Bonn –

Zwanziger mit neuer Kritik an Beckenbauer

Sammer und Schily nehmen ihn dagegen in Schutz

Bonn. Die Rolle von Franz Beckenbauer in der WM-Affäre polarisiert auch nach seiner Stellungnahme in der „Süddeutschen Zeitung“. Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger kritisierte den ehemaligen OK-Chef für dessen fahrlässiges Verhalten im Zuge der WM-Vergabe 2006. „Er war keine Privatperson, sondern DFB-Repräsentant, der an Recht und Satzung gebunden war“, sagte er der „Bild am Sonntag“: „Er war verantwortlich für seine Unterschrift.“

Beckenbauer hatte eingeräumt, dass er „immer blind unterschrieben“ habe, wenn seine Unterschrift gebraucht wurde. Er äußerte sich auch enttäuscht von Zwanziger, einem „früheren Freund“, der mit seinen Aussagen im Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ die WM-Affäre erst ins Rollen gebracht hatte. „Wenn Freundschaft daraus besteht, Fehlverhalten zu decken und die Öffentlichkeit zu täuschen“, konterte Zwanziger, „dann ist sie nichts wert.“ Zudem kritisierte er, dass Beckenbauer den verstorbenen Ex-DFB-Präsidenten Gerhard Meyer-Vorfelder für eine dubiose 6,7-Millionen-Zahlung mitverantwortlich machte: „Ich glaube nicht an diese Version. Aber Tote können sich ja nicht mehr wehren.“

DFB hat Vize-Generalsekretär Stefan Hans entlassen

Bayern-Sportvorstand Matthias Sammer und der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily stellten sich hinter Beckenbauer. Dessen Verhalten sei laut Sammer „sehr, sehr richtig und gut“. Der 48-Jährige führte aus: „Er hat vielleicht über die Normalität gesprochen, die vielleicht keiner hören will in Deutschland.“ Schily sagte: „So ist der Franz, sehr authentisch, und er hat das glaube ich schon so geschildert, wie er tatsächlich ist, ganz ehrlich und rundheraus“, sagte der 83-Jährige. „Ich vertraue Franz Beckenbauer, dass er die WM nur mit lauteren Mitteln erreichen wollte.“ Am Dienstag wird Franz Beckenbauer laut „Süddeutscher Zeitung“ erneut von der Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer, den externen DFB-Ermittlern, zur WM-Affäre befragt.

Diese hat nun weitere personelle Konsequenzen. Der Deutsche Fußball-Bund hat Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge seinem Vize-Generalsekretär Stefan Hans wegen einer schweren Pflichtverletzung gekündigt. Dies sei bei der DFB-Präsidiumssitzung am vergangenen Freitag beschlossen worden. DFB-Interimspräsident Rainer Koch wollte sich dazu am Sonntagabend nicht äußern, Hans selbst war zunächst nicht zu erreichen.