Fußball

Lionel Messi ist zum fünften Mal Weltfußballer des Jahres

265 Millionen Menschen auf der Welt spielen Fußball. Nur einer unter ihnen, der spielt irgendwie etwas anders: Lionel Messi.

Stolz und bescheiden: Lionel Messi mit dem Ballon d'Or, dem Ball aus Gold

Stolz und bescheiden: Lionel Messi mit dem Ballon d'Or, dem Ball aus Gold

Foto: Patrick Seeger / dpa

Barcelona.  Als Pelé spielte, gab es den Weltfußballer des Jahres noch nicht. Die Welt sah nur einen Bruchteil seiner Spiele, die fast ausschließlich in Brasilien stattfanden. Als Maradona spielte, waren Südamerikaner immer noch nicht wahlberechtigt für den „Goldenen Ball“. Die Welt sah mehr Fußball, aber längst nicht alles.

Am Fernseher ein Genuss, im Stadion Magie

Lassen wir also die Frage, wer der Größte aller Zeiten ist. Es braucht keine Vergleiche, um die Dimension desjenigen zu würdigen, der am Montagabend in Zürich zum fünften Mal als Weltbester ausgezeichnet wurde. Einigen wir uns darauf: Laut dem Weltverband Fifa spielen 265 Millionen Menschen auf der Welt organisiert Fußball. Nur einer unter ihnen, der spielt irgendwie etwas anderes.

Von Lionel Messi kann man jedes Spiel sehen. Am Fernseher ist er ein Genuss, im Stadion Magie. Wie muss er erst auf dem Platz wirken? Je näher ihm einer ist, desto größer die Ehrfurcht, das unterstreicht die Einmaligkeit. „Sein Einfluss auf das Spiel ist unglaublich“, sagt Andrés Iniesta, Klubkollege beim FC Barcelona. „Auf dem Platz gibt es Momente, wo du dir denkst: Das kann nicht sein, was er da gemacht hat. Der Witz ist, dass er es im nächsten Spiel nicht nur wieder macht, sondern sich noch übertrifft. So geht das jetzt seit zehn Jahren.“

Gary Lineker nennt Messi den „Messias“

So geht es im Alltag der spanischen Liga, wie zuletzt am Wochenende gegen Granada und dem 33. Hattrick seiner Klubkarriere. So geht es aber in atemberaubender Zuverlässigkeit auch dann, wenn sich eine Saison entscheidet. In jenen fünf Sekunden etwa des Champions-League-Halbfinales gegen den FC Bayern: drei Ballberührungen mit dem linken Fuß, eine vierte rechts an Jérome Boateng vorbei, dann der Lupfer mit dem rechten – „schwachen“ – Fuß über Manuel Neuer. Die deutschen Hünen am Boden, der kleine Argentinier obenauf, mit seinem zweiten Treffer des Spiels, nach dem sich auch die Münchner ergeben mussten.

„Gibt es immer noch jemanden, der es bezweifelt?“, fragte in jener Nacht der englische Ex-Star und Analyseguru Gary Lineker: „Er ist der Messias!“

Das Beste im Leben sind für ihn seine beiden Söhne

Ein Auserwählter, der in der Whats­app-Gruppe der Barca-Profis zu den aktivsten gehört und immer eine Stunde vorher zum Training kommt, um spazieren zu gehen oder einen Mate zu trinken, das argentinische Nationalgetränk. Der sich „mein Leben so nie hätte träumen lassen“, aber seine beiden Söhne „das Beste“ nennt, „das mir im Leben passiert ist“. Der sich in der Kabine Spielszenen vorstellt und, sobald auf dem Platz, selbst vor 100.000 Zuschauern alles ganz klar sieht: „Wenn ich das Gras unter meinen Füßen spüre, fühle ich mich sicher.“

Selbst Auserwählte erleben Rückschläge, und so ist Messis fünfter Goldener Ball auch eine Auszeichnung seiner Nehmerqualitäten. Es war ja schon ein kleiner Karriereknick in den zwei Jahren zuvor, zwischen Windelwechseln, mehreren Verletzungen, einem Steuerverfahren, der Obsession mit der WM 2014 und „vielleicht zu viel Pizza“, wie Barças Urgestein Charly Rexach anmerkte. Als Cristiano Ronaldo vor einem Jahr seinen dritten Weltfußballer gewann, kündigte er an: „Ich will Messi einholen.“ Dem waren die Goldenen Bälle nie ganz so wichtig wie seinem Rivalen. Aber so weit wollte er es dann doch nicht kommen lassen.

Noch stärker nach seinem Comeback

Das Comeback nach vier Auszeichnungen zwischen 2009 und 2012 erzählt außerdem von der nächsten Entwicklungsstufe. „Einen reiferen Messi“, beobachtet Argentiniens Nationaltrainer und Ex-Barca-Coach Tata Martino. Sein Habitat ist nicht mehr der Flügel wie zu seinen Anfangsjahren und nicht mehr die Mitte wie als „falscher Neuner“ unter Pep Guardiola. Sein Habitat ist der ganze Platz, und Messi ein „total footballer“, ausgestattet nicht nur mit einem einmaligen Fuß, sondern auch mit einmaliger Vision.

Auch neben dem Platz hat Messi viel Teamfähigkeit bewiesen. Er arrangierte sich mit Trainer Luis Enrique, mit dem er vor einem Jahr heillos verkracht schien. Er freundete sich mit Luis Suárez und Neymar an, den Kollegen in Barcas epochalem Dreizack. Suárez räumte er seinen Platz in der Sturmmitte, Neymar gewann er endgültig für sich, als er ihm die Ausführung eines Elfmeters überließ und auf einen Hattrick verzichtete. „Dieses Detail werde ich ihm nie vergessen“, so der Brasilianer. der bei der Wahl hinter Ronaldo den dritten Platz belegte.

Hinreißendes Solo im Pokalfinale gegen Bilbao

Vier Tage nach dieser Szene erzielte Messi das Tor gegen die Bayern, kurz darauf steigerte er dessen Kunstfertigkeit noch mit einem hinreißenden Solo im Pokalfinale gegen Athletic Bilbao. So wächst in der Branche der Glaube, dass man es wirklich mit etwas Übersinnlichem zu tun hat. Thierry Henry, jetzt TV-Experte in England, lässt etwa wissen, es sei ihm unmöglich, Messis Fußball zu erklären. Frage ihn jemanden nach dem besten Mitspieler seiner Karriere, nenne er Dennis Bergkamp. „Weil Bergkamp ein Mensch ist. Bei Leo frage ich mich manchmal, ob er auch ein Mensch ist. Ernsthaft.“