Berlin –

Leichtathletik: Weltverband droht Ungemach aus Kenia

Funktionäre aus Afrika sollen 650.000 Euro veruntreut haben

Berlin.  Eigentlich muss man nur in das Gesicht von IAAF-Präsident Sebastian Coe schauen, um über den aktuellen Zustand der Leichtathletik Bescheid zu wissen. Der einstige Sonnyboy des Sports ist von den harten letzten Wochen gezeichnet. Seine Haut wirkt fahl, die Gedankenfalte auf der Stirn ist tiefer geworden. Die schwerste Krise der Leichtathletik hat den in der Kritik stehenden 59-Jährigen voll erwischt. Die schweren Tage für die olympische Kernsportart sind mit der Suspendierung Russlands keinesfalls ausgestanden.

Nur kurz nachdem die IAAF ihre Sanktion gegen Russland verhängt hatte, wurden neue Vorwürfe gegen Spitzenfunktionäre laut. Das kenianische IAAF-Council-Mitglied David Okeyu soll mit zwei anderen kenianischen Funktionären, darunter Präsident Isaiah Kiplagat, umgerechnet rund 650.000 Euro veruntreut haben, die von Sponsor Nike an den nationalen Verband AK gezahlt worden waren. Die IAAF-Ethikkommission beschäftigt sich nun mit dem Fall.

Nach eigenen Angaben habe der Verband bisher nichts von den Vorwürfen und den Ermittlungen der kenianischen Behörden gewusst, allerdings ist die Angelegenheit seit mehr als dreieinhalb Monaten bekannt. Inklusive belastender Kontoauszüge. Die IAAF muss sich nun die Frage gefallen lassen, ob sie geschlafen hat oder absichtlich den Enthüllungen nicht nachgegangen ist. Immerhin kündigte die IAAF an, dass die Berufung von mehr als 200 Personen in diverse neue Kommissionen des Weltverbandes auf Eis gelegt werden soll. Zunächst will der Verband von Coe angestoßene Reformen umsetzen, darin enthalten ist auch ein Integritätscheck.

Der Teil des Berichts der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), der sich auf die Verstrickungen der IAAF in den Doping- und Korruptionsskandal bezieht, steht noch aus. Am vergangenen Montag hatte der Kommissionsvorsitzende Richard Pound betont, dass die Ergebnisse erst nach Absprache mit den Ermittlungsbehörden in Frankreich veröffentlicht werden. Dort wurde Anfang November ein Ermittlungsverfahren gegen den ehemaligen IAAF-Präsidenten Lamine Diack und weitere Beschuldigte wegen des Verdachts der Bestechlichkeit und Geldwäsche eingeleitet. Dieses Kapitel könnte für den Verband ähnlich brisant werden wie die Untersuchungsergebnisse einer öffentlich gemachten Datenbank mit 12.000 Blutwerten. Rund ein Siebtel der Proben soll Hinweise auf Doping geben – nicht nur bei russischen Sportlern. Die Untersuchungen durch Experten der Wada-Kommission laufen noch.

Am Dienstag und Mittwoch treffen sich die obersten Gremien der Wada in Colorado Springs. Dort wird erwartet, dass die nationale Anti-Doping-Agentur Russlands als nicht regelkonform mit dem Wada-Code eingestuft wird.