Golf

Sir Nick Faldo: „Jetzt heißt es, nach vorne zu blicken“

Auch der Golf-Star ist enttäuscht, dass Italien den Zuschlag für den Ryder Cup 2022 erhält. Über die Gründe kann man nur spekulieren.

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Berlin.  Wahrscheinlich war alles nur eine Frage der Aussicht. Zu gut war sie für Bad Saarow, zu groß die Freude, nach dem Olympia-Frust mit Hamburg wenigstens mit dem Ryder Cup 2022 ein Sportereignis von Welt nach Deutschland zu holen.

Noch am Wochenende hatte die „Süddeutsche Zeitung“ das „A-Rosa Resort Scharmützelsee“ als eindeutigen Favoriten für die dann doch sehr kurzfristig bevorstehende Entscheidung des Veranstalters Ryder Cup Europe geoutet. Und dann das.

Der Ryder Cup 2022 wird nicht in Bad Saarow, sondern in Rom ausgespielt. Der Veranstalter kürte überraschend Italiens Hauptstadt zum Ausrichter der 44. Auflage des prestigeträchtigen Kontinentalvergleichs der besten Golfer aus Europa und den USA.

Faldo: „Wäre Würdigung an deutsche Golfer gewesen“

Nach dem Olympia-Aus für Hamburg ein weiterer Nackenschlag für Deutschlands Spitzensport. Die Schar der Enttäuschten war entsprechend groß: Sir Nick Faldo, auf dessen Kurs der Ryder Cup im „A-Rosa Resort Scharmützselsee“ stattgefunden hätte, sagte: „Herzlichen Glückwunsch an Italien. Wir hätten uns sehr gefreut, wenn der Ryder Cup 2022 in Berlin stattgefunden hätte. Ein Ryder Cup in Deutschland wäre auch eine Würdigung an die deutschen Golfer gewesen, die viel für das europäische Team geleistet haben. Jetzt heißt es, nach vorne zu blicken.“

Horst Rahe, als Geschäftsführender Gesellschafter Deutsche Seereederei Pächter der A-Rosa Resorts, war enttäuscht, „auch weil es nun auf lange Sicht kein internationales Sportereignis mit vergleichbarer Strahlkraft in Deutschland geben wird“.

Der Präsident des Deutschen Golf Verbandes (DGV) Claus M. Kobold ist sich sicher, „dass es keine Entscheidung gegen Deutschland gewesen sein kann. Die Ryder Cup Europe LLP verspricht sich offensichtlich mehr von einem Ryder Cup in Rom.“

Bewerbungschef: „Im Januar gehen wir in die Analyse“

Die Absage für den Kurort am Scharmützelsee rund 70 Kilometer südöstlich von Berlin kam in der Tat überraschend. Lange galt die deutsche Bewerbung als Favorit. „Wir sind natürlich enttäuscht. Wir haben eine stimmige und gute Bewerbung abgegeben“, sagte Marco Kaussler, Leiter der deutschen Ryder-Cup-Bewerbung, der Berliner Morgenpost.

„Wir haben am Morgen nur durch einen kurzen Anruf erfahren, dass wir es nicht sind, ohne zu erfahren, wer denn eigentlich gewonnen hat. Wir werden erst im Januar Feedback haben, warum wir es nicht geworden sind. Dann müssen wir in die Analyse gehen.“

Über die Zusage für Rom darf bisher nur spekuliert werden. Sicherlich hilfreich war dabei, dass sich die Italiener verpflichtet haben, das Preisgeld ihrer Italian Open deutlich zu erhöhen: um das Doppelte auf drei Milionen Euro 2016 bis zu sieben Millionen Euro 2017, wie die „Golf Post“ berichtet.

Chef European Tour: „Kühne und ehrgeizige italienische Bewerbung“

Bestrebungen, die Keith Pelley, den neuen Chef der European Tour und starken Mann von Ryder Cup Europe, bei seinem Ehrgeiz helfen könnten, die weniger bedeutende europäische Golf-Tour zu einem ernsthaften Konkurrenten der lukrativen PGA-Tour aufzubauen.

Entsprechend enthusiastisch zeigte sich Pelley: „Keine Frage, dass die Ewige Stadt Rom eine wundervolle Kulisse für eines der größten Golf-Ereignisse bieten wird“, sagte er und lobte die „kühne und ehrgeizige“ italienische Bewerbung.

Austragungsort 2022 wird der Marco Simone Golf und Country Club vor den Toren der italienischen Hauptstadt sein. Ein Platz, von dem aus man von mehreren Stellen angeblich den Petersdom sehen kann. Diese Aussicht konnte Bad Saarow in der Tat nicht bieten.