Frederikshavn –

Positives Fazit trotz frühem Aus bei den Handball-Frauen

Nationalteam zeigt sich bei der WM als Einheit mit Potenzial

Frederikshavn.  Der Olympia-Traum ist geplatzt, eine zweistellige Platzierung im Abschlussklassement beschreibt eine klaffende Lücke zur absoluten Weltspitze. Nüchtern betrachtet liest sich die Bilanz der deutschen Handballerinnen bei der WM in Dänemark verheerend. Nach dem bitteren Achtelfinal-Aus gegen Norwegen bemühten sich die Frauen aber dennoch um ein positives Gesamtfazit – aus gutem Grund.

„Natürlich haben wir uns die Chance genommen, uns ein bisschen in den Vordergrund zu spielen“, sagte Torjägerin Susann Müller: „Aber das, was wir uns als Mannschaft erarbeitet haben, ist viel zu wichtig, um es jetzt kaputt zu reden.“ Torfrau Katja Kramarczyk betonte: „Wir sind eine neuformierte Mannschaft und haben im Turnier gezeigt, was in Zukunft möglich ist. Mit ein bisschen Abstand fällt das Urteil positiv aus.“

Ähnlich sah es DHB-Vizepräsident Bob Hanning: „Wir sind mit dem Umbruch zufrieden. Im Nachgang wird jetzt mit den Verantwortlichen an der Feinjustierung gearbeitet.“ Selbst aus der häufig kritischen Liga kamen milde Töne. „Sicherlich hätten wir uns ein besseres Abschneiden gewünscht. Aber ich glaube schon, dass wir gute Ansätze gesehen haben“, sagte Berndt Dugall, Vorsitzender der Frauen-Bundesliga.

Nur dank einer Wildcard war das junge Team von Bundestrainer Jakob Vestergaard überhaupt in Dänemark dabei gewesen. Nach einem desaströsen Auftaktmatch gegen Frankreich steigerte sich die Auswahl und setzte mit einer grandiosen zweiten Hälfte im vorletzten Gruppenspiel gegen Südkorea ein echtes Ausrufezeichen.

Dass man letztlich im ersten K.o.-Duell an Olympiasieger und Europameister Norwegen scheiterte, war bei aller Enttäuschung keine Schande. Und doch zeigte speziell die 22:28-Pleite gegen das alles überragende Team der vergangenen Dekade, was der deutschen Mannschaft zurzeit noch fehlt. Während sich Norwegen in kritischen Situationen stets auf seine Stars verlassen konnte, fehlt dem deutschen Team zumindest abseits der Torhüterposition eine echte Weltklasse-Spielerin mit Führungsqualitäten. Allen internen Kritikern zum Trotz, die im Vorfeld der WM von einem angeblich verdorbenen Mannschaftsklima berichtet hatten, präsentierte sich die DHB-Auswahl beim Turnier in Skandinavien als verschworene Einheit mit Potenzial, um bei der Heim-WM 2017 gut abzuschneiden.