Bayern München

Pep Guardiolas Abschiedstour beginnt mit einem Sieg

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Patrick Strasser
Noch hat Trainer Pep Guardiola (r.) das Sagen bei Bayern München. Torschütze

Noch hat Trainer Pep Guardiola (r.) das Sagen bei Bayern München. Torschütze

Foto: FABIAN BIMMER / REUTERS

Bayern gewinnt 1:0 bei Hannover, aber das war am Tag, als alle auf Pep Guardiola schauten, unwichtig.

Hannover.  Alle Augen auf Pep Guardiola. Natürlich war das Spiel am Sonnabend bei Hannover 96 noch nicht die letzte Partie des Bayern-Trainers, aber das letzte Match vor der Bekanntgabe seines Abschieds zum Saisonende.

Die Fotografen und Kamera-Teams umringten den Spanier vor Anpfiff. Es folgte ein Abgang auf Raten. Das letzte Hinrundenspiel, das letzte Mal in Hannover. So wird das weitergehen ab Januar auf Peps Farewell-Tour durchs Land.

Die Abschiedstournee soll bestenfalls mit einem letzten Crescendo in Mailand enden, dem Champions-League-Finale am 28. Mai. „Rummenigge weiß alles“, hatte Guardiola am Freitag gesagt und gelacht. Mit anderen Worten: Der Vorstandsboss ist informiert, am Sonntag oder Montag erfährt die Öffentlichkeit von Guardiolas Plänen. Eine Pressekonferenz wird es nicht mehr geben, lediglich eine Pressemitteilung.

„Wir sprechen jeden Tag, wenn wir uns sehen“

In Hannover kam die Frage aller Fragen nach dem 1:0 (1:0) auf der Pressekonferenz: Werden Sie heute mit Karl-Heinz Rummenigge über ihre Zukunft sprechen? Antwort Guardiola, kühl, aber verschmitzt lächelnd: „Wir haben gesagt am Tag nach dem Hannover-Spiel.“

Und warum nicht heute? Pep noch schelmischer grinsend: „Wir sprechen jeden Tag, wenn wir uns sehen, auch jetzt dann im Bus, am Flughafen.“ Zwischen sprechen und verhandeln ist ja auch ein großer Unterschied. Die Entscheidung ist längst gefallen. Im Mai heißt es: Adios, Pep!

Sonnabend war Bundesliga-Alltag. Und die Bayern siegten souverän, aber glanzlos durch ein Tor von Thomas Müller per Handelfmeter (40.). Mit dem 14. Saisontreffer stellte Müller schon im 17. Spiel einen persönlichen Rekord auf. Ein perfekter Hinrunden-Abschluss nicht nur für ihn.

Zur Herbstmeisterschaft kam nun auch ein neuer Bundesliga-Rekord von 15 Siegen in 17 Partien hinzu. Mit acht Punkten ist „unser Vorsprung auf Dortmund nun komfortabel“, sagte Manuel Neuer, „wir sind überall, in allen Wettbewerben, vorne dabei.“

Elfer-Torschütze Müller war happy: „Es ist ein schöner Jahresausklang, wir haben einen wichtigen Sieg geholt. Wir wussten, dass es hier nicht leicht wird. Jeder hat sich reingehauen, das ist schön zu sehen. Das Dortmund-Ergebnis ist natürlich noch das Sahnehäubchen obendrauf.“

Frontzecks Job in Gefahr

Die Vorzeichen der Partie waren paradox: Denn laut den Ergebnissen, der letzten beiden Wochenenden spielte Bayern gegen die mit Abstand beste Mannschaft der Republik. Nach dem 2:0 gegen Ingolstadt hatte Pep Guardiola davon gesprochen, dass der Aufsteiger „die beste Mannschaft“ sei, „gegen die wir in dieser Saison gespielt haben“.

Und die wiederum wurden vor 14 Tagen von Hannover mit 4:0 abgeschossen. Dennoch ist der Job von Trainer Michael Frontzeck nach nur 14 Punkten in der Hinrunde in Gefahr – möglich, dass sich da in der Winterpause etwas tut.

Acht Mann fehlten den Bayern in Hannover: eine veritable Viererkette mit Philipp Lahm, David Alaba, Medhi Benatia und Juan Bernat und in der Offensive ein Weltklasse-Quartett mit Mario Götze, Franck Ribéry, Arjen Robben und Douglas Costa. Thiago kehrte erstmals seit Anfang Oktober in die Startaufstellung zurück, dafür musste Joshua Kimmich auf die Bank.

Der U21-Nationalspieler hatte dort viel Platz. Neben ihm saßen nur noch drei weitere Profis: Sebastian Rode, Jan Kirchhoff und Torhüter Sven Ulreich. Selten passte das Bild vom letzten Aufgebot dermaßen gut: Lediglich 15 Mann hatte Guardiola im Kader. Rekordverdächtig wenig.

Zwei Wochen Regeneration

Also hieß es: noch einmal aufraffen, noch einmal zusammenreißen vor Beginn des Weihnachtsurlaubs. Oder wie Müller es formulierte: „Für uns war es das letzte Aufbäumen. Aber so lange 13, 14 Spieler dabei sind, die alles geben...“ Die Bayern dominierten die Partie, doch man spürte, dass der Motor zäh läuft, nur noch wenige Spritzer im Tank sind.

Kein Hurra-Fußball mit Kantersiegen und vier, fünf Toren wie so oft im Herbst. Dagegen ein weiterer Arbeitssieg, der natürlich höher hätte ausfallen können, wenn Thiago seinen Volley-Versuch verwandelt hätte (5.) und Robert Lewandowski nicht Pech mit einem Linksschuss an den Pfosten gehabt hätte (30.). In der zweiten Halbzeit rannten die Bayern weiter an, aber nicht mit der nötigen Konsequenz und Vehemenz. Hannover war zu schwach, um Bayern zu gefährden. Letztlich spielte man es souverän herunter.

Bis zum Auftakt-Training der Rückrundenvorbereitung am 4. Januar können sich die Profis nun zwei Wochen regenerieren. „Das tut jedem gut, fühlt sich immer gut an, wenn man mal durchatmen kann“, meinte Immerspieler Müller, „ich brauche den Urlaub.“