unrunde Sache gewesen, wenn wir bei dieser WM leer ausgegangen wären“, sagte Schuster, der nach dem Einzel noch zerknirscht gewirkt hatte: Beim überlegenen Sieg von Flugwunder Peter Prevc (Slowenien) verpasste Freund als Titelverteidiger die erhoffte Medaille klar.

Mit Silber belohnte sich das DSV-Team einen Tag später für eine starke Aufholjagd: Nach zwei der acht Gruppen lag Deutschland nur auf dem sechsten, zur Halbzeit auf dem dritten Rang. Allen voran Freund und Freitag sicherten aber wie schon vor vier Jahren in Vikersund Silber. „Die erst WM, die erste Medaille - das wird mir ewig in Erinnerung bleiben“, sagte Leyhe, Freitag sprach von einem „gigantischen Gefühl.“

Eine Klasse für sich war allerdings Norwegen. Der WM-Zweite Kenneth Gangnes, Weltrekordler Anders Fannemel, Johann Andre Forfang und Daniel Andre Tande führten bereits zur Pause klar und holten am Ende nach 2004 und 2006 zum dritten Mal Gold nach Norwegen. Damit endete auch die Serie der zuletzt dreimal in Folge siegreichen Österreicher.

Slowenien flog am Podest vorbei

Favorit Slowenien (1272,7) mit dem überragenden Prevc mussten sich dagegen mit Rang vier begnügen, auch Traumflüge des Weltmeisters auf 228,0 und 238,0 reichten nicht. Sein Soll hatte Prevc ohnehin schon am Sonnabend erfüllt: Zehn Tage nach seinem Triumph bei der Vierschanzentournee holte sich der 23-Jährige vor Gangnes und Stefan Kraft (Österreich) den zweiten großen Titel seiner Karriere.

„Ich war so nervös, jetzt bin ich einfach nur glücklich“, sagte Flugwunder Prevc nach seinem furiosen Schanzenrekord von 244 Metern. Da der vierte Durchgang wegen schwieriger Windverhältnisse und einbrechender Dunkelheit abgesagt wurde, wurde Prevc ähnlich wie schon Freund vor zwei Jahren in Harrachov „Abbruch-Weltmeister“. Dem Überflieger war das egal: „Diese Saison verläuft für mich wie im Traum.“

Für Freund galt das zumindest am Sonnabend nicht, dem 27-Jährigen fehlten satte 50 m zum Podest. „Skifliegen ist eben kein Wunschkonzert“, sagte der Niederbayer. Zweitbester DSV-Adler wurde Richard Freitag als Achter. „Wenn man am Hang entlanggleitet, ist das gigantisch“, sagte der Sachse, dem mit 231,0 m sogar eine persönliche Bestweite gelang.

Auf Freund und Co. warten nach drei Wochen Dauer-Stress nun ein paar Tage Erholung, ehe es am Wochenende mit dem Weltcup im polnischen Zakopane weitergeht. „Wir werden Peter Prevc weiter das Leben schwer machen“, versprach Schuster: „Auch ihm wird einmal das Gas ausgehen.“