Clásico

Ganz Real liegt in Ruinen

Nach der Demütigung durch Barça fordern die Fans den Kopf des Präsidenten. Auch der Trainer ist erledigt. Sein Nachfolger ist schon da.

Wie zwei Gockel, die keinen Ton mehr herausbringen: Die Leistungen der Real-Stars Cristiano Ronaldo (r.) und Gareth Bale erinnern an einen Generalstreik

Wie zwei Gockel, die keinen Ton mehr herausbringen: Die Leistungen der Real-Stars Cristiano Ronaldo (r.) und Gareth Bale erinnern an einen Generalstreik

Foto: Paul Hanna / REUTERS

Madrid.  Gerard Piqué war fuchsteufelswild. Alles war nach Plan verlaufen, der FC Barcelona lag auf Kurs. Innenverteidiger Piqué erkannte die Lücken bei Real Madrid und schaltete sich in jeden Angriff ein.

Das Tor, es musste doch fallen, und da kam sie, die perfekte Flanke von Neymar, direkt auf ihn zu. Doch der junge Munir besaß die Frivolität, im Weg zu stehen. Der Einwechselspieler verschoss. Es blieb beim 0:4.

Nichts mit den vollen fünf Fingern einer Hand also, die Piqué in die Höhe reckte, als Barça seinen Erzrivalen zuletzt 5:0 abfertigte, vor fünf Jahren im eigenen Stadion. Nicht die Einstellung des mythischen 0:5 im Estadio Santiago Bernabéu mit Johan Cruyff aus der Saison 1973/74.

Es war der einzige, schwache Trost für ein Real, das nach dem Debakel nicht nur sechs Punkte hinter Tabellenführer Barça liegt, sondern auch „in Ruinen“, wie die Madrider Presse einhellig festhielt.

Katastrophe im Wartestand

Dass Trainer Rafael Benítez nach nur vier Monaten im Amt seinem eigenen Todesurteil beiwohnte, steht für die „Marca“ schon außer Frage: „Jetzt oder nächsten Juni – auf dem Entlassungsschreiben fehlt nur noch das Datum.“

Die Folgen der ambitions- und strukturlosen Darbietung Reals könnten jedoch weiter reichen. Der Volkszorn richtete sich weniger gegen den Trainer, den sowieso alle für erledigt halten, als gegen Florentino Pérez. Die Fans fordern den Rücktritt des schwerreichen Bauunternehmers und Präsidenten.

Schon seit dem Austausch des so beliebten wie überwiegend erfolgreichen Carlo Ancelotti gegen Benítez erschien dieses Projekt wie eine Katastrophe im Wartestand. „Wir sind nicht wie eine Mannschaft aufgetreten“, räumte Luka Modric ein, „und es war nicht das erste Mal.“

Vor der Folie ihrer Qualitäten grenzte die Vorstellung der Stars um Cristiano Ronaldo, Gareth Bale oder Toni Kroos phasenweise an einen Generalstreik – ob aus Paralyse oder aus Protest gegen ihren neuen Trainer, ist letztlich eine akademische Frage.

Applaus vom Real-Publikum für Iniesta

Nur gelegentliche Frustbrutalitäten störten Barça beim Spaziergang durch das Bernabéu. Zweimal Luis Suárez, Neymar und Andrés Iniesta setzten exquisite Treffer, der kleine Spanier wurde dafür selbst von Teilen des Real-Publikums mit Ovationen verabschiedet.

„Andrés gehört eben nicht nur Barça, er ist Weltkulturerbe“, erklärte sein Trainer Luis Enrique, der Lionel Messi in der letzten halben Stunde noch Spielpraxis für schwerere Aufgaben verschaffen konnte. Bis dahin hatte ihn Barças Saisonentdeckung Sergi Roberto glänzend vertreten.

Pérez, so heißt es, wird die Woche zu Gesprächen mit Trainer, Spielern und seinem Beraterzirkel nutzen. Als sofortige Alternative für Benítez stünde etwa Nachwuchsdirektor Víctor Fernández zur Verfügung, ein Trainerveteran, der 1995 mit Real Saragossa den Europacup der Pokalsieger gewann.

Zur neuen Saison könnte dann Zinédine Zidane übernehmen. Der Franzose, vom Präsidenten einst per Serviettendeal als einer der ersten „Galaktischen“ angeworben, ist Pérez’ alte Traumbesetzung für den Job und wird seit voriger Saison bei der zweiten Mannschaft erprobt. Die spielt unter Zidane zwar auch nur so lala. Aber der Name klingt natürlich gut.