Sportler des Jahres

Jan Frodeno: „Meine Frau ist der Mensch des Jahres“

Der Triathlet Jan Frodeno über seine Wahl zum Sportler des Jahres, den Erfolg beim „Ironman“, privates Glück und die Pläne für 2016.

Sein größter Erfolg: Jan Frodeno gewinnt am 10. Oktober auf Hawaii den Ironman

Sein größter Erfolg: Jan Frodeno gewinnt am 10. Oktober auf Hawaii den Ironman

Foto: dpa Picture-Alliance / Thierry Deketelaere / picture alliance / ZUMAPRESS.com

Baden-Baden.  Bei der Wahl zum Sportler des Jahres begeisterte Kugelstoß-Weltmeisterin Christina Schwanitz als Siegerin mit einer schlagfertigen Dankesrede („Ich bin die einzige Frau, die sich über sieben Zentimeter freut“). Zurückhaltender, aber nicht weniger glücklich war der Sieger bei den Männern, Jan Frodeno (34).

Berliner Morgenpost: Herr Frodeno, Frankfurt, Zell am See, Hawaii, nun Baden-Baden: Nach drei Triumphen im Triathlon wurden Sie zum Sportler des Jahres gewählt. Der perfekte Abschluss 2015?

„Hawaii war dann das Größte“

Jan Frodeno: Es ist eine große Ehre, eine schöne Trophäe – in 20, 30 Jahren erzähle ich meinen Enkeln wahrscheinlich davon. Dazu kommt: Es war ein toller Abend unter Sportkollegen und Freunden. Ich hatte das Glück, dass meine Eltern dabei sein konnten, darüber freue ich mich am meisten.

Was hat Ihr Sportjahr 2015 so besonders gemacht?

Es war ein Meisterschaftsjahr, von dem ich schon lange geträumt habe. Jedes Rennen hatte einen komplett anderen Reiz. Frankfurt war mein erster Ironman-Sieg, da ist mir ein Stein vom Herzen gefallen, dazu kam der Gesamtstreckenrekord, der mich sehr überrascht hat. In Zell am See habe ich meinen ersten Weltmeister-Titel gewonnen.

So oft, wie ich daran schon gescheitert bin, war ich mir nicht sicher, ob ich das jemals in meinem Leben erreichen könnte. Hawaii war dann das Größte, der Wettkampf hat aber auch am längsten gedauert. Das heißt, die Emotion war und ist am längsten gestreckt, das hält bis heute an. Gerade weil nach den anderen Siegen immer schon wieder der Gedanke an das große Projekt Hawaii im Kopf war, ich wusste: Ab morgen ist wieder Training. Hawaii aber steht über allem. Ich brauche wohl noch ein bisschen, bis das alles sackt.

Welcher Moment aus Hawaii ist Ihnen noch am meisten präsent?

Die pure Freude bezieht sich auf die Zielgerade, weil ich mir so lange untersagt habe, mich auf diesen Moment vorzubereiten. Das sportlich-mental Schönste war meine Verfassung am „Natural Energy Lab“, einem Wendepunkt beim Marathon. Alle denken an diesem Punkt: Oh, oh, jetzt ist es bald so weit, jetzt wird es krass. Ich habe diesen Moment erwartet und mich lange darauf vorbereitet. Und dann konnte ich wie geplant in diesem Moment den Turbo zünden – das passiert sonst nicht beim Ironman. Das war so unvorhersehbar, dass ich im Rennen Gänsehaut bekam.

Welcher Moment – vielleicht auch abseits des Sports - war denn für den Sportler des Jahres der schönste des Jahres?

Als ich erfuhr, dass ich Papa werde. Das war im Juni. Ich hatte gerade eine harte Trainingseinheit bei uns zu Hause im spanischen Girona hinter mir und lag auf der Massagebank. Meine Frau Emma kam ins Zimmer, sagte es und mir schoss es sofort nass in die Augen. Das war unerwartet und daher so überwältigend. Das Kind kommt im Februar. Wir freuen uns riesig.

Ihr Mensch des Jahres?

Natürlich meine Frau, mit ihr gehe ich durch dick und dünn. Sie hat ein Dauerabo auf diesen Titel.

Und eine öffentliche Person?

Viele Menschen haben Besonderes geleistet. Tilo Jung, ein Journalist aus Berlin, Chefredakteur von „Jung & Naiv“ sowie Publizist bei „Krautreporter“. Jung hat mir wirklich imponiert, mir viel Spaß bereitet, weil er mir eine neue Themenwelt eröffnet hat, die mir zuvor verschlossen war: die Welt der Politik und des anderen Fragenstellens eröffnet. Gerade in diesem Jahr, in dem in Deutschland auf verschiedensten Themengebieten so vieles passiert ist, fand ich es toll, dass jemand einen Schritt zurückgeht und fragt: warum?

Ihr Ereignis des Jahres, abgesehen von den sportlichen Triumphen und der Schwangerschaft Ihrer Frau?

Der plötzliche Tod von Laurent Vidal im November - das hat mich sehr getroffen und bewegt. Er war ein langjähriger Wegbegleiter, ein Sprecher der Triathleten. Ich habe viele Rennen mit ihm bestritten und viel erlebt, er war in meinem Alter. Das war sicherlich der traurigste Moment.

Ihr Sportereignis des Jahres, bei dem Sie richtig mitgefiebert haben?

Die Rugby-WM mit dem Titelgewinn der Neuseeländer, das war richtig großes Kino. Das hat mich richtig gefreut.

Sie leben in Australien. Zu wem haben Sie gehalten?

Da ich in Südafrika aufgewachsen bin, erst zu den Südafrikanern. Als sie bei der WM ausgeschieden waren, zu Neuseeland. Erstaunlich, dass diese so kleine Nation mit ihren vier Millionen Einwohnern so viele Talente herausbringt. Eine heilige Sportart wie Fußball in Deutschland, aber hier leben 82 Millionen Menschen.

„Olympia ist für mich keine Option“

Was war für Sie die Entdeckung des Jahres? Der größte Fortschritt?

Um was ganz Banales zu nennen: Was mich 2015 wirklich weitergebracht hat, war eine Studie. Diese belegt, dass Kaffee zu 98 Prozent aus Wasser besteht und man ihn doch zu hohen Mengen konsumieren kann und das also völlig okay ist (lacht).

Weiter durch den Parcours: Ihr Buch des Jahres?

Das „Wirkkochbuch“, geschrieben von drei Wissenschaftlern und Physiotherapeuten, hat mich sehr beeindruckt. Ich habe es vielen Leuten weiterempfohlen. Darin wird erklärt, wie man seine Ernährung verbessern kann und wie man dadurch sein Leben verbessern kann, um Krankheitsbilder zu vermeiden.

Wie feiern Sie nun Weihnachten?

Tropisch. Mit meiner Frau in Noosa in Australien. Wir essen Garnelen und Mangos. Also etwas andere Weihnachten.

Kein Rückblick ohne Ausblick: Wie lauten Ihre Ziele für 2016?

Olympia ist für mich keine Option, auf dieser Distanz kann ich vorne nicht mehr mitmischen. Die Motivation ist sehr, sehr hoch. Ich freue mich wieder aufs Training. Ziele könnten der Weltrekord oder die Acht-Stunden-Marke auf Hawaii sein, diese magische Grenze ist noch nicht geknackt worden. Das würde mich sehr reizen.