Volleyball

Deutsche Volleyballer schlagen auf für den Traum von Rio

Die deutschen Volleyballer wollen sich in Berlin für Rio qualifizieren – bei einem Turnier, das besser besetzt ist als Olympia.

Georg Grozer ist Star und Hoffnungsträger im deutschen Team

Georg Grozer ist Star und Hoffnungsträger im deutschen Team

Foto: nph / Kurth / picture alliance / nordphoto

Berlin.  Vital Heynen schätzt eine gute Unterhaltung. Wobei der Trainer der deutschen Volleyball-Nationalmannschaft nichts dagegen hat, auch mal selbst dafür zu sorgen. Also sparte sich der Belgier am Tag vor dem Start des Olympia-Qualifikationsturniers in der Schmeling-Halle ähnliche Kommentare wie seine sieben Kollegen. Dass es schwer sei, einen Favoriten zu benennen. Dass niemand wisse, welche drei der acht teilnehmenden Teams diese Hürde überstehen könnten. Oder so.

Heynen lässt spontan drei Lose ziehen

Heynen ließ einfach einen russischen Journalisten aus einem spontan vorbereiteten Glas drei Lose ziehen. Auf den Zetteln standen Finnland, Belgien und Serbien. Alle drei sind eher Außenseiter in Berlin, doch das focht ihn nicht an. „Das kann ein Turnier der großen Überraschungen werden“, beharrte der 46-Jährige, „der Zufall wird eine Rolle spielen. Das hab ich versucht zu erklären.“

Nicht mehr als eine Woche Vorbereitung hatten die Mannschaften. Überall herrscht entsprechend große Unsicherheit. Trotzdem ist Russland immer noch Olympiasieger, Polen Welt- und Frankreich Europameister. Die Deutschen bleiben WM-Dritter und haben den Vorteil, einen Großteil des Publikums im Rücken zu haben.

Aus Polen haben sich Tausende Fans angesagt

Jedenfalls am Dienstag gegen Belgien. Vermutlich gegen die Serben am Mittwoch (jeweils 18 Uhr). Vielleicht nicht gegen Polen am Freitag (20 Uhr). Aus dem östlichen Nachbarland haben sich Tausende Fans angesagt. Viele der bisher rund 25.000 verkauften Tickets gingen nach Polen.

In der anderen Gruppe messen sich Russland, Frankreich, Bulgarien und Finnland. Die beiden Gruppenersten erreichen das Halbfinale am Sonnabend. Der Sieger von Berlin qualifiziert sich als fünftes Team nach Gastgeber Brasilien, Argentinien, den USA und Italien direkt für die Spiele in Rio. Aber auch Rang zwei und drei sind noch sehr wichtig: Der Zweite und Dritte erhalten eine letzte Chance im Mai/Juni, wenn sie an einem weiteren Qualifikationsturnier in Japan teilnehmen dürfen.

Generation um die 30 möchte Karriere in Rio krönen

„Wir sind heiß auf den Erfolg“, sagt Heynen. Er hat eine Generation von Spielern um die 30 mit ihrem Star Georg Grozer, Marcus Böhme, Lukas Kampa oder Sebastian Schwarz, die ihre internationalen Karrieren gern mit einem Start in Rio krönen würden, um sich versammelt. Einige waren schon 2008 in Peking und 2012 in London dabei. Schmerzlich vermisst werden die verletzten Jochen Schöps und Robert Kromm.

Doch solche Probleme haben fast alle der acht Mannschaften. Die größte Sorge des Bundestrainers heißt: „Belgien!“ Man müsse in der Vorrunde zwei seiner drei Partien gewinnen, um im Rennen zu bleiben. „Verlierst du das erste Spiel und weißt, die beiden besten Gegner kommen noch, dann wird es noch schwerer.“ So werden Volleyball- zu Nervenspielen, auf die jeder lieber verzichten würde.

Selbst der Weltmeister bangt um seinen Start in Brasilien

Aber es gibt ja auch Mutmacher. „Wir haben neun Spieler dabei, die WM-Bronze gewonnen haben“, so Heynen, „die wissen, was los ist. Unsere Erfahrung müsste uns helfen.“ Außerdem haben die Deutschen schon mehr als einmal davon profitiert, Gastgeber bei derartigen Turnieren gewesen zu sein. 2008 gelang den Männern (in Düsseldorf) der Sprung nach Peking, 2012 (in Berlin) die Qualifikation für London. „Das Publikum kann durch schwierige Momente helfen“, hofft der Bundestrainer auf lautstarke Unterstützung.

Schwer genug wird es sowieso schon. Es gibt viel Kritik am Modus der Olympia-Qualifikation. Am Ende könnte es passieren, dass in Rio von zwölf Teilnehmern drei aus Südamerika kommen und ebenso viele aus Europa. Heynen findet das falsch: „Ich denke, bei Olympia müssen die besten Mannschaften dabei sein“, was jetzt nicht der Fall sein werde, denn die besten Teams spielten in Europa, „das ist schade und unfair gegenüber den Top-Profis.“ Selbst Weltmeister Polen sei in Sorge, die Olympischen Spiele zu verpassen, weil es so hart sei, sich durch die Qualifikation zu kämpfen.

Hoher Unterhaltungswert in der Schmeling-Halle

Der Bundestrainer vertritt sogar die Meinung, das Turnier in Berlin sei besser besetzt als jenes in Rio sein könne. Damit ist immerhin eines gesichert: Für gute Unterhaltung in der Schmeling-Halle ist gesorgt.