Berlin –

Plötzlich Matchwinner

Union-Stürmer Wood und Torwart Haas werden oft kritisch beäugt. Nun sicherten sie einen gelungenen Rückrunden-Start

Berlin.  Den freien Sonntag gibt es beim 1. FC Union schon länger. Trainer Sascha Lewandowski lässt im Sinne einer besseren Regeneration bereits am Abend nach einem Sonnabendspiel trainieren. Die drei Punkte, die der Berliner Fußball-Zweitligist zum dritten Advent aus Düsseldorf (3:0) mitgebracht hat, werden die Freizeit ein wenig versüßen. Zumindest für den Moment.

Es ist Lewandowski, der jedes große Durchatmen vor der letzten Aufgabe des Jahres am Freitag gegen den SV Sandhausen (18.30 Uhr, Alte Försterei) unterbinden will „Ich denke, dass dieses Erfolgserlebnis, das sich die Mannschaft lange verdient hat, gut tun wird auf dem Weg, weitere Entwicklungen zu schaffen.“ Entwicklungen, die bitte nötig sind im Kampf um den Klassenerhalt angesichts der „eklatanten Fehler in der Defensive“ und der „Schwächen in Sachen defensiver Zweikampfführung“.

Im Mittelpunkt des gelungenen Rückrundenstarts standen zwei Profis, die mehr gemeinsam haben, als man zunächst vermuten möchte. Schließlich ist der zweifache Torschütze Bobby Wood Stürmer, während Daniel Haas zwischen den Pfosten steht. Doch beide wirken eher introvertiert und werden stets eher misstrauisch begutachtet, wenn es darum geht, wer den Köpenickern mal ein Spiel gewinnen kann. In Düsseldorf haben sowohl Wood als auch Haas den Bann gebrochen.

Wenn der Trainer also die Effektivität seiner Mannschaft im Rheinland lobt, meint er nicht zuletzt den Stürmer des US-Nationalteams. Trotz seiner Entwicklung im ersten halben Union-Jahr und der bis Düsseldorf fünf Treffer waren es vor allem die negativen Momente, die man zumeist mit Wood in Verbindung brachte. Vergebene Großchancen wie in der ersten DFB-Pokalrunde, als er bei Viktoria Köln (1:2) das 2:0 verpasste; es wäre wohl das Weiterkommen gewesen. Oder Abspiele, die er auf den besser postierten Mitspieler verpasste, wie gegen Paderborn (0:2). Wenn er dann doch trifft, wird dies meist als Normalität hingenommen. Wood ist Stürmer, da ist es seine Aufgabe zu treffen. Dass der 23-Jährige – was die Ausbeute anbelangt – seine beste Saison spielt, wird dabei gern übersehen. Sieben Treffer hat Wood nun erzielt, einen mehr als in seinen viereinhalb Profijahren zuvor zusammen.

Lewandowski hält – wie vor ihm Ex-Coach Norbert Düwel, der ihn von 1860 München zu Union geholt hatte – große Stücke auf den gebürtigen Hawaiianer. „Er weiß gar nicht, wie viel Kraft in ihm steckt“, sagt Lewandowski stets. Woods Startelf-Einsatz steht selbst nach anstrengenden Länderspielreisen mit dem US-Team nie zur Debatte.

Seine eher zurückhaltende Art begründet er mit dem frühen Auszug in die große, weite (Fußball-)Welt. Mit 14 Jahren kam er allein aus Kalifornien nach München. „Ich musste oft mein eigenes Ding machen“, lässt er wissen. Wohl auch daher kommt jene Eigensinnigkeit, die ein Stürmer auch braucht, selbst wenn sie ihm gern mal im Wege steht. Beim Sieg in Düsseldorf stellte er trotz seines Doppelpacks jedenfalls jemand anderen in den Vordergrund. „Haas hat uns gerettet“, sagte Wood.

Der so Gelobte gab das Dankeschön prompt zurück: „Wir hatten heute 18 Matchwinner“, sagte Daniel Haas. Doch nur dank seiner Glanztaten beim gehaltenen Elfmeter des Düsseldorfers Lukas Schmitz und wenige Sekunden später beim Kopfball von Joel Pohjanpalo gelang es Union, „dass wir danach die Drangphase überstanden haben. Ich muss mich bei Daniel bedanken“, sagte Elfmeter-Verursacher Toni Leistner.

Haas hat mit Wood gemeinsam, dass die durchaus guten Leistungen wegen der zahlreichen Gegentreffer (30), deren Ursprung zumeist im Fehlverhalten seiner Vorderleute zu suchen ist, oft in den Hintergrund rückt. „Daniel hat es zweimal super gemacht. Auch das war etwas, was uns in der Anfangsphase, nachdem ich Union übernommen hatte, immer wieder gefehlt hat: Dass die Torhüterleistung auch mal so ist, dass du einen schwierigen Ball hältst und die Mannschaft weiter im Spiel bleibt“, sagte Trainer Lewandowski.

Wood und Haas – zwei Union-Profis, die plötzlich zu Matchwinnern avancierten. In Köpenick hätte niemand etwas dagegen, wenn sich dies am Freitag gegen Sandhausen wiederholen würde