Skispringen

Werner Schuster: „Ich bin mit der D-Mark groß geworden“

Dank Trainer Werner Schuster sind die Skispringer wieder top. Der Österreicher hatte schon immer einen guten Draht zu den Deutschen.

Werner Schuster gibt den deutschen Springern stets das Zeichen zum Start

Werner Schuster gibt den deutschen Springern stets das Zeichen zum Start

Foto: Daniel Karmann / dpa

Innsbruck.  Die Faust schießt schnell in den Himmel, bis der Arm ganz ausgestreckt ist. Es ist das neue Markenzeichen von Werner Schuster. Denn so häufig wie in den vergangenen zwölf Monaten konnte der Bundestrainer der deutschen Skispringer den Arm zuvor nicht ausfahren. Die himmelwärts gereckte Faust ist auch das Zeichen: Wir sind oben.

Auch wenn es in diesem Jahr mit dem Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee wohl wieder nichts wird, die deutschen Springer schneiden sehr erfreulich ab. Und das nicht nur wegen Severin Freund, der vor dem letzten Springen am Mittwoch in Bischofshofen hinter dem Slowenen Peter Prevc auf Rang zwei liegt.

Es ist die mannschaftliche Stärke, die überzeugt. Richard Freitag, Andreas Wank und Andreas Wellinger belegen die Ränge neun bis elf, Stephan Leyhe folgt auf Platz 15.

„Das letzte Jahr hat uns sehr weh getan“

Nicht nur auf dem Trainerturm zeigt Werner Schuster Selbstvertrauen, sondern auch abseits der Schanze. Dies äußert sich beim 46-Jährigen nicht in markigen Sprüchen. Das ist nicht seine Art.

Aber er lässt zum ersten Mal einen Blick in sein Innerstes zu: „Heute kann ich zugeben, dass uns letztes Jahr sehr weh getan hat.“ Mutig hatte vor allem Freund angekündigt, um den Gesamtsieg bei der Tournee 2014/15 mitspringen zu wollen.

Doch schon nach dem ersten Springen in Oberstdorf hatte darauf keiner der deutschen Springer mehr eine Chance. Ganz im Gegensatz zur jetzigen Tournee, als Freund den Auftakt gewann.

Der Olympiasieg in Sotschi 2014 war die Initialzündung

Zwar gab es immer mal wieder punktuell kleine Highlights, ansonsten hat Werner Schuster lange auf solch regelmäßige Glücksmomente warten müssen. Die Initialzündung war der Sieg im Teamwettbewerb bei den Olympischen Spielen 2014 in Sotschi. Und im vergangenen Winter der Gewinn des Gesamtweltcups durch Severin Freund.

Acht Jahre ist Schuster Bundestrainer. Es waren harte Jahre dabei. Zwei Trainer, Wolfgang Steiert und Peter Rohwein, waren nach den riesigen Erfolgen durch Martin Schmitt und Sven Hannawald unter Trainer Reinhold Hess gescheitert.

Auch weil der Blick auf die Nachwuchsarbeit verloren ging. „Ich habe damals Leute übernommen, die im Herbst ihrer Karriere waren“, sagt er. Schmitt, Michael Uhrmann oder Georg Späth. Welch Vergleich zum heutigen Team. Da stimmt auch die Mischung von alt und jung.

„Ein wenig Distanz schadet manchmal nicht“

„Jetzt haben wir eine Mannschaft, die wie der Severin am Zenit ist, andere sind noch vor ihrem Zenit. Mit denen möchte ich schon noch weiter arbeiten.“ Damit sind auch Diskussionen, der Österreicher könne künftig als Cheftrainer seines Heimatlandes arbeiten, im Keim erstickt.

Im Grunde genommen war es klar, dass Schusters Weg einmal zum Deutschen Skiverband (DSV) führen würde. Aufgewachsen ist er im Kleinwalsertal. „In der Gegend ist dir der Wiener fremd“, hat er einmal gesagt, „ich bin mit der D-Mark groß geworden.“

Zu einem Umzug nach Deutschland konnte er sich dann jedoch nicht durchringen. Er lebt jetzt in Mieming oberhalb von Telfs. Das ist kein Nachteil: „Ein wenig Distanz schadet manchmal nicht.“

Innauer: „Werner strahlt eine innere Ruhe aus“

Zu seinen Springern hat er sowieso einen engen Draht. Und die schätzen die ruhige, sachliche Art. „Er spielt uns nichts vor, denkt innerlich nicht etwas anderes als er nach außen vorgibt“, sagt Richard Freitag, „er hat die Leitung - aber auch die Lockerheit.“

Der ehemalige österreichische Sportdirektor Toni Innauer kennt Schuster schon lange: „Werner strahlt eine innere Ruhe aus, weil er für sich sehr geordnet ist, sehr nüchtern analysieren kann und die Dinge pragmatisch und sachlich darstellt.“

Schuster selbst sagt: „Das Projekt in Deutschland anzugehen war mutig, es hat sich aber rentiert.“ Vor allem, wenn noch häufig die Faust nach oben fliegt.