Stuttgart –

Der VfB Stuttgart holt sich Hilfe bei einem Psychologen

Sportdirektor Dutt stärkt Trainer Zorniger den Rücken

Stuttgart.  Das Bild konnte zur Gesamtsituation beim VfB Stuttgart besser kaum passen. Da stand Alexander Zorniger im Mittelkreis des Trainingsplatzes unweit des Stuttgarter Stadions zusammen mit dem Team-Psychologen des Fußball-Bundesligisten und sprach lange über die derzeitige Situation beim Tabellen-16. Mehr als eine Viertelstunde nahm das Gespräch in Anspruch. Sind es seine Spieler, die Hilfe nach dem 0:4-Debakel gegen den als Schlusslicht angereisten FC Augsburg benötigen? Der Coach selbst, der sich nach dem desas­trösen Auftritt gleich hinterfragt hatte, ob er nicht irgendetwas übersehen hat? Oder ist es sogar der gesamte Verein, der trotz des schlechtesten Saisonstarts in der Bundesligageschichte des VfB noch keinen Grund zum Handeln sieht?

Man fühlt sich an trotzige Kinder erinnert, wenn man die Verantwortlichen der Misere reden hört. „Es gibt keinen Zweifel daran, wie wir Fußball spielen wollen, nur daran, wie es umgesetzt wurde“, sagte Zorniger. Robin Dutt, der Sportdirektor des VfB, unterstrich: „Der Weg geht weiter mit Zorniger.“ Die Frage ist, ob und wie lange die Fans dieses Spielchen noch mitmachen. Den Eindrücken vom Sonnabend zufolge ist die Geduld der Anhänger spätestens nach der Augsburg-Pleite aufgebraucht.

Kapitän Christian Gentner sprach von „einer Katastrophe“. Mittelfeldspieler Florian Klein gestand: „Ich habe zum ersten Mal in dieser Saison das Empfinden, dass wir versagt haben.“ Und Zorniger räumte ein: „Wir werden ein paar Tage brauchen, bis wir das aufgearbeitet haben.“ Dutt drohte eine schonungslose Analyse an: „Wir können nach so einem Spiel nicht sagen: Mund abwischen und weiter.“ Dass dabei auch der Trainer auf dem Prüfstand stehen muss, sollte eigentlich klar sein.

Es glich einem fußballerischen Offenbarungseid, wie sich der völlig verunsicherte und hilflose VfB in dem richtungsweisenden Kellerduell präsentierte. Egal ob Zweikampfverhalten, Stellungsspiel, Abstimmung oder das Umschalten von Abwehr auf Angriff - nichts klappte an diesem rabenschwarzen Sonnabendnachmittag.

Trotzdem wollte Zorniger noch nicht vom Kampf um den Klassenerhalt sprechen. Aber auch dem ratlos wirkenden Coach ist klar, dass in den vier ausstehenden Partien bis zur Winterpause ein Kraftakt nötig ist, „damit wir nicht den Anschluss verlieren“.

Fakt ist, dass der VfB in dieser Verfassung ein Abstiegskandidat ist. Mit 31 Gegentoren nach 13 Spieltagen entwickelt sich die amateurhafte Abwehr immer mehr zur Schießbude der Liga. Zornigers Hurra-Stil erwies sich auch gegen Augsburg als äußerst anfällig. Offensichtlich fehlt dem allenfalls durchschnittlichen Kader die Qualität, um dieses kräftezehrende, laufaufwendige und viel Spielintelligenz erfordernde System auch nur ansatzweise beherrschen zu können.