Fifa-Skandal

Dem "General" droht höhere Strafe als Blatter und Platini

Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke werden zahllose Verstöße gegen den Ethikkodex vorgeworfen. Für das Urteil gibt es eine Frist.

Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke wurde bereits am 17. September suspendiert

Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke wurde bereits am 17. September suspendiert

Foto: Steffen Schmidt / dpa

Zürich.  – Die Ermittlungskammer der Fifa-Ethikkommission hat gegen den bislang suspendierten Generalsekretär Jérôme Valcke eine Sperre von neun Jahren gefordert. Das teilte der Fußball-Weltverband Fifa am Dienstag mit. Das Strafmaß würde damit über dem der suspendierten Chefs von Fifa und Uefa, Joseph Blatter und Michel Platini liegen, die im Dezember von der Fifa-Ethikkommission bereits für jeweils acht Jahre gesperrt wurden.

Zugleich wurde die vorläufige Sperre, die am 5. Januar ausgelaufen wäre, um weitere 45 Tage verlängert. Bis dahin muss die rechtssprechende Kammer unter dem deutschen Vorsitzenden Hans-Joachim Eckert ein endgültiges Urteil sprechen.

Die Fifa selbst hatte Valcke bereits am 17. September 2015 suspendiert, am 8. Oktober folgte dann auch die Ethikkommission mit einer vorläufigen Sperre von 90 Tagen. Zuvor waren diverse Korruptionsvorwürfe gegen den langjährigen Fifa-Funktionär laut geworden.

Neben der Sperre von neun Jahren fordern die Ethikhüter auch eine Strafzahlung von 100.000 Schweizer Franken (zirka 92.000 Euro) für den Franzosen. Ihm werden zahlreiche Verstöße gegen den Ethikkodex vorgeworfen.

Katar versprach ihm eine Gewinnbeteiligung

Konkret soll sich Valcke beim Ticketverkauf für Endrunden von Weltmeisterschaften persönlich bereichert haben. Er hatte Zeugen zufolge zudem im Rahmen von Verhandlungen schon vor der offiziellen Vergabe erklärt, die WM 2022 sei ungeachtet aller Bedenken fest an den umstrittenen Bewerber Katar zugesagt.

Die Vorwürfe hatte die in Zürich ansässige Agentur JB Sports Marketing bei einer Präsentation kurz vor Valckes Suspendierung durch die Fifa am 17. September 2015 erhoben. Dem 55-Jährigen sei im Gegenzug eine Gewinnbeteiligung seitens Katars versprochen worden.

Die US-Justiz verdächtigt zudem Valcke, im Rahmen der Vergabe der WM 2010 zehn Millionen Dollar aus Südafrika an die von Skandalfunktionär Jack Warner kontrollierten Fußball-Verbände Concacaf und CFU weitergeleitet zu haben.

Valcke war in Blatters bestens organisiertem Machtgefüge die Nummer zwei, bis der Weltverband ihn von allen Aufgaben entband. Der Verband teilte damals mit, er habe "von einer Reihe von Vorwürfen Kenntnis erhalten, die den Generalsekretär betreffen".