Wintersport

Warum Spitzen-Biathletinnen Bayern dem Osten vorziehen

In Garmisch-Partenkirchen und Ruhpolding trainieren die Stars, während der Standort Oberhof seit einer Weile ziemlich verwaist ist.

Erfolgsduo aus dem Süden der Republik: Maren Hammerschmidt (links) trainert in Ruhpolding, Laura Dahlmeier in Garmisch-Partenkirchen

Erfolgsduo aus dem Süden der Republik: Maren Hammerschmidt (links) trainert in Ruhpolding, Laura Dahlmeier in Garmisch-Partenkirchen

Foto: Barbara Gindl / dpa

Ruhpolding.  Die Sehnsucht nach richtigem Winter ist Franziska Hildebrand deutlich anzumerken. „Hach“, seufzt die 28-Jährige nach ihrer Trainingseinheit in Ruhpolding, „irgendwann lagen hier mal zehn Zentimeter Schnee, aber die sind ziemlich rasch links und rechts von einem weggetaut.“

Am Freitag (ARD, 14.20 Uhr, 7,5-km-Sprint Frauen) startet in ihrer Wahlheimat die Ersatzveranstaltung für den abgesagten Weltcup in Oberhof, und die Aussichten für Freunde der Kälte sind weiterhin mau: Vorhergesagt sind leichter Regen und Plusgrade – doch jenseits fehlender Flocken ist Hildebrand hochzufrieden mit ihrem Umzug in die Chiemgauer Alpen.

Sieben Jahre liegt der inzwischen zurück, vorher trainierte die Skijägerin aus Köthen in Sachsen-Anhalt zweieinhalb Jahre in Oberhof. Richtig voran kam Hildebrand dort nicht, heute sagt sie klipp und klar: „In Ruhpolding lief das vom Training her schon anders ab.“

Studium und Leistungssport sind besser kombinierbar

Das ganze Tagesgeschäft sei dort „doch etwas anderes“, erzählt die Staffel-Weltmeisterin von 2015. So sei es in Oberhof „eher schwierig“ gewesen, Studium und Leistungssport miteinander zu verbinden. „Als ich nach Ruhpolding kam, war es für mich einfacher, das mit ins Training einzubauen“, erzählt sie.

Hildebrand, deren Training in Ruhpolding Rüdiger Schöllmann koordiniert, kennt also beide Bundesstützpunkte der Biathleten. Ihre bajuwarischen Teamkolleginnen Franziska Preuß, Laura Dahlmeier, Miriam Gössner und Vanessa Hinz dagegen sind qua Geburt im Süden der Republik verwurzelt: Dahlmeier und Gössner trainieren in Garmisch-Partenkirchen; Preuß und Hinz in Ruhpolding bei Hönig-Assistent Tobias Reiter, wie auch die im Dezember unerwartet erfolgreiche Winterbergerin Maren Hammerschmidt.

Reiters Elevinnen frisch angeschlossen hat sich zudem Tina Bachmann, Staffelweltmeisterin von 2011 und 2012, gebürtige Sächsin und zuletzt wegen eines Burn-outs von der Bildfläche verschwunden.

DSV forciert Kooperation zwischen Biathlon und Langlauf

Ruhpolding mit seinem Ableger Garmisch ist momentan also prall gefüllt mit Top-Skijägerinnen. Bei Frauenchef Gerald Hönig in Oberhof trimmt sich derweil nur noch Luise Kummer. Schlaflose Nächte hat Karin Orgeldinger wegen der aktuell extremen Schieflage zwischen den Leistungszentren Ruhpolding und Oberhof im Frauenbereich allerdings nicht. Die Sportdirektorin für die nordischen Disziplinen und Biathlon verweist auf die ausgeglichene Standort-Besetzung bei den männlichen Skijägern – und setzt auf die heilsame Wirkung der Zeit. „Das ist eine normale Entwicklung, solche Verschiebungen wird es immer wieder mal geben. Der DSV weiß, was Oberhof leistet“, sagt Orgeldinger.

Franziska Hildebrand ist vor allem durch ihre in den letzten Jahren verbesserte Lauftechnik zur momentan erfolgreichsten Deutschen im Gesamtweltcup geworden. „Man braucht einfach jemanden, der sich damit wirklich intensiv auseinandersetzt, der Verbesserungsvorschläge macht – und einen im täglichen Training auch immer wieder daran erinnert“, berichtet sie von ihren positiven Erfahrungen in Ruhpolding.

Der DSV hat reagiert: Es gibt in Oberhof nun eine intensive Kooperation zwischen Langlauf und Biathlon. Zudem wird auf verbesserte Möglichkeiten für Nachwuchsbiathleten am Sportgymnasium gesetzt. Orgeldinger: „Für mich ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich auch in Oberhof wieder eine größere Anzahl an Athleten herausbildet.“