Zürich –

Neue Verhaftungen, dann beschließt die Fifa viele Reformen

Weltverband begrenzt Amtszeit und legt künftig Gehälter offen

Zürich. Kurz vor der mit Spannung erwarteten Sitzung des Exekutivkomitees des Fußball-Weltverbandes Fifa ist am Donnerstag das Baur au Lac, das Hotel der Funktionäre in Zürich, erneut zum Schauplatz einer Polizeiaktion geworden – wie schon im Mai, als zwei Tage vor dem Wahlkongress gleich sieben Fifa-Männer abgeführt wurden. Dieses Mal wurden die Fifa-Vizepräsidenten Juan Angel Napout aus Paraguay und Alfredo Hawit Banegas aus Honduras von den Schweizer Behörden in Auslieferungshaft genommen. Sie werden von der US-Justiz der Korruption verdächtigt. Beide übernahmen erst vor Kurzem diese Posten – ihre Vorgänger Eugenio Figueredo aus Uruguay und Jeffrey Webb waren im Mai unter den Festgenommenen. Grund der Ermittlungen sind illegale Deals bei der Vergabe von TV- und Marketingrechten für mehrere Wettbewerbe in ganz Amerika.

Die US-Justiz ermittelt zudem gegen 14 weitere Funktionäre des Weltverbandes und hat Anklage gegen sie erhoben. „Jedem dieser Beschuldigten werden kriminelle Verschwörung und andere Verbrechen im Zusammenhang mit dem langjährigen Missbrauch ihrer Positionen zur finanziellen Bereicherung vorgeworfen“, sagte US-Justizministerin Loretta Lynch am Donnerstagabend bei einer Pressekonferenz in Washington. Der Chef der US-Steuerbehörde IRS, Richard Weber, sprach von einem „weiteren guten Tag für Fußballfans auf der ganzen Welt“. Unter den neuen Beschuldigten sind das ehemalige Exekutivmitglied des Weltverbandes, Ricardo Teixeira, der frühere brasilianische Verbandspräsident Marco Polo del Nero und das ehemalige Fifa-Exekutivmitglied Rafael Salguero aus Guatemala.

In Zürich begann trotzdem wie geplant die Exekutivsitzung, mit dem als DFB-Präsident zurückgetretenen Wolfgang Niersbach übrigens. Und es wurde ein Reformpaket beschlossen. „Wir haben einen großen Schritt unternommen“, sagte Fifa-Interimspräsident Issa Hayatou: „Die Vorschläge zeigen den Weg zu einer Veränderung, die so radikal ist wie nötig.“ Alle Entscheider einschließlich Fifa-Präsident dürfen demnach nur noch maximal zwölf Jahre im Amt bleiben, bei Offenlegung ihrer Gehälter. Zudem wird ein Council mit 36 Mitgliedern eingerichtet und eine Frauen-Quote vorgeschrieben. International anerkannte Menschenrechte sollen in die Statuten aufgenommen werden. Das Paket sei „ein Meilenstein“, sagte Francois Carrard, der Vorsitzende der Reformkommission, und sprach von „fundamentalen Veränderungen“.

Die Uefa erhält ein Viertelder 36 Sitze im neuen Council

Zustimmen muss den Reformen allerdings noch der Fifa-Kongress aller 209 Nationalverbände am 26. Februar 2016. Innerhalb von 60 Tagen soll dann die Struktur grundlegend geändert werden.

Das Exekutivkomitee würde in diesem Fall zum Council – eine Art Aufsichtsrat für strategisch-politische Entscheidungen. Die täglichen Geschäfte im Management führt ein zweites Gremium, das Generalsekretariat. Überwacht wird beides vom Audit- und Complience-Komitee. Um Skandalen künftig vorzubeugen, sollen alle Mitglieder der Komitees Integritäts-Checks durchlaufen. Die 36 Council-Mitglieder werden aber weiter von den Konföderationen entsandt, dort sollen sie während der jeweiligen Kongresse direkt von den Nationalverbänden bestellt werden. Die Europäische Fußball-Union (Uefa) erhält einen Sitz mehr, zwingend vorgeschrieben werden soll eine Frau pro Kontinentalverband. Aus den derzeit 26 ständigen Komitees sollen nur noch neun bleiben. „Ich fordere alle Kandidaten auf, im Geiste dieser Reformen zu handeln und klar anzugeben, was ihre Pläne sind“, sagte Hayatou in Hinblick auf die Präsidentenwahl am 26. Februar.

Die angedachte Aufstockung der WM-Turniere auf 40 Teilnehmer ab 2026, die das Exko beschließen hätte können, wurde verschoben. „Das Thema wurde zur weiteren Prüfung an die Administration gegeben“, so Niersbach.