Premier League

China will auch im Fußball eine Großmacht werden

Eine Investorengruppe erwirbt 13 Prozent der Anteile von Manchester City. China gilt als Sportmarkt der Zukunft

74 Millionen gab Manchester City für Kevin De Bruyne aus. Und hat nun einiges vor

74 Millionen gab Manchester City für Kevin De Bruyne aus. Und hat nun einiges vor

Foto: Marius Becker / dpa

Peking.  China ist der größte Fußballmarkt der Zukunft – hat aber selbst miserable Kicker. Das soll sich ändern, fordert Staats- und Parteichef Xi Jinping, selbst ein großer Fußballfan. Er hat drei Träume: „Sich wieder für eine Weltmeisterschaft zu qualifizieren, eine Weltmeisterschaft auszutragen und den Weltmeistertitel zu holen.“

Im Gegenzug für ihre Hilfe beim Aufstieg Chinas in den Fußballhimmel bieten milliardenschwere chinesische Kapitalgeber nun ausländischen Vereinen lukrativen Zugang zum wachsenden heimischen Markt und mischen gleichzeitig immer stärker im Sportgeschäft mit.

Fußball als Teil eines globalen Investments

Nicht zufällig besuchte Xi Jinping im Oktober bei einem Staatsbesuch in Großbritannien den Topklub Manchester City. Diese Woche stieg eine Investorengruppe mit China Media Capital (CMC) an der Spitze und dem Staatsfonds CITIC Capital im Schlepptau mit 377 Millionen Euro bei der City Football Group (CFG) ein – und übernahm gut 13 Prozent der Anteile. Der CFG gehören nicht nur Manchester City, sondern auch New York City FC und Melbourne City FC sowie in Teilen der japanische Verein Yokohama F. Marinos.

Im Gegenzug hofft die CFG um Scheich Mansour bin Zayed aus Abu Dhabi auf das große Geschäft in China. „CFG will in den chinesischen Markt, was Teil ihres globalen Investmentplans ist“, sagt der Sportexperte Yan ­Qiang. „Gleichzeitig bietet das Geschäft neue Entwicklungsmöglichkeiten für den chinesischen Fußball. Es ist ein ­Austausch von Ressourcen.“

74 Millionen für Kevin De Bruyne

Das geschäftliche Potenzial ist enorm. „Gemessen am Volumen, Ausmaß und Wachstumspotenzial ist China der größte Fußballmarkt der Welt“, sagt Yan Qiang. Chinas Sportindustrie insgesamt wird heute auf 22 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll nach den Plänen der Regierung bis 2025 auf mehr als 700 Milliarden Euro wachsen – damit wäre China der größte Sportmarkt weltweit. Der Fußballmarkt soll 40 Prozent davon ausmachen.

Insofern relativieren sich XXL-Ablösesummen wie jene 74 Millionen, die Manchester City dem VfL Wolfsburg für die Dienste von Kevin De Bruyne überwies. „Der Fußball in ­China steckt in einer faszinierenden und entscheidenden Entwicklungsphase“, sagt auch der CMC-Vorsitzende Li Ruigang. Er wird künftig im CFG-Vorstand sitzen und spricht von „einmaligen Wachstumschancen“.

Eine Milliarde für Sportrechte-Vermarkter Infront

Neben CMC mischen immer mehr chinesische Investoren in der globalen Sportwelt mit. Im August kaufte der Immobilienentwickler Dalian Wanda für 650 Millionen US-Dollar die Marke „Ironman“ und die World Triathlon Corporation. Im Januar stieg der Konzern für 45 Millionen Euro mit 20 Prozent beim spanischen Fußballklub ­Atlético Madrid ein. Im Februar kaufte Dalian Wanda für eine Milliarde Euro den Sportvermarkter Infront (Schweiz).

Der chinesische Fußball hat jedoch noch einen langen Weg bis zur Weltspitze vor sich. In der Fifa-Weltrangliste steht China auf Platz 84 - hinter Libyen, ­Antigua und Venezuela.