Hannover –

Frontzeck hat keine Lust mehr

Hannovers Trainer tritt wegen „der derzeitigen Stimmung“ zurück

Hannover.  Kaum war auch die fünfte Trainer-Station für Michael Frontzeck vorzeitig beendet, widmete sich der 51-Jährige den Vorbereitungen auf das Fest. „Ich bin schon wieder in der Heimat und habe gerade den Weihnachtsbaum gekauft“, berichtete der in Mönchengladbach-Odenkirchen lebende Coach erstaunlich gut gelaunt.

Frontzeck hatte am Montag beim Fußball-Bundesligisten Hannover 96 hingeworfen. Sieben Monate nach seinem Amtsantritt mit der geglückten Rettung im Abstiegskampf. Nach der schlechtesten Hinrunde seit dem Wiederaufstieg 2002 störte ihn, dass er ständig in der Kritik stand.

Frontzeck ist nach Lucien Favre (Mönchengladbach), Markus Gisdol (Hoffenheim) und Alexander Zorniger (Stuttgart) der vierte Trainer, der vorzeitig geht. Sport-Geschäftsführer Martin Bader will spätestens zum Trainingsauftakt am 4. Januar den Nachfolger präsentieren.

Zu angeblichen Kandidaten wie Thomas Schaaf oder Jos Luhukay äußerte sich Bader nicht. Der 47-Jährige wurde von Frontzecks Rücktritt offenbar kalt erwischt. „Er hat mich heute morgen angerufen und war sehr bestimmt in seiner Aussage“, berichtete Bader. „Ich bin nicht amtsmüde und immer noch davon überzeugt, dass wir den Klassenverbleib erneut geschafft hätten“, sagte Frontzeck. „Ich hatte in der derzeitigen Stimmung keine Lust, am 4. Januar wieder anzutreten und in ein erstes Testspiel gegen Hertha BSC zu gehen, das bereits als Endspiel für mich bezeichnet wird.“

Die Probleme in Hannover waren hausgemacht. In Lars Stindl war die Führungsfigur für festgeschriebene drei Millionen Euro nach Mönchengladbach gewechselt. Zudem fiel Hiroshi Kiyotake lange verletzt aus. „Unser bester Spieler“, meinte Frontzeck. Im Sommer hatte er noch weitere von Klubchef Martin Kind in Aussicht gestellte Zugänge abgelehnt. „Ich brauche Ihnen nicht zu sagen, wie schwierig es ist, auf einem abgegrasten Transfermarkt noch vernünftige Leute zu finden“, meinte Frontzeck und sprach damit einen Punkt an, den sich auch Kind als Kritik gefallen lassen muss. Fast alle Zugänge entpuppten sich als Fehleinkäufe. „Unsere Aufgabe ist jetzt, den neuen Trainer zu finden“, meinte Bader und stöhnte. „Das macht die Kaderplanung nicht einfacher.“