Vierschanzentournee

Peter Prevc springt aus dem Schatten

Der schweigsame Slowene siegt auch in Bischofshofen und gewinnt erstmals die Vierschanzentournee.

Obenauf: Nach dem Siegsprung lässt sich Peter Prevc von seinen slowenischen Teamkameraden auf den Schultern tragen

Obenauf: Nach dem Siegsprung lässt sich Peter Prevc von seinen slowenischen Teamkameraden auf den Schultern tragen

Foto: DOMINIC EBENBICHLER / REUTERS

Bischofshofen.  Bundestrainer Werner Schuster bemühte vor dem Abschlussspringen der Vierschanzentournee einen Vergleich mit dem Fußball. „Es gab ja schon mal ein Champions-League-Finale der Bayern gegen Manchester“, wagte der Coach einen Blick ins Jahr 1999.

Damals führten die Münchner in der 90. Minute 1:0, doch in der Verlängerung gelangen den Engländern noch zwei Tore. 1:2 - statt Bayern München war Manchester United Champions-League-Sieger.

Peter Prevc hatte vor dem letzten Springen in Bischofshofen 19,7 Punkte oder elf Meter Vorsprung auf Severin Freund. Konnte dem 27-jährigen Bayer noch das Wunder gelingen?

Severin Freund wird Zweiter der Gesamtwertung

Was beim Fußball damals im Stadion Camp Nou von Barcelona an Überraschung gelungen ist, wiederholte sich in Bischofshofen beim Skispringen nicht. Ganz im Gegenteil. Prevc setzte noch einen drauf, holte hintereinander seinen dritten Tagessieg bei der Vierschanzentournee.

Mit Weiten von 139 und 142,5 Metern war er vor 20.000 begeisterten Zuschauern auf der Paul-Außerleitner-Schanze zweimal weiter gesprungen als der deutsche Hoffnungsträger Severin Freund, der auf ebenfalls starke 136 und 141 Meter kam und dadurch nicht nur Zweiter in Bischofshofen, sondern auch in der Gesamtwertung der Vierschanzentournee wurde.

„Sevi kann stolz auf diese Tournee sein, Peter war zu souverän, das muss man anerkennen“, sagte Bundestrainer Schuster. Und Freund sagte zufrieden: „Es hat sehr viel Spaß gemacht. Wenn man viermal auf dem Podest steht, hat man viel richtig gemacht.“

Prevc: „Habe im Training fünf Prozent zugelegt“

Bislang galt Peter Prevc immer als der Mann, dem der große Sprung nicht gelungen ist. Der ewige Zweite. Bei Olympischen Spielen und Weltmeisterschaften war mindestens einer besser. Und im vergangenen Winter hatte er zwar gleich viele Punkte wie Severin Freund im Weltcup gesammelt. Weil der Slowene weniger Siege erreicht hatte, erhielt sein deutscher Konkurrent erhielt die Große Kristallkugel.

Doch der 23-Jährige Slowene ist an den Niederlagen nicht zerbrochen. Ganz im Gegenteil. Er hat die entsprechenden Schlüsse für sich gezogen. „Im Sommer habe ich etwa fünf Prozent im Training zugelegt“, sagte er, „dadurch habe ich noch einmal ein anderes Level erreicht.“ Sechs Springen konnte er in dieser Saison gewinnen, darunter in Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Bischofshofen.

Begonnen hat alles im kleinen Dorf Dolenja Vas in der Nähe von Kranj. Vater Dore, der dort eine Möbelfabrik betreibt, brachte seinen Kindern das Einmaleins des Skispringens bei. Zuerst seinem Sohn Peter (23), dann dessen Brüder Cene (20) und Domen (16).

Dreimal „Sportler des Jahres“ in Slowenien

Auch Tochter Nika (10) schnallt sich die langen Sprunglatten an. Lediglich Nesthäkchen Ema (6) verweigert sich. Noch. Schließlich hat Peter einen Wunsch: „Wir würden gerne einen Mixed-Wettbewerb nur mit Prevc-Familienmitgliedern bestreiten.“

Für den Überflieger Peter Prevc ist das schon eine ungewöhnliche Ansage. Denn unter den Springern gilt er als äußerst ruhiger Zeitgenosse. „Er ist kein Mann der großen Worte“, sagt der Tournee-Dritte Michael Hayböck, „wenn man ihn anspricht, antwortet er nett, aber von sich aus sagt er nichts.“ Prevc sagt von sich selbst: „Ich bin ein sehr ruhiger Charakter.“ Dazu passt, dass der Polizist zugibt, häufig seine Handy auszuschalten, um seine Ruhe zu haben.

In seiner Heimat Slowenien kann er die immer weniger genießen. Dreimal wurde er schon zum „Sportler des Jahres“ gewählt, ist ein Star. Nach Primoz Peterka, zweimaliger Gewinner des Gesamt-Weltcups sowie der Vierschanzentournee 1996/97, ist er der zweite slowenische Weltklasse-Skispringer.

Alle vier Springen der Tournee waren ausverkauft

Gerne zieht sich der 23-Jährige, der mit Freundin Mina mittlerweile in Radovljica in der Nähe von Bled lebt, in die Berge zurück. Im Sommer zum Wandern, im Winter zum Skifahren. Ansonsten liest er viel, sitzt häufig am Computer und spielt gerne Volleyball.

Er ist sehr naturverbunden, geht gerne in die Berge, zum Bergwandern und Skifahren. Liest viele Bücher, schaut Filme, spielt gerne Volleyball.

Privat gerne ruhig, mag er an den Schanzen das Spektakel. „Ich liebe es, wenn viele Zuschauer da sind“, sagt er. Da bot die Vierschanzentournee genau die richtige Kulisse: Alle vier Springen waren ausverkauft,

Als Athlet aus dem kleinen Slowenien ist er nicht wählerisch: „Egal welche Fahnen in der Luft sind, das pusht mich.“ In Bischofshofen waren es sehr viele slowenische Fähnchen.