Oberliga

Andere Länder, anderes Eishockey

Hollands Meister spielt nun in der deutschen Oberliga. Am Sonntag sind die starken Niederländer zu Gast beim ECC Preussen – und Favorit.

Ian Meierdres von den Tilburg Trappers

Ian Meierdres von den Tilburg Trappers

Foto: imago sportfotodienst

Berlin.  Man stelle sich vor, Bayern München würde des Siegens eines Tages überdrüssig werden und sich eine neue Aufgabe suchen. Anstatt regelmäßig die deutsche Meisterschaft zu gewinnen, würde der Klub künftig in der spanischen Liga antreten, wo der Erfolg längst nicht garantiert ist. Undenkbar? Nicht im Eishockey. Die Tilburg Trappers spielten bis vor Kurzem noch in der niederländischen Ehrendivision, wo sie klar die Nummer eins waren.

Seit 2011 holte der Verein vier Mal den Meistertitel, zuletzt sogar zweimal das Double, die meisten Partien endeten mit Kantersiegen. Seit dieser Saison geht Tilburg nun in Deutschland in der drittklassigen Oberliga Nord an den Start. „Wir haben eine neue Herausforderung gesucht“, sagt Manager Gerard Arink. Am Sonntag (15 Uhr, Eissporthalle Charlottenburg) gastiert er mit seiner Mannschaft beim ECC Preussen.

Erinnerungen an 1973

Als die Trappers zuletzt in der Stadt zu Besuch waren, im Oktober 1973, flogen die Fäuste. Im Eröffnungsspiel der alten Eissporthalle an der Jafféstraße, die mittlerweile längst abgerissen ist, empfing der Berliner Schlittschuhclub die Niederländer, deren Präsident die Halle mit seiner Firma erbaut hatte. Der BSC siegte mit 6:1, doch das Spiel wurde überschattet von 296 Strafminuten, so vielen wie in keiner anderen Partie in der Trappers-Historie. „Und das ist in einem Freundschaftsspiel!“, meint Arink erstaunt.

Dass der nächste Gegner des ECC Preussen von besonderem Kaliber ist, zeigt sich schon daran, dass Tilburg dank eines Sponsors mit dem Flugzeug anreist – ein Novum in der Oberliga. Überhaupt sind die Trappers eine Bereicherung. Nach der Hälfte der Spieltage steht die Mannschaft von Trainer Bohuslav Subr hinter Duisburg auf Platz zwei der Tabelle, wenngleich ein Aufstieg in die DEL 2 in dieser Saison laut Statut noch nicht möglich ist.

„In drei Jahren wollen wir aber aufsteigen“, sagt Gerard Arink. Der Wechsel nach Deutschland hat sich gelohnt, das zeigen auch die Zuschauerzahlen: Durchschnittlich 1912 Besucher kommen zu den Heimspielen – mehr als bei den Preussen in den bisherigen sieben Heimspielen zusammen. In die Charlottenburger Eissporthalle verirren sich im Schnitt nur 242 Zuschauer.

ECC Preussen fehlt es an Besuchern

„Unsere Kalkulation basiert auf 500 Besuchern“, sagt ECC-Vizepräsident Thomas Leonhardt, von daher müsse man den Gürtel momentan enger schnallen. „Wir können uns keine großen Sprünge leisten“, so Leonhardt. Derzeit bemüht sich der Klub mit Radiospots um Aufmerksamkeit. Unterhaltung ist bei Preussen-Spielen garantiert, fallen doch zehn Tore pro Begegnung. Das Problem ist, dass noch zu viele davon im eigenen Kasten landen.

„Ich glaube, dass zu viele Spieler noch mit dem Kopf in der Regionalliga sind und denken, wenn wir sechs Tore bekommen, dann schießen wir halt acht“, sagt Trainer Marco Rentzsch. Seine Mannschaft ist derzeit 14. Mindestens Platz 13 muss am Ende herausspringen, um die Klasse ohne Umweg in die Abstiegsrunde zu halten. „Sportlich sind wir bislang voll im Soll“, so Leonhardt.